Strategie

Mitten in der Krise: Rally der amerikanischen Bauwerte

31. Januar 2008 Größer könnten die Unterschiede nicht sein: Auf der einen Seite nehmen die Hiobsbotschaften von Seiten der amerikanischen Immobilien- und Kreditwirtschaft kein Ende. Auf der anderen Seite scheinen zumindest die Aktien der Bauunternehmen des Landes an so etwas wie einer Trendwende zu arbeiten.

Immerhin konnte der Morgan Stanley Basket-Index von Homebuilder Companies, der vom Juli des Jahres 2005 bis Anfang des Jahres 2008 in einem Abwärtstrend rund 80 Prozent seines Wertes oder 10,2 Punkte verloren hatte, in den vergangenen Tagen rund 54 Prozent oder 1,3 Punkte zulegen. Da die Berechnungsbasis sehr klein geworden war, führt auch nur ein leichter Kursgewinn zu optisch schönen prozentualen Zuwächsen.

Aktienrückkäufe sorgen kurzfristig für einen Kursaufschwung

Für die Kursgewinne dürften zumindest kurzfristig vor allem Aktienrückkäufe jener Anleger verantwortlich sein, die die Papiere vor Monaten in der Erwartung fallender Kurse geliehen und am Markt leer verkauft hatten. Diese Rechnung ist inzwischen voll aufgegangen (siehe Tabellen, hohe Leerverkaufsquoten bei amerikanischen Hausbauern und Branchenfinanzierern) und dürfte nun aufgrund der aggressiven Zinssenkungen der amerikanischen Zentralbank den einen oder anderen Anleger dazu bringen, die erzielten Gewinne zumindest aus taktischen Überlegungen zu sichern. Das heißt, sie erwerben die Aktien auf tiefem Niveau zurück und geben sie an die Inhaber, von welchen sie die Papiere ausgeliehen hatten, zurück.

Aus diesem Grund legen am Donnerstag einzelne Werte wie Pulte Homes, KB Homes oder auch Lennar bis zu 16 Prozent zu. Dabei hat Pulte Homes am Mittwoch nachbörslich Zahlen und einen Ausblick vorgelegt, die die Anleger aus fundamentaler Sicht kaum berauschen sollten. Das Unternehmen verbuchte im letzten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres nicht nur einen Umsatzrückgang in Höhe von 34 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar, sondern auch einen Rekordverlust von 875 Millionen Dollar oder von 3,46 Dollar je Aktie. Das ist der fünfte Quartalsverlust in Folge.

Unternehmensvorstand Richard Dugas erklärte sogar, die „fordernden Marktbedingungen“ der ersten neun Monate des vergangenen Jahres hätten sich im vierten Quartal sogar noch verschärft. Er geht davon aus, dass das das Unternehmen auch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres im operativen Geschäft und ohne die Berücksichtigung möglicher Abschreibungen auf Landbestände und Steuereffekte in den roten Zahlen bleiben wird. Aufgrund der restriktiver gewordenen Kreditbedingungen scheinen selbst zum Teil deutliche fallende Immobilienpreise und niedrige Hypothekenraten bisher die Nachfrage nicht wieder beleben zu können. Der Auftragsbestand bei Pulte ist zahlenmäßig um 23 Prozent auf 7.890 Häuser gefallen, wertmäßig betrug der Rückgang 30 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar.

Längerfristig dürfte der eine oder andere Wert ein im Vergleich zu den Erwartungen interessantes Niveau erreicht haben

Wie lassen sich die kurzfristigen Kursgewinne der Aktie angesichts der schlechten Zahlen erklären? Ganz einfach, ähnlich wie im Finanzsektor sind die Erwartungen der Anleger an die künftige Entwicklung der Branche so tief, dass sie kaum noch tiefer fallen können. Nicht selten ist genau in diesem Moment ein Tiefpunkt erreicht. Das heißt nicht, dass sich die Branche rasch erholen wird. Allerdings dürften zumindest die soliden Unternehmen mit rigidem Management früher oder später wieder zu einem geordneten Geschäft auf niedrigerem Niveau übergehen können.

Geht man davon aus, dass die Immobilienmarktblase im Jahr 2000 begann und davon, dass das Geschäft auf der damaligen Basis nach dem Abbau der Überbestände weitergehen kann, so wäre beispielsweise die Aktie von Pulte Homes auf Basis des damaligen Gewinns von 1,3 Dollar je Aktie mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von zwölf vernünftig bewertet. So stellt bei einigen Unternehmen das inzwischen erreichte Kursniveau einen Basis dar, auf dem sie einen Boden bilden werden. Allerdings gehört eine Portion Optimismus dazu, um sich als Anleger gegenwärtig darauf einzulassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET, GMO, GMO, BEA, 30.9.2007

 

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