08. April 2006 Die Bundesregierung will sich einem möglichen Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland nicht widersetzen. Er kann gerne zur WM kommen. Wir wollen gute Gastgeber sein, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble am Samstag beim Symposium Fußball unterm Hakenkreuz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im schwäbischen Bad Boll. Aber es wird nicht ganz einfach sein.
Für Bayerns Innenminister Günther Beckstein ist ein Besuch des iranischen Präsidenten bei der Fußball-WM nur schwer vorstellbar. Das einfachste wäre natürlich, ihn nicht einreisen zu lassen, sagte Beckstein am Samstag bei der CSU-Vorstandssitzung im oberfränkischen Bad Staffelstein. Diese Frage müsse aber die Bundesregierung entscheiden.
Eines der schwierigsten Randgebiete der WM
Zuvor war der Chef des iranischen Fußballverbandes, Ali Dadkan, mit dem Hinweis zitiert worden, der iranische Staatspräsident könnte Spiele der iranischen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland besuchen wollen. Dadkan hatte das Nürnberger Frankenstadion besichtigt, wo die iranische Mannschaft ihr Auftaktspiel am 11. Juni gegen Mexiko bestreitet. Unser Präsident liebt Fußball. Er trifft regelmäßig Spieler des Teams, sagte der Funktionär.
Schon seit Wochen wird in Regierungs- und Sicherheitskreisen eine solche Aussicht als eines der schwierigsten und heiklen Randgebiete der Fußballweltmeisterschaft bezeichnet. Außenpolitische Verwicklungen, wie sie am Freitag in ersten Ansätzen deutlich wurden, könnten sich mit sicherheitspolitischen Herausforderungen verknüpfen, wenn iranische Oppositionelle in Deutschland die Gelegenheit nutzen würden, gegen den iranischen Staatspräsidenten und dessen Besuch in Deutschland zu demonstrieren. Auch wäre zu klären, mit welchem staatlichen Protokoll der Besucher aus Iran empfangen würde.
Ahmadineschad bräuchte kein Einreisevisum
Ahmadineschad hatte in öffentlichen Äußerungen mehrfach den Massenmord an den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland bestritten. Überdies wird ihm eine aggressive Politik gegenüber Israel vorgehalten. Hinzu kommt der Streit über das iranische Atomprogramm. Auf der anderen Seite wird der deutsch-iranische Außenhandel gefördert. Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier hatten mehrfach die den Holocaust leugnenden Äußerungen des Staatspräsidenten als inakzeptabel kritisiert.
Schäuble will denn auch die Gelegenheit für eine kritische Auseinandersetzung mit Ahmadineschad nutzen. Ich werde ihn auf einige Äußerungen aus der Vergangenheit ansprechen, kündigte der CDU-Politiker an. Die iranische Mannschaft, die ihr WM-Quartier in Friedrichshafen am Bodensee beziehen wird, bezeichnete er mit Blick auf Sicherheitsfragen als Sorgenkind. Iran spielt in der WM-Vorrundengruppe D mit Mexiko, Angola und Portugal.
Regiserungssprecher Steg hatte am Freitag gesagt, Iran habe sich nach 1978 und 1998 zum dritten Male für eine Fußball-WM qualifiziert, spiele in Nürnberg, Leipzig und Frankfurt am Main gegen Mexiko, Angola und Portugal, und die Iraner seien ein fußballbegeistertes Volk. Bei allen weiteren Fragen werde man sehen, ob sie sich in Wirklichkeit stellten. Er wolle keine Vermutungen anstellen, was sein könnte, solange ich nicht weiß, was sein wird. Ein Einreisevisum benötigte der iranische Staatspräsident nicht, teilte das Auswärtige Amt mit.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und ban. / F.A.Z., 08.04.2006, Nr. 84 / Seite 1
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