
In seiner Einschätzung kann ich meinem Vorkommentator nur beipflichten. Von ihm wurde alles was dazu zu sagen ist in kurzen und knappen Worten gesagt.
Mir ist auch unbegreiflich warum sich die FAZ diesem Thema in dieser Ausführlichkeit widmet und sogar noch die Werbetrommel für ein neu erscheinendes Buch rührt.
Es ist leider zu beobachten wie sich die FAZ, vor allem die Internet-Ausgabe, immer mehr an Niveau verliert.
Hierzu nur noch zwei Anmerkungen: Nur weil es umsonst ist, muss es nicht schlecht sein. Ich hoffe nicht, dass dieser m.E. schlechte Journalismus auch auf Ihre gedruckte Ausgabe übergreift, da ich ansonsten auch diese nicht mehr lesen werde.

Alles in allem erscheint mit die Berichterstattung der FAZ allzu wohlwollend gegenüber diesem Herrn Grass, der sich als Besserwisser und Moralapostel aufgespielt und als Heuchler erwiesen hat. Daß die vereinigte Linke an ihrer Ikone festhält, zeigt nur deren Verlogenheit und Kaderdenken. Viel zu kurz kommt aber der unmoralische Aspekt, daß Grass mit diesem Marketing-Coup auch noch ein kleines Vermögen scheffeln wird. Deshalb: nicht kaufen! Wir wissen genug von und über Grass.

Es scheint einfach nicht möglich in unserem Land eine sachliche Diskussion zu führen. Als Autor mag Grass, ich habe seine Art des Schreibens nie gemocht, Peter Bamm und Stefan Zweig stehen mir da näher, Großartiges geleistet zu haben. Als Mensch und vor allem in der Rolle als moralisches Gewessen der deutschen Nation hat er versagt. Er hat verschwiegen wozu er andere stets aufgefordert hat. Das ist Heuchelei schlimmster Sorte. Dem Autor Grass mag man weiter zuhören und seine Bücher lesen, dem Menschen Grass verweigere ich persönlich in Zukunft, dass ich auch nur zuhöre, was er zu sagen hat, wenn er meint, wieder einmal die moralische Keule schwingen zu müssen.

"Und dieses spätere Leben war unter anderem von dieser Scham gezeichnet."
Dass Sie Ihren Zeigefinger "verschämt" erhoben hätten, ist mir nicht bekannt; vielfach dürfte vom Gegenteil die Rede sein.
Daher gehe ich davon aus, dass Sie zutreffend von "unter anderem" sprechen, wobei das "andere" dann wohl über 60 Jahre die größere Rolle gespielt hat - zum Beispiel der kommerzielle Erfolg Ihrer Bücher.
Dass Sie in der Vergangenheit sprechen, läßt die Vermutung zu, dass Sie sich die Scham restlos von der Seele geschrieben haben - und, was bedenklich wäre, sich jetzt etwa nicht mehr für die Mitgliedschaft in der Waffen-SS schämen? Oder aber dafür schämen, 60 Jahre lang nicht den Mut aufgebracht zu haben, in erster Linie sich selbst, aber insbesondere auch den von Ihnen Kritisierten gegenüber wahrhaftig und aufrichtig zu sein?
Sollten Sie am Ende sogar zu einem "schamlosen" Zeitgenossen verkommen sein?
Sogern ich es täte, ich kann mich nicht dagegen wehren: Sie tun mir leid!

Jetzt entblößt sich die wahre Schaffenskraft Deutschlands Intellektuellen Nr. 1 (Cicero 04/06). Besser noch als theoretisch erdachte Fehler und Konsequenzen anzumahnen lässt es sich aus der Erfahrung der eigenen schöpfen. Dabei war es für Grass unerlässlich diese zu verschweigen, sonst wäre sein Mahnen mit einem "Er weiß, wovon er spricht" bemäkelt worden. Nicht umsonst ist der Begriff "Besserwisser" hierzulande negativ konnotiert.
Ich kann auch die Forderung eines Philipp Mißfelder (u.a.) nicht verstehen, "Grass solle all seine Ehrungen und Auszeichnungen [...] zurückgeben" (FAZ.net vom 15.08.06). Hat er (PM) etwa nach seinem menschenrationalisierenden Vorschlag, Patienten ab einem bestimmten Alter notwendige Behandlungen (die berühmte Hüftoperation) nicht mehr zu gewähren, seinen Vorsitz der Jungen Union abgegeben? Im Gegensatz zu Grass konnte Mißfelder scheinbar nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden.
Wo ein Politiker sich lediglich "vergaloppiert", kann für einen unserer bedeutendsten Vordenker nicht ein Lebenswerk zerstört sein.
Ich habe das dumpfe Gefühl, dass Grass am Ende doch noch die ihm zustehende Ehre (zurück)erhält, doch schenkt man ihm auch noch Gehör? Sonst wäre Harald Schmidt die neue Nr. 1!

"Dunkle" Vergangenheit- werden die drei Monate eiens siebzehnjährigen bei der in sich zusammenbrechenden Waffen SS genannt... (Jllands Potsen u.a.);: da lachen ja die Hühner!