
Die Aussage, der Täter hat nichts zu sagen, halte ich für dekadent. Denn man kann nicht auf der einen Seite erkennen, dass die Medien (und)- Welt genau das macht, was er wollte und was er vielleicht nie bekommen hat: Aufmerksamkeit.
Und brav wie die Medien sind liefern sie mit dem Hinweis, dass man sich bewusst sei, dass es sich um Aussagen eines Mörders handelt. Zeigt nicht genau das, dass es letztendlich nicht um Vernunft sondern um Einschaltquoten/Aufmerksamkeit geht? In einer Welt, in der wir immer mehr Freiheiten haben, lehren und lernen wir immer weniger was das bedeutet.
Der Täter war vielleicht nicht in der Lage seine eigenen Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und das Freiheit nicht gleichbedeutend ist alles zu können oder zu erreichen was man sich wünscht. Wenn man das nicht bei sich integrieren kann und noch dazu den sozialen Kontakt verliert führt es zu einem "Clash" der Gefühlswelt. Und so, wie wir uns lieber über eine grausame Tat informieren und kommentieren als uns um unsere Nachbarn zu kümmern, so fallen diese Personen immer wieder durch das Netz sozialer Anerkennung. Gedrängt von dem Gedanken die Welt kennt, wie im Film, nur einen Hauptdarsteller wird der Wunsch umgesetzt – auf der Bühne des realen Lebens.

Sie berichten:
Es gebe keine zwei sinnvoll zusammenhängenden Sätze auf diesen engbeschriebenen Seiten, heißt es, also werden sie einzeln herausgelöst: „Ihr hattet Hunderte von Milliarden Gelegenheiten und Wege, das Heutige zu vermeiden. Aber ihr habt entschieden, mein Blut zu vergießen. Ihr habt mich in die Ecke gezwungen und mir nur eine Option gelassen. Das ist eure Entscheidung. Nun habt ihr Blut an den Händen, das sich nie mehr wieder abwaschen lässt.“
Das verstehe ich nicht. Das sind doch gleich FÜNF zusammenhängende Sätze. Ist das nun schon das Ergebnis des "einzeln Herauslösens"? Dann hätte man die Sätze also nicht nur "einzeln herausgelöst", sondern auch gleich in eine "sinnvolle" Abfolge integriert, Herrn Cho mithin eine "verständliche" Stimme gegeben. Oder hält man das alles einfach nur für EINEN Satz, etwa, weil bis zwei -- oder gar bis fünf -- zu zählen nicht mehr zeitgemäß ist?

Meiner Meinung nach hat das Kerlchen, das gerade 32 oder 33 Menschen mit sich in den Tod gerissen hat, zu viel Lara Croft und andere Spielchen/Filme gesehen. Vielleicht sollten alle Tötungs- und Mordakte in Medien zensiert werden oder zumindest freiwillig so gestrickt werden, dass dies einfacheren Gemütern nicht imponiert. Es kann doch nicht sein, dass die Gesellschaft Mord im Kinderprogramm duldet, aber bei ner nackten Brust aufschreit.