10. Juni 2006 Größtenteils friedlich und ohne größere Zwischenfälle haben mehr als eine Million Menschen den Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und den ersten Sieg der deutschen Nationalelf gefeiert. Von Freitag nachmittag bis tief in die Nacht waren die Fan-Meilen in vielen deutschen Städten bevölkert. Mit Auto-Corsos durch die Innenstädte, Hupkonzerten und Gesängen zeigten Tausende ihre Freude über den 4:2-Auftaktsieg der deutschen Mannschaft über Costa Rica.
Nach Ausschreitungen in der Frankfurter Innenstadt hat die Polizei nach den beiden ersten Begegnungen der Fußball-WM am Freitag abend 20 junge Männer inhaftiert. Dabei habe es sich um 10 Deutsche, 3 Briten, 2 Polen und Menschen anderer Nationalität gehandelt. 18 von ihnen seien bereits wieder auf freiem Fuß. Gegen einen Festgenommenen werde noch wegen Sachbeschädigung ermittelt, gegen eine weitere Person habe ein Haftbefehl vorgelegen, beide seien noch in Gewahrsam. Die kurzfristigen Festnahmen hätten nichts mit Hooliganismus zu tun, da wurde zu viel getrunken, erläuterte ein Polizeisprecher.
Vermutlich englische Fans hätten die Außenbestuhlung eines Lokals in der Innenstadt zerschlagen, woraufhin sich eine handfeste Schlägerei zwischen ihnen und dortigen Türstehern entwickelt habe. Auch im Stadtteil Sachsenhausen habe es Auseinandersetzungen mit betrunkenen Fußballfans gegeben, bei denen Teile der Einrichtung einer Gaststätte zu Bruch gegangen seien. Dort seien mehrere Randalierer verschiedener Nationalitäten festgenommen worden. Ansonsten registrierten die Ordnungshüter einen Abend ohne größere Zwischenfälle.
Ein Todesfall in Berlin
Mehr als 300.000 Menschen feierten am Freitag abend in Berlin allein auf der Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule friedlich und fieberten an den Großbildleinwänden mit. Die Polizei zeigte sich am Samstag sehr zufrieden mit dem Verlauf der Feste an zahlreichen Orten der Hauptstadt. 19 Personen wurden festgenommen. Delikte waren Körperverletzung, Beleidigung, Taschendiebstahl oder Drogenbesitz. Dies sei vergleichsweise minimal, sagte Sprecher Bernhard Schodrowski.
Bei einer WM-Feier im Treptower Park starb ein 19jähriger. Der junge Mann sei herzkrank gewesen und habe zudem Alkohol getrunken, sagte der Sprecher weiter. Der 19jährige sei an einer Großbildleinwand wegen seines schlechten körperlichen Zustandes von Sanitätern angesprochen und versorgt worden. Im Krankenwagen sei er aber kollabiert und trotz aller medizinischen Bemühungen gestorben. Die Polizei bezeichnete den Berliner WM-Auftakt als gelungene Generalprobe. Wenn es so bleibt, können wir sehr zufrieden sein, sagte der Einsatzleiter der Berliner Polizei, Jürgen Klug.
Am Freitag abend waren in Berlin rund 3200 Beamte im Einsatz. Wegen der jubelnden Fans mußte nach dem Sieg der Deutschen der Kudamm vorübergehend gesperrt werden. Immer wieder brausten fahnengeschmückte und hupende Autos über die Straßen. Kleinere Rangeleien am Rande der Fanfeste wurden laut Angaben schnell unterbunden. In den kommenden Tagen rechneten die Einsatzkräfte zunehmend mit Verkehrsproblemen. Vor Spielbeginn hatten einige Fußballfans in der Nähe des Reichstages versucht, eine Einlaßstelle zur umzäunten Fanmeile zu überrennen. Dabei stürzten Gitter um. Die Beamten drängten die Personen schnell zurück.
Eingedrückter Zaun
Nach den ausgelassenen Feiern der Fußball-Fans in der Münchner Innenstadt waren am Samstag morgen kaum mehr Spuren zu sehen. Die Straßen waren sauber, nur vereinzelt waren Fans unterwegs, die sichtlich durchgefeiert hatten. Zehntausende Menschen hatten bis tief in die Nacht ausgelassen den Sieg der deutschen Elf gefeiert. Größere Zwischenfälle blieben aus. Nach einer ersten Bilanz wurden 67 Menschen vorläufig festgenommen, bei 31 weiteren wurde die Identität überprüft. Rund 3000 Polizisten waren allein in der Landeshauptstadt im Einsatz.
Schon nach dem Schlußpfiff nahmen feiernde Fans die Leopoldstraße für eine spontane WM-Feier in Beschlag, der Verkehr wurde lahmgelegt. Auch auf dem Marienplatz ging es hoch her. Ein kurzes Sicherheitsproblem hatte es nur beim zentralen Fan-Fest im Münchner Olympiapark gegeben. Nachdem die Veranstaltung wegen Überfüllung geschlossen worden war, drückten Hunderte wütender Zuschauer einen Zaun ein. Sieben Fans verletzten sich dabei leicht. Das Rote Kreuz in München zog dennoch eine positive Bilanz. Es war eine tolle Atmosphäre, deshalb haben wir überhaupt keine schweren Verletzungen behandeln müssen, sagte Sprecher Gisbert Frühauf am Samstag.
Die friedlichen Fan-Feste zum WM-Auftakt haben nach Ansicht des geschäftsführenden Präsidenten des Deutschen Fußball- Bundes (DFB), Theo Zwanziger, die Lebenswirklichkeit in ganz Deutschland gezeigt. Zwanziger sagte am Samstag: Die Leute wollen Optimismus. Der Fußball bietet ihnen eine Plattform dafür. Der Fußballsport und die Weltmeisterschaft trügen hierfür auch ein Stück Verantwortung. Der DFB-Funktionär sagte weiter: Der deutsche Erfolg hat die Fans zusätzlich beschwingt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa, sid, Reuters
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS