18. Februar 2008 In seinem Buch Greenspan's Bubbles: The Age of Ignorance at the Federal Reserve geht William A. Fleckenstein mit dem einstigen Notenbankchef hart ins Gericht. Der Hedge-Fonds-Manager und Autor der Online-Kolumne Contrarian Chronicles analysierte die Protokolle der Fed-Sitzungen sowie Greenspans Reden vor dem amerikanischen Kongress und beobachtete die entsprechenden Marktbewegungen.
Diese Analysen und Beobachtungen bilden das Fundament seiner Kritik, die er mit Co-Autor Frederick Sheehan im bereits genannten Buch äußert. Business-Week-Redakteur Christopher Farrell wollte von Fleckenstein wissen, wie es Anlegern unter der Ägide von Fed-Präsident Bernanke ergehen wird.
Mit Kapitelüberschriften wie Wie falsch kann ein einzelner Mann liegen? machen Sie keinen Hehl aus Ihrer Einstellung gegenüber Greenspan. Was halten Sie von Ben Bernanke?
Bernanke ist ein reinrassiger Akademiker. Es war absehbar, dass ihm die Sache über den Kopf wachsen würde. Als ich mir ansah, was er im Offenmarktausschuss der Fed sagte, bevor er Notenbankchef wurde, war mir klar, dass er nicht verstand, worum es eigentlich ging. Anschließend sah er sich in seiner neuen Funktion als Fed-Präsident mit der gewaltigen Immobilienblase konfrontiert. Das konnte nicht gut gehen.
Viele Marktteilnehmer vertrauten Greenspan in der Überzeugung, dass er die Zinsen senken und die Finanzmärkte herausboxen würde, wenn sie in Schwierigkeiten geraten sollten. Trifft das auch auf Bernanke zu?
Nach meiner Ansicht wollte sich Bernanke zunächst davon frei machen, doch die Vergangenheit holte ihn schnell ein. Es herrscht gemeinhin die Auffassung vor, dass die Fed den Aktienmarkt nicht im Stich lassen kann. Während Greenspans Amtszeit konnten die Märkte zwar beliebig hoch steigen, aber nicht sinken... . Es gab keine Sanktionen für das Eingehen übermäßiger Risiken.
Was sollten Anleger vor diesem Hintergrund also tun?
Viele Anleger sind der Überzeugung, dass alles gut werden wird. Sie sehen nicht, auf welch tönernen Füßen das Gebäude errichtet wurde. Ich glaube nicht, dass die Fed in der Lage ist, das Problem der Kreditkrise zu lösen. Es wird noch schlimmer kommen. Punkt.
Man sollte auf absehbare Zeit weniger Risiken eingehen. Ich denke nicht, dass man sich derzeit auf Aktien stürzen sollte, nur weil sie ausgehend von ihren Höchstständen 20 Prozent an Wert verloren haben.
Anleger sollten ihr Pulver trocken halten, um in einer vorteilhaften Ausgangsposition zu sein, sobald das übermäßige Risiko aus dem Markt entwichen ist. Man verliert dabei wahrscheinlich ein wenig, doch dafür ist man gut aufgestellt, um nachher ordentlich profitieren zu können. Angenommen, sie erzielen für Ihre liquiden Mittel eine Rendite von drei Prozent, während die Inflation fünf Prozent beträgt. Findet man [letztlich] jedoch Aktien, die 30 bis 60 Prozent günstiger zu haben sind und deren Wert sich binnen zwei Jahren verdoppelt.
Was halten Sie davon, gegen den Dollar zu wetten?
In den vergangenen vier bis fünf Jahren habe ich in mehrere Währungen investiert. Ich besitze zudem einen Kernbestand an Edelmetallen. Man muss sich vor negativen Marktentwicklungen absichern... . Mein derzeitiger Favorit [unter den Währungen] ist der kanadische Dollar. Kanada weist einen Haushalts- und einen Zahlungsbilanzüberschuss aus und besitzt alle weltweit gefragten Ressourcen. Ich weiß nicht, ob ich den kanadischen Dollar zu 99 Cent gegen den amerikanischen Dollar kaufen würde, doch mit kanadischen Dollar im Portfolio fühle ich mich wohler als mit amerikanischen.
Gold hat als Absicherung gegen fallende Währungen einen festen Platz. Der Goldpreis hat sich in wenigen Jahren verdreifacht und pendelt derzeit um 900 Dollar je Feinunze. In diesem Preis spiegelt sich die Politik der Fed wider. Die Fed erhöht die Geldmenge solange auf Teufel komm raus, bis die Devisen- und die Rentenmärkte irgendwann sagen: Es reicht!.
Wie sieht es mit Blick auf den zunehmenden Preisauftrieb mit inflationsindexierten Anleihen aus?
Diese Anleihen sind an den Verbraucherpreisindex gekoppelt, dessen Berechnung jedoch reine Schönfärberei ist. Innerhalb der kommenden fünf Jahre wird der Rentenmarkt eine präzisere Berechnung der Preissteigerungsrate einpreisen. Wir werden dann attraktivere Zinssätze sehen.
Das Gespräch führte Christopher Farrell, Wirtschaftsredakteur bei Business Week.
Text: Business Week Online
Bildmaterial: dpa
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