Geldanlage

Tipps für die Generation 50plus

Von Nadine Oberhuber

08. Mai 2009 Sorge dich nicht - spare! Das haben Finanzexperten immer wieder geraten. Aber genau deshalb sorgen sich viele Anleger jetzt: Sie haben gespart und sehen nun, was in nur einem Jahr aus ihrem Geld geworden ist: Sie haben es in Fonds, Aktien und anderen Wertpapieren angelegt, um die drohende Rentenlücke zu schließen. Die private Altersvorsorge sollte sich leichter vermehren als andere Anlageformen. Stattdessen hat sich der Wert fast aller Depots halbiert.

Wenn Anleger noch jung sind und Zeit haben, sagt zumindest die Börsenstatistik, ist das kein Grund zur Sorge. Sie sitzen die Krise einfach aus. Nach spätestens zwölf Jahren lagen Aktieninvestments bisher immer im Plus, egal wann man sie kaufte oder welche Kursstürze kamen. Aber wer die Zeit nicht mehr hat? Wer älter als 50 ist und in zehn Jahren in Rente gehen will?

Finanzexperten raten zu Gelassenheit

Genau diejenigen sorgen sich: Mehr als die Hälfte aller Deutschen bangt erheblich ums Ersparte, belegt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Rund 75 Prozent der Deutschen fürchten, dass sie im Ruhestand viel weniger Geld zur Verfügung haben als gedacht. 2005 waren es nur halb so viele. Jeder Zweite spürt bereits, dass die Krise auf sein Einkommen oder seine Ersparnisse durchschlägt. Und jeder Fünfte beklagt Verluste bei der Geldanlage - also nicht bloß Buchverluste, sondern erlittene. Denn etliche Sparer lösten noch im Herbst ihre Aktiendepots auf.

Gerade Ältere haben nun Angst, dass sie die Rückschläge, die sie erlitten haben, nicht wieder aufholen. Mit welchem Produkt soll das auch in Zeiten der Niedrigstzinsen gehen? Aber selbst wer an Aktien und Fonds festhielt, fragt sich nun: Soll er bei den derzeitigen Aussichten nicht lieber verkaufen, bevor die Papiere noch mehr verlieren?

Ruhig bleiben, raten alle Finanzexperten: "Der größte Fehler ist: Sparer gucken nur auf ihr Aktiendepot, nicht aufs Gesamtvermögen", sagt Bernd Katzenstein vom DIA. Sie betreiben mentale Kontenbildung und versuchen unter allen Umständen - und oft mit hohen Kosten - dieses eine Konto durch wildes Hin- und Herschichten zu optimieren. Dabei verlieren sie aus dem Blick, dass ihr Gesamtvermögen viel stabiler ist und zwischenzeitliche Verluste auf dem Aktienkonto ausgleichen kann.

Rente auf einer breiten Basis

So hängt die gesetzliche Rente nicht von den Kapitalmärkten ab. Das Eigenheim ebensowenig. Zudem hat jeder Deutsche statistisch gesehen mindestens eine Lebensversicherung. Deren Ertrag fällt zwar oft niedriger aus als gedacht, aber zumindest ist die garantierte Ausszahlungssumme bekannt. Wie hoch die ist, verrät die jährliche Standmitteilung. Auch beim Riestern gilt: Es kommt mindestens das heraus, was der Sparer eingezahlt hat. So will es das Gesetz.

All diese Verträge, so sagen Berater, stellen die Rente auf eine breite Basis. Daher sollten Anleger sie auch jetzt möglichst nicht antasten. Das Kapital, das in Fonds und Co. steckt, kommt also eher als Sahnehäubchen noch dazu. Daher rät Katzenstein: "Wer bis jetzt am Aktienmarkt durchgehalten hat, sollte es auch weiter tun. Statistisch gesehen hat ein 50-Jähriger noch 30 Jahre Zeit, die Kurseinbußen aufzuholen, weil er mindestens 80 Jahre alt wird." Und das Aufholen klappt besser, wenn er auf Papiere setzt, die mehr als ein Prozent Rendite nach Abzug der Inflation abwerfen wie Staatsanleihen.

Das geht aber nur, wenn er das Geld nicht zwingend mit 65 braucht. Und wenn doch? Dann sollte er sich bis zur Rente eine genaue Strategie erarbeiten: Anfangs - und gerade jetzt - kann er guten Gewissens am Aktienmarkt anlegen. Aber er sollte regelmäßig einen Teil in sichere Anleihen und Pfandbriefe umschichten. Alle zwei Jahre zwanzig Prozent.

"Wenn Sie zehn Jahre vor der Rente stehen und sich jetzt fragen, was Sie noch tun können, sind Sie auf einem guten Weg", ermuntert Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum, das sich auf die Beratung im und kurz vor dem Ruhestand spezialisiert hat, "denn die letzten zehn Arbeitsjahre sind die wichtigsten, um noch Kapital aufzubauen." Bei den meisten sind dann die Kinder selbständig, das Haus abbezahlt und sie können mehr zurücklegen.

Mit 55 Jahren heißt die Devise: Jetzt erst recht

Das lohnt sich: Wer es mit 50 schafft, 370 Euro monatlich wegzulegen, kann bis 65 noch 100 000 Euro anhäufen. Das ergibt rund 500 Euro mehr Rente im Monat - 30 Jahre lang. Wer sogar das Glück hat, dass er einen großen Batzen Geld übrig hat, etwa weil eine Erbschaft fällig wird oder eine Lebensversicherung, der sollte über eine Immobilie in einer Großstadt nachdenken, die er vermieten kann, rät Ralf Neuhaus von der Quirin Bank. Wer in kleinen Häppchen spart, tut das am besten so:

Mit 55 Jahren heißt die Devise: Jetzt erst recht. Selbst eine Aktienquote von 100 Prozent im Depot ist mit 55 noch vertretbar, wenn der Rest des Vermögens breit gestreut ist. Denn gerade 2009 ist ein gutes Jahr, um Aktien oder Fonds zu kaufen. Dass die Kurse nämlich noch viel weiter fallen, halten viele Börsianer für unwahrscheinlich. Wenn sie aber erst einmal wieder beginnen zu klettern, dann so plötzlich, dass viele den Einstieg verpassen. Wichtig: Fonds nur ohne Ausgabeaufschlag kaufen. Sonst kostet das fünf wichtige Prozentpunkte Rendite. Onlinebanken und Internet-Fondsplattformen bieten Fonds ohne Aufschlag an.

Mit 60 Jahren spätestens sollte die Aktienquote nur noch bei 50 Prozent liegen. Die andere Hälfte steckt nun in Festverzinsern. Wer Staatsanleihen mit langer Laufzeit besitzt, sollte die jetzt durch welche mit kürzeren Laufzeiten ersetzen. So nimmt er Kursgewinne mit. Denn die Kurse der Langläufer sind gerade gestiegen, die Renditen aber gefallen. Bald werden sich beide Trends wieder umkehren. Auch Wandelanleihen sind das Papier der Stunde: Diese Unternehmensanleihen versprechen feste Zinsen und können später in Aktien umgetauscht werden. Sehr sicherheitsbewusste Selbständige, die vor allem Steuern sparen wollen, könnten über eine staatlich geförderte Rürup-Rente nachdenken. Die erhält aber eher das Kapital, die Rendite ist gering.

Mit 65 Jahren sollten keine Aktien und Fonds mehr im Depot liegen. Stattdessen gilt: Ein Drittel ist Cash, also auf dem Tagesgeldkonto. Der Rest steckt in Anleihen. Wer trotzdem noch Fonds hat, weil er sie noch nicht verkauft hat: Nicht sorgen - durchhalten! Denn nicht nur Udo Jürgens wusste: Auch mit 66 ist noch lange nicht Schluss.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: Bengt Fossag, F.A.Z.

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