
Ich denke, einige Beiträge hier tun der Maischberger unrecht. Schließlich ist sie eine Frau, und es muss einer Frau doch gestattet sein, einem männlichen Pfau wie Lagerfeld ein bisschen auf den "weiblichen" Zahn zu fühlen. Das ist für eine Frau sicherlich nicht nur eine Sache von "Ehre“, sondern vermutlich auch eine von nicht wenig Spaß! Und Lagerfeld fordert es schon heraus, dass man nach der Anzahl der Toiletten in seinen Häusern fragt, wenn er damit kokettiert, so und so viele Koffer für das immer gleich auszusehende Outfit mitzuschleppen! Er macht eben nicht nur Mode mit seinen Kleidern! Einen Lagerfeld nur distinkte Fragen zu stellen, wäre in etwa so absurd, als würde man einen Louis XIV (posthum natürlich) nach der historisch verbürgten politischen Bedeutung von Versailles befragen, zumal dieses Schloss eben erst nach ihm zu jener - mit diesem Namen verbundenen - Berühmtheit gelangte. Zur Zeit Louis war es „nur“ d e r Ausdruck von Zeitgeist innerhalb einer bestimmten Klasse! Und natürlich interessiert ein Lagerfeld daher nicht irgendein realer politischer Ausdruck seiner Zeit, wenn er doch in Person die Überzeichnung dessen ("autofaschistischen") Marotten verkörpert.

"mühsam" ist wohl nicht der richtige ausdruck um die geistreiche und einzigartige darstellung von karl lagerfeld in der gestrigen maischberger-sendung zu beschreiben. mühsam war wohl eher der interviewstil von frau maischberger, der wirklich kein klischee ausließ und einem gast wie lagerfeld nicht mal ansatzweise gerecht wurde! lagerfeld ist ein genialer, äußerst niveauvoller und überaus witziger interviewpartner - darüberhinaus wurde das interview mehr oder weniger von ihm dirigiert, eine tatsache, die nicht für die journalistischen fähigkeiten einer moderatorin spricht. außerdem war es mehr als unhöflich das video mit den "alten schulfreunden" GEGEN den ausdrücklichen wunsch des gastes einzuspielen, es war eher verwunderlich dass lagerfeld trotz dieser beleidigung geblieben ist.
lagerfeld selbst ist die pure inspiration, man kann von diesem mann, der ja tatsächlich zu den wichtigsten menschen der modewelt der letzten 50 Jahre gehört, nur lernen - und sei es auch bloß, wie man sich in einem denkbar schlecht geführten interview erfolgreich behaupten kann!

Seine Behauptung, er sei „ unpolitisch“, ist (s)eine Berufslüge. Jeder gute Modemacher ist von Haus aus ein besserer Politiker also so mancher Polit-Profi. Mode heißt den Zeitgeist wenigstens zwei Jahre im Voraus zu erahnen - da dies aber mehr ein "ahnen" als ein wissen ist, liegt das „Banale“ dem "Tiefgründigen" so nahe. Denn Mode ist banal (oberflächlich), aber das damit verbundene Zeitgefühl trifft auf Tiefliegendes. Allerdings kann man von ihm keine Visionen über die gegebene Gesellschaft hinaus erwarten, denn sein Geschäft ist das Gegebene und seine Fähigkeit dieses maximal zu dehnen. Infolge ist sein Menschen- und Gesellschaftsbild „unter aller Sau“. Insofern war dieses Interview für mich nur dahingehend eine Überraschung, als ich nicht geglaubt hätte, dass es der Maischberger so elegant gelingen würde, das alles und mehr wieder aus ihm heraus zu holen. Aber wer sich an einem Henry Kissinger versucht hat, der fürchtet vermutlich auch keinen Karl Lagerfeld.

das Herr Lagerfeld eine dreiviertel Stunde geprahlt(Bramarbasieren) hat, ist mir während der Sendung nicht aufgefallen. Er hat doch ein unterhaltsames Gespräch mit Frau Maischberger geführt.
Anlass des Gespräches war die Austellung seiner Fotos in Berlin, welches der Autor in seinem Artikel gar nicht erwähnt hat.
Und wenn Frau Maischberger nur allgemeine, lästige Fragen um das Leben des Herr Lagerfeld stellt, wird er auch nur dazu Antworten geben.
Ihr Job ist es interessante Fragen zu stellen, Lagerfeld´s Job ist die Mode, welche er seit Jahrzehnten als einziger deutscher Staatsbürger in Frankreich für mehrere Modehäuser prägt. Und das wurde ihm nicht geschenkt, sondern das hat er durch Leistung und Disziplin erreicht.
Ob man so eine Persönlichkeit nach seinen Schlafanzügen fragen muss, finde ich nicht gerade witzig...
soviel zu investigativem Journalismus...:(

Ich habe die Sendung nicht gesehen.
Das macht aber auch nichts, denn Lagerfeld ist nicht wichtig, mir nicht wichtig, und nach seiner Abmagerungskur nicht einmal mehr gewichtig.
Ebenso wie seine verbalen Staccatoattacken, die nur dokumentieren, was er von einem seiner Gegenüber hält. Respektlos nennt man das wohl.
Der Vergleich mit Bohlen hinkt zudem, denn obwohl Bohlen ähnlich unwichtig ist, ist er doch zig Male unterhaltsamer und näher am Leben als der entrückte Lagerfeld.
Bohlens Tagesablauf kann man sich noch einigermaßen interessant vorstellen, bei Lagerfeld hingegen graut es einen ob der Vorstellung dieser Ödniss.
Aber, das ist ja nicht wichtig.

Ein tolles, spannendes Interview. Einer der besten Maischbergers überhaupt. Nur über Politik und Religion sollte man sich mit Lagerfeld nicht unterhalten - scheint nicht seine Sache zu sein. Aber warum auch: Er hat vieles andere zu bieten. Höchst unterhaltsam und meistens hatte er auch noch recht. Sehr witzig, gute Fragen und schön, dass man sich soviel Zeit mit ihm lies. (Die Passage mit den "Lustgreisen" war doch richtig klasse, was hat der Autor überhaupt)

Das konnte nur schiefgehen. Ehrlich über bekannte Kratzer im Hochglanzlack der Moderanche sprechen ging nicht, weil - da will er schließlich noch ne Weile Geld verdienen. Was über sich sagen, wollte er offensichtlich auch nicht.... Was blieb war kostenlose Werbezeit/Imagepflege für die Marke "Lagerfeld". Frau Maischberger mußte gestern hart für ihr Geld arbeiten und doch hatte am Ende nur einer was davon. Dem Zuschauer jedenfalls, blieb am Ende nur das Staunen darüber, wie souverän KL die Show im Griff hatte.

Bisher stand ich eher distanziert zu Lagerfeld. Er machte auf mich stets den Eindruck eines Möchtegern-Aristrokraten, dem es nur unzureichend gelingt, seine bürgerliche Herkunft zu verbergen. Seit dem Interview mit Maischberger sehe ich Lagerfeld mit anderen Augen. Soweit er bereit war zu antworten, hat er dies in einer wohltuend direkten und unverbrähmten Weise getan. Obwohl seine Antworten wie "aus der Pistole geschossen" kamen, waren sie konsequent logisch, inhaltsvoll und intelligent; vielleicht war es Letzteres, was Maischberger Mühe bereitet haben mag (das glaubt jedenfalls Michael Hanfeld). Mir schien, dass Maischberger gerade wegen des nicht geradlinigen Verlaufs des Gesprächs die Begegnung mit Lagerfeld positiv im Gedächtnis behalten wird und durchaus auch behalten möchte.
Wenn Lagerfeld droht, das Interview abzubrechen, dann sollte dies nicht Grund für Hanfeld sein, auf Lagerfeld in kindischer Manier herumzuhacken sondern Anlass sein sich klar zu machen, dass auch ein Journalist die Regeln des Anstands zu beachten und Inquisitorisches zu unterlassen hat. Im Übrigen gilt auch hier: der Ton macht die Musik.
Norbert Wittke
Almeria, Spanien

Sandra Maischberger hat nach ihren Meister-Interviews mit Brauchitsch (Spiegel-TV) und Leni Riefenstahl den Mode-Kaiser Karl Lagerfeld vorgeführt, der das Gewitter seiner Apercus so schnell abspult, das man sich nichts dabei denken kann und soll. Schopenhauer empfiehlt in seiner Eristik, dass man ganz einfach Unsinn reden soll, der Zuhörer ist mit der Entwirrung des Unsinns so beschäftigt, dass er nicht mehr folgen kann. So unterhält sich Lagerfeld auch auf Parties: Es kommt nur darauf an irgendetwas geistvoll Scheinendes zu sagen, Hauptsache der Partner fragt nicht nach. Bei Maischberger konnte Lagerfeld nicht damit rechnen und sie führte somit das nackte Gerippe Lagerfelds klassisch vor. Der Zuschauer merkte schliesslich: Der Kaiser hat gar keine Kleider mehr an. Nach Desireé Nosbuschs Interview mit Klaus Kinski darf dieser Talk zu den Meisterstücken der entkleidenden Interviews gezählt werden. Lasst Lagerfeld bitte weiter Mode machen, die ist schön und gut, aber bitte keine Entkleidungen mehr.
Gustav Adolf Pourroy, München

Man schick diese unnutze Lagerfeld endlich in die Wüste - wo er hingehört (die sonne brillen hat er schon).
Welche gesellschaft braucht eigentlich solche typen?
Sind wir alle so verarmt das wir solche gurus brauchen?
Meine mutter hat mir beigebracht was ich anziehen soll oder nicht - meine eigen geschmack entwickelt sich passend zu meine jeweilger alter und zustand - ich brauche keine hilfe von irgendwelche selbst ernnate gurus.
Schönen Niklaus

...am besten war allerdings als er sich als unpolitisch und zudem als Nichtwähler outete. Dies aber nicht wirklich rechtfertigen konnte, was zu einem allgemeinem und sinnlosem Geplapper über die Menschheit an sich führte...Das ist allerdings ehrlicher als irgendwelche Starfriseure oder Modemacher, die sich für besonders intellektuell halten und bei Christiansen über Politik reden...