Banken

Die Spuren der Kreditkrise

29. April 2008 900 Millionen Euro zusätzliche Abschreibungen bei der Dresdner Bank (Dresdner Bank ist für die Allianz schlimmer als „Kyrill“), 254 Millionen Euro vor Steuern Verlust im ersten Quartal für die Deutsche Bank (Deutsche Bank wagt keine Prognose), und die britische Bank HBOS muss 4 Milliarden Pfund frisches Kapital am Markt aufnehmen - die Kreditkrise ist immer noch voll im Gang.

Auf 312 Milliarden Dollar beläuft sich seit Anfang 2007 der Schaden schon nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg bei den 100 größten Banken und Wertpapierhandelshäusern der Welt.

Krisenfall Royal Bank of Scotland

Beispiel Großbritannien: Allein die Royal Bank of Scotland (RBS) musste in der vergangenen Woche Abschreibungen von 5,9 Milliarden Pfund bekannt geben. Offenbar hat sich die Bank mit ihrer ambitionierten Expansion, die in der Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro gipfelte, mächtig verhoben. Nun ist auch die weitere berufliche Zukunft von Sir Fred Goodwin, dem Vorstandsvorsitzenden der RBS, ungewiss.

Beispiel Japan: Die größte Wertpapierhandelsgesellschaft des Landes, Nomura Holdings, wies in der vergangenen Woche wegen milliardenschwerer Abschreibungen einen Quartalsverlust aus.

Die Liste ist tatsächlich noch länger

Die tatsächliche Höhe der Abschreibungen und Kreditverluste der Banken ist sogar noch höher als in der Tabelle gezeigt. Denn Banken, die mit weniger als einer Milliarde Dollar betroffen sind, wurden nicht ausgewiesen. Doch allein in Deutschland ist die Liste jener Banken lang, die in diese Kategorie fallen: Aareal-Bank, Postbank, Commerzbank, NordLB, Hypo-Vereinsbank, SachsenLB, Helaba.

Abschreibungen nehmen Banken - vereinfacht ausgedrückt - vor, wenn der Marktwert von Krediten, Anleihen oder anderen Wertpapieren in ihrem Besitz sinkt. Kreditverluste entstehen, wenn ein Kredit nicht mehr bedient wird.

6,8 Milliarden Euro Abschreibungen in diesem Jahr

Nach Rechnung der Analysten von JP Morgan beläuft sich der Schaden bei den Investmentbanken auf dem europäischen Kontinent allein in diesem Jahr - in Euro und nicht in Dollar gerechnet - auf 17,5 Milliarden Euro vor Steuern nach 27 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Für den weiteren Jahresverlauf erwartet JP Morgan noch Abschreibungen von 6,8 Milliarden Euro vor Steuern. In dieser Schätzung zeigt sich immerhin schon eine leichte Besserung, hatte JP Morgan zuvor 8,3 Milliarden Euro in diesem Jahr erwartet.

Neben der Deutschen Bank, die am heutigen Dienstag ihre Quartalszahlen genannt hat, rechnen die Analysten noch mit 2 Milliarden Euro Abschreibungen bei der Société Générale und 1,6 Milliarden Euro bei der ebenfalls französischen Großbank Crédit Agricole.

Société Générale schon wieder einen Kauf wert

Trotz des Skandals um den Aktienhändler Jérôme Kerviel, der angeblich einen Schaden von rund 5 Milliarden Euro verursacht hat, empfiehlt JP Morgan die Aktie der Société Générale schon wieder zum Kauf. Im Allgemeinen jedoch ist die Bank noch sehr vorsichtig bei französischen Finanztiteln. Vor allem BNP Paribas sollten die Anleger noch meiden, genauer gesagt: die Aktie solle kurzfristig verkauft werden, am besten gegen Société Générale.

Negativ sind die Analysten von JP Morgan auch gegenüber der Aktie der Deutschen Bank eingestellt, die sie auf „Untergewichten“ gestellt haben mit einem Kursziel von 80 Euro, das nur gut 3 Euro über dem aktuellen Kurs liegt. Vor allem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,3 auf Basis des für 2008 geschätzten Gewinns recht hoch bewertet. Für internationale Investmentbanken liegt die durchschnittliche Größe bei 14,9 und für europäische Banken allgemein bei 10,4.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: hlr.
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET, Reuters

 
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