07. Juli 2006 Abgesehen von der jüngsten Korrektur sorgte die Preisentwicklung bei Rohstoffen und bei Edelmetallen in den vergangenen Monaten für Furore. Gründe für die Entwicklung scheint es viele zu geben, unter anderem die Vermutung, Anleger würden diese Vermögensgüter erwerben um Portfoliorisiken zu diversifizieren oder um sich gegen eine inflationäre Entwicklung abzusichern.
Während der Diversifikationsgedanke aufgrund der inzwischen positiv gewordenen Korrelationen mit Aktien, Anleihen und sonstige Produkten hinterfragt werden kann, könnte der Inflationsschutz eine gewisse Berechtigung haben. Das zeigt sich nur bedingt an den offiziellen Preisindizes, als vielmehr an der Entwicklung der internationalen Liquiditätsbestände und der Geldmengen.
Die internationale Liquiditätsversorgung ist immer noch sehr generös
So ist die Liquiditätsversorgung in den Vereinigten Staaten trotz gestiegener Leitzinsen immer noch sehr großzügig und die Geldmengen in Europa und zum Beispiel in China wachsen nach wie vor rasant und schneller als das jeweilige Bruttoinlandsprodukt. In Japan ist in den vergangenen Wochen zwar das Wachstum der monetären Basis negativ geworden, allerdings ist die monetäre Lage noch nicht allzu deutlich gestrafft worden, weil lediglich ungenutzte Potentiale abgeschöpft wurden.
Eine großzügige Liquiditätsversorgung führte in der Vergangenheit immer zu einer inflationären Entwicklung. Und das dürfte auch diesmal nicht anders sein. Alleine schon das anhaltend hohe Kursniveau an den Rentenmärkten, die Preissteigerungen an den Immobilienmärkten und insbesondere auch die hohen Rohstoffpreise sprechen für sich.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich die Anleger gegen eine inflationäre Entwicklung absichern können. Eine Studie der Ökonomen Eric J. Levin und Robert E. Wright von der University of Glasgow und der University of Strathclyde untersuchte die Eignung von Gold als Absicherung gegen eine inflationäre Entwicklung.
Langfristiger Zusammenhang zwischen Goldpreis und amerikanischer Inlationsrate
Die erste Erkenntnis dieser Studie ist die Beobachtung, daß es einen langfristigen Zusammenhang zwischen der Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten und dem Goldpreis gibt. Er ist statistisch signifikant und zeigt, wie langfristig eine Inflationsrate von einem Prozent zu einer Preissteigerung bei Gold um ebenfalls ein Prozent führt. Drittens weicht der Goldpreis zwar kurzfristig immer wieder von diesem Pfad ab. Allerdings kehrt er langfristig immer wieder zu ihm zurück. Das legt die Vermutung nahe, Gold könne sich als Absicherung gegen inflationäre Tendenzen in Amerika empfehlen. Allerdings wohl nur dann, wenn man es zum richtigen Zeitpunkt erwirbt.
Kurzfristig gebe es einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen dem Goldpreis und Veränderungen in der amerikanischen Inflationsrate, der Volatilität der Inflationsrate und den Bonitätsrisiken. Auch die Entwicklung des Dollarindex und der Gold-Leasing-Raten bestimmten mit über die Entwicklung des Goldpreises. Allerdings sei hier der Zusammenhang negativ. Dagegen scheinen die Weltinflationsrate, ihre Volatilität und das Welteinkommen für die Entwicklung des Goldpreises zumindest statistisch keine Rolle zu spielen.
Anleger in Abwertungsstaaten profitieren
Außerhalb der Vereinigten Staaten scheint sich der Kauf von Gold vor allem in jenen Ländern zu lohnen, deren Währungen gegen den amerikanischen Dollar abwerten. Umgekehrt betrachtet dürfte eine denkbare Dollarabwertung den Kauf von Gold relativ uninteressant machen, da der Goldpreis - gerechnet in anderen Währungen wie beispielsweise dem Euro - nur unterproportional steigen dürfte. Insgesamt dürfte sich der Kauf von Gold als Inflationsschutz vor allem für Dollar-Anleger anbieten. Es sei denn, die beobachtbare Tendenz zur kompetitiven Abwertung bringt alle Papierwährungen ins Hintertreffen.
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Text: @cri
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