F.A.Z.-Korrespondenten berichten

Helm ab vor Deutschland!

Viel Rauch um den „neuen deutschen Patriotismus”

Viel Rauch um den „neuen deutschen Patriotismus”

28. Juni 2006 Die Deutschen erkennen sich nach zwei Wochen Fußball-Weltmeisterschaft kaum wieder: In Schwarz-Rot-Gold gehüllt, feiern sie mit Freunden aus aller Welt, wie sie noch nie gefeiert haben. Die Politik profitiert davon - sowenig Jammern war selten im Staat der mehr oder weniger blühenden Landschaften.

Das konnte nicht - schließlich geht es um Deutschland - ohne nationalkritischen Einspruch bleiben - doch anders als früher mußten sich allzu eilfertige Wächter des wahrhaft Deutschen für den Schwung mit der antipatriotischen Keule sogar für Bemerkungen entschuldigen, die gar nicht gefallen waren. Der Bundespräsident sagte, was die meisten dachten: Alles ganz normal!

Was denkt das Ausland über diese ungewohnten, unbeschwerten, unnormalen Deutschen? Die Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben die Stimmung eingefangen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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Argentinien

Kinder nicht willkommen

Antreiber vom Tribünenplatz: Maradona und Tochter Dalma

Die Argentinier wundern sich über den Umgang der Deutschen mit ihrem Nachwuchs. Die wenigen deutschen Kinder seien „zu traurig, zu brav oder zu weise“. Und im Osten Deutschlands sei „die Zeit stehengeblieben“, berichten sie nach Hause. Von Joesef Oehrlein

Niederlande

Wohlwollende Belustigung

Ausgelassene Party in Leipzig

Die holländische Gegenwehrmacht fühlt sich entwaffnet. Mancher mit orangem Plastikhelm zur WM angerückte „helmpje“ schämte sich ob der Feierfreude der Gastgeber. Die deutsche Patriotismuswelle wird mit wohlwollender Belustigung registriert.

Polen

Voll innerer Zweifel

Polnisch-deutsche Vorfreude

Freut euch einfach, flüstert es sanft aus Warschau, haltet zu eurer Mannschaft wie wir Polen auch. Bei aller Ermunterung schwingt aber auch die alte Sorge mit, der Nachbar könnte es in seiner Champagnerlaune wieder einmal ein wenig zu weit treiben.

Ukraine

Nationale Potenz als Meßlatte

Jubel in Berlin: Nach dem 1:0-Sieg gegen Tunesien

Der WM-Gastgeber wird in Kiew vor allem daran gemessen, was er auf dem Laufsteg der Selbstinszenierung so an Zeichen von nationaler Potenz und Leistungskraft präsentieren kann. Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten schneidet Deutschland nicht schlecht ab.

England

„Wir lieben Deutschland“

Englische Fans feiern in Köln

Die Briten bemühen sich um ein neues Deutschlandbild. Reisebeilagen legen ihren ungläubigen Lesern die Bundesrepublik als attraktives Ferienziel nahe. Deutschland sei „ungemein schön, wilkommenheißend und kultiviert“.

Israel

Ordnung muß sein

Israel scheiterte in der WM-Qualifikation an Frankreich

Israel ist ein fußballbegeistertes Land und die Aufmerksamkeit somit besonders groß. Sie gilt aber dem Sport und weniger neuen deutschen Befindlichkeiten. Berichtet wird über die neue Begeisterung in Schwarz-Rot-Gold. Mahnende Töne tauchen nicht auf.

Vereinigte Staaten

Nationalflaggen, allüberall Nationalflaggen

Amerikanische Fans beim Spiel gegen Italien

Die Amerikaner berichten ausführlich über die anhaltende Selbsterforschung der Deutschen angesichts des jähen Ausbruchs eines heiteren Nationalstolzes, der so gar nichts mit den mörderischen nationalistischen Wallungen der Hitler-Diktatur zu tun hat. Von Matthias Rüb

Südkorea

Warum hat jede Straße einen Namen?

Jubeln für Korea

Deutschland ist fern und oft auch fremd. So wie vor vier Jahren ausländische Reporter über Japan und Korea, über Kimchi und Sushi berichteten, zeigen die Koreaner jetzt Deutschland. Kein Wort der Kritik über Super-Patriotismus im Fußballfieber.