
@elch,@ jakobsen Die symbiotische Beziehung von Politik und Unterhaltungsfernsehen ist aber längst bekannt. Wer will Beckmann ernsthaft einen Vorwurf machen? Da passen eben Contergan, Roland Koch als hessiches Wiederauferstehungserlebnis, die Opelkrise, das Novemberkind, ein bißchen Witz und wichtig, wichtig gut zusammen. Man hätte die Sache - wie von Kaube gefordert - noch mit der Schuldebatte um G8/G9 garnieren können, eben das nächste Mal. Aus der Megamaschine ist kein Ausstieg in Sicht. Da müßte nicht nur das Fernsehen neu erfunden werden. Lieben nicht viele Zeigenossen klammheimlich "dummes Geschwätz und gespielte Naivität"? Wer will sich noch an "sperrigen Bildungsgütern" und komplexen politischen Themen abarbeiten?

Das ist das Problem der Berufspolitiker, entweder sie stehen zu ihren Überzeugungen und werden im Zweifelsfall schnell abgewählt oder sie richten ihre Meinung nach der jeweiligen Mehrheit der Wähler aus, verraten sich selbst und falls überhaupt vorhanden ihre Ideale, kleben an der Macht und streichen die dicken Bezüge und Pensionen ein. Ähnliches gilt auch für Journalisten die sich nach Auflagezahlen und Einschaltquote zu richten haben, wirklich objektive Berichterstattung ist doch eher die Ausnahme als die Regel. Sei es um den Vorlieben oder Abneigungen des Chefredakteurs resp. des/der Inhaber/s gerecht zu werden oder um die Zielgruppe zu bedienen.

Ich mag Beckmann an sich sehr, jedoch ist es auffallend, dass er sich bei politischen Gästen zu sehr persönlich echauffiert und oft stark über das Ziel hinaus schießt. Mehr Zurückhaltung würde ihm sehr gut tun. Auch das zu schnelle Dazwischen-Reden bei diesen Gästen kommt garnicht gut an. Etwas mehr Neutralität und Ruhe bitte bei solchen Gesprächen !

Geld ist bestimmt nicht das Hauptargument für eine Karriere in der Politik. Ein Minsiterpräsident verdient inclusive Landtagsmandat und Vergünstigungen keine 20.000 Euro im Monat. Das sind also weniger als 250.000 Euro im Jahr. In guten Jahren bekommt ein Ackermann über 10 Millionen Euro, Ackermann verdient also deutlich mehr als sämtliche Ministerpräsidenten Deutschlands zusammen ! Die haben aber auch einen 16 Stunden Tag mit einer 7 Tage Woche. Und ob in den Vorstandsetagen soviel bessere Arbeit geleistet wird, wage ich auch mal zu bezweifeln...

Jürgen Kaube wird zum Ankläger und Richter, zum Beurteilenden aus der Vogelperspektive der sich selbst Übersicht, Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Objektivität zuspricht, ungeachtet aller vergangenen und aktuellen Handlungsweisen der Politiker und der Medien. Wo er, Kaube, Objektivität vorgibt ist parteiische Polemik. Indem er Politiker UND Journalisten ob ihres Opportunismus und kurzen Gedächtnisses kritisiert dient er dem Leser subkutan seine subjektive, platte Anschauung an. Zitat: "...heute milde, weil es vorgestern - minus 12 Prozent bei den letzten Wahlen - mit dem Verschärfen in Sachen Ausländerkriminalität nicht geklappt hat." Ätzende Polemik! Politiker UND Jornalisten befinden sich im hier und jetzt und greifen Themen auf, die aktuell die Menschen bewegen. Das ist ihnen nicht vorzuwerfen, sondern das erwartet die Gesellschaft. Vorgestern geschahen Verbrechen und das war Thema und nicht Wahlkampftaktik. Heute ist es die Lage der Weltwirtschaft. Herr Kaube: Sie sind Opfer der Agitation des Mobs mit seinem fast erfolgreichen Schlachtruf: "Der Koch muss weg". Gehen Sie in sich und prüfen Sie, ob sie ihren eigenen hehren Ansprüchen gerecht werden. Respice post te, hominem te esse memento!

Einige meiner Vorredener scheinen übermenschliche Kräfte zu besitzen und Gedanken lesen zu können. Ob man Roland Koch nun sympathisch oder unsympathisch findet, Tatsache ist, dass er aus seinen Fehlern gelernt zu haben scheint - die Betonung liegt auf "scheint". Ist es schlimm, dass ein Mensch aus seinen Fehlern lernt? Das Roland Koch nicht über jeden Zeifel erhaben ist, hat er - soweit ich mich entsinnen kann - nie in Abrede gestellt. Wenn, dann waren es Teile der Öffentlichkeit, die sich nicht anders dabei zu helfen wussten, Herrn Koch die Anerkennung Teil werden zu lassen, die ihm - trotz seiner politischen Versäumnisse in der Innen, Justiz- und Bildungspoltik - ohne Zweifel gebürt. Wir wollen nicht vergessen: Ohne Moos ist auch in Hessen nix los. So wird Hessen im laufenden Jahr 2008 mit 2,9 Mrd. Euro so viel an Mitteln in den LFA einzahlen, wie Berlin erhält. Das sind 2,9 Mrd. Euro, die für ein Mehr an Polizeibeamten, an Staatsanwälten, an Richtern, an Lehrern und an Kindertagesstätten fehlen. Das ist Tatsache! Was Roland Koch wirklich denkt und fühlt, wissen wir doch gar nicht. Wichtiger als seine Person ist die Sache, nämlich die Verbesserung der Lebensqualität der "hessischen Bevölkerung" in seiner Gesamtheit. DIE SACHE!!!

Also, Roland Koch hat falsche Wahlkampfparolen und Strategien genutzt und wurde falsch beraten. Sehr wohl hat jeder Politiker das demokratische Recht als Grundprinzipien, seine Meinung zu andern oder sich dann dem Willen der Wahler anzupassen, wenn er Wahlen gewinnen will und dagegen darf der Burger nichts haben, denn Wahler und Politiker wechseln jeden Tag Meinungen und verwischen schnell, was gestern gesagt und gemeint wurde. Roland Koch hat jedoch gar nichts vom dem, was man Frau Ypsilanti vorwerfen kann, namlich den Willen aufzubringen Wortbruch zu begehen und dazu noch Mitglieder zu erpressen und das ist viel viel schlimmer und deswegen zahlt sich miese Politik nicht aus. Das der Reporter oder Showmaster den Politiker versucht in die Enge zu treiben, das ist doch ganz normal. Talkshows dieser Art sind ein gegenseitiges Ausspielen, wie im Schach auch. Also, der Schulpolitik sage ich, das der "faule" Schuler die "alte" Grammatik nicht mehr lernen braucht und auch daruber hinaus, wird dem Schuler jede Menge weitere Entlastungen geboten und wer von zuwenig Freizeit redet, dem sage ich, das der Schuler soll sich gefalligst hinsetzen und aufhoren zu jammern und lernen, denn die Eltern mussen auch 8-9 Stunden am Tag arbeiten.

Großartige Kritik, vielen Dank. "Symbiose" kennzeichnet das "Ich bin kritisch, aber ich kann nicht ohne" der Medien und der Politik sehr gut. Politik und Medien haben beide dasselbe Ziel: Möglichst hohe Anerkennung bei denen, die für die Politik die Wähler und für die Medien die Käufer darstellen. Daraus entstehen dann beliebige Win-Win-Situationen. Naiv ist dann derjenige, der annimmt, Politiker wären einem Sachziel verpflichtet - etwa dem Wohl des Volkes. Sind Politiker natürlich nicht - sie sind ihrem eigenen Erfolg verpflichtet. Naiv ist aber auch derjenige, der annimmt, Journalisten wären so etwas wie eine vierte Macht im Staat. Unsinn - sie sind Produzenten eines Infotainment-Produktes. Und sollten sich in ihrem eigenen Anspruch etwas bescheidener geben. Wie nennt die Biologie zwei Wesen, die sich symbiotisch verbünden, um ein sehr viel größeres, aber träges Wesen bewohnen (und beherrschen) zu können?

Ist Macht für Roland Koch das wichtigste? Das war eine rhetorische Frage. Das, wofür sich Roland Koch vor Jahren noch mit Inbrunst und voller Überzeugung eingesetzt hatte, z.B. Studiengebühren und Atomkraft, ersetzt er nun durch "keine Studiengebühren" und "erneuerbare Energien" und begründet diesen drastischen Kurswechsel euphemistisch mit dem Wählerwillen. Es scheint so, als weise ihm das Fähnchen im Wind den Weg.

a) beckmann hat doch eh nur bildzeitungsniveau, also wozu aufregen. b) eine hass-kampagne der faz gegen frau ypsilanti vermag ich nicht zu erkennen. vielleicht sollte man sich da eher mal mit dem stalinistischen verständnis einer kaderpartei auseinandersetzen. das verhalten der hessischen spd-führung hat etwas mit hass und menschenverachtung zu tun, nicht das berichten darüber.

Jetzt mal im ernst, ich stell mich mal jetzt als kurz als Parteiunabhängig hin und kann daher auch über meine politischen Vorbilder herziehen: Es geht nur und einzig allein nur ums Geld. Die Macht ist dann sekundär, aber dennoch wichtig, keine Frage. Aber mal ehrlich, ein normaler Abgeordneter im hessischen Landtag, wie zB die rote Ypsi kriegt wieviel Kohle im Monat? Ja jeder weiß...ZUVIEL, aber dennoch würde ein Aufstieg zur MP dieses Salär doch um ein vielfaches anschwillen lassen. Zudem gespickt mit der Macht und dem Ehrgefühl, was diese mit sich führt. Man kann es keinem verdenken, dass die Poltiker sich wie Opportunisten verhalten. Es geht darum, weiter Monat für Monat viel Geld zu verdienen und zudem die Pension aufzustocken, die auch schon bald kommt. Das ist das negative an der Demokratie. Erst recht an so einer gewaltig großen wie hier in Deutschland mit dem föderalen System der Bundesländer. Alles in allem haben wir mit Sicherheit an die 2.000 Abgeordnete im ganzen Land (Bund, Länder, Kommunen, EU), die alle gemütlich einige Tausend Euro pro Monat erhalten. Da wäre ich auch Opportunist! Und jeder andere auch!

Soviel kritischen Journalismus habe ich in der FAZ schon seit längerem nicht mehr gelesen und dafür bin ich Jürgen Kaube überaus dankbar. Als Philosoph finde ich es darüber hinaus angenehm, in den Medien zur Abwechslung mal mit ein wenig Syllogismus und nicht immer nur mit Eristik konfrontiert zu werden. Die Aussage: "Der Vorwurf der Prinzipienlosigkeit an Politiker geht nicht selten mit einem ganz eigenen Opportunismus des Journalisten einher", ist geradezu medienaufklärerisch und sollte als großes Plakat in jeder Redaktion hängen. Auch in der Main-Metropole. Denn: gnothi seauton, Frankfurter-Allgemeine-Zeitung.

Die SPD feiert große Erfolge in der Politik. Allerdings nicht so wie sie es sich ursprünglich vorgestellt hatte. Anstatt selber an die Macht zu kommen hat sie es geschafft ihre Gegner zu "sozialdemokratisieren". Die CDU im Bund ? Vor 30 Jahren hätten ein Franz Joseph Strauß oder ein Alfred Dregger die Frau Merkel vermutlich des Kommunismus beschuldigt, angesichts der aktuellen Familien oder Steuerpolitik. Die CSU in Bayern ? Seehofer wird nicht müde mit den Begriffen "Staat" und "sozial" um sich zu werfen. Und die letzte Bastion des Konservatismus, der "brutalstmögliche" Koch in Hessen ? Plötzlich lammfromm, will von Studiengebühren nichts mehr wissen, aber redet stattdessen staatlichen Eingriffen das Wort und klingt irgendwie genau wie die Leute, die er selber vor einigen Jahren noch als 'rote Socken' am liebsten aufgehängt hätte. Die SPD Partei hat von dieser "Sozialdemokratisierung" nicht viel, den sozialdemokratisch gesinnten Wähler aber wird es sehr freuen. Wenn Koch so weiter macht, wähle ich Ihn auch ! :-)

Das Verhältnis von Politiker und Moderator als Symbiose zu bezeichnen, erachte ich als falsche Wortwahl. Vielmehr nutzt der eine den anderen als Vehikel seiner Botschaft - wobei in diesem Fall sowohl Beckmann als auch Koch den Eindruck verbreiten, eine Botschaft zu haben: Beckmann die des integren Journalisten - den er ohne seine Redaktion nie geben könnte; Koch die des harten, aber fairen Politikers und "brutalst möglichen Aufklärers" - wir erinnern uns! Zugegeben, das ist schon etwas länger her, beweist jedoch neben mehreren anderen Fakten, was man von den Versprechen eines Herrn Koch zu halten hat. Im Fall Beckmann/Koch tritt aus meiner Sicht ein parasitäres Verhalten zu Tage - die Interpretation, wer der Parasit ist, möchte ich hier nicht weiter kommentieren, diese Entscheidung trifft der geneigte und aufmerksame Zuseher sicher selbst...

Opportunismus ist zweifellos ein Grundelement politischen Handelns. Das zu negieren, wäre naiv. Eine Partei in der Opposition wird das eine, dieselbe Partei in der Regierung genau das Gegenteil davon behaupten, wenn es dem Machterhalt und zusätzlichen Wählerstimmen dient. Man muss schon hinter die Fassaden schauen und die Substanz sehen. Ein grünes Atom wird sich nur langsam entwickeln, ebenso wie liberal definierte Unfreiheit. Entscheidend ist, im richtigen Moment die richtigen Mehrheiten beisammen zu haben. Verbales Manövrieren und Taktieren - zudem noch von Zeit zu Zeit prospektiv und offensiv als Märchen deklariert und verkauft - sind nicht strafbar, erst Mehrheiten schaffen per Gesetz juristisch relevante Grundlagen. Auch hier wird der moralische Rettungsschirm (oder Katalysator?) der EU dankbare Abnehmer finden.

Ich denke es ist reichlich naiv, wenn man von Politikern erwartet, starr und unnachgiebig auf irgendwelchen Prinzipien rumzureiten. Es war schon immer so, dass außergewöhnliche Situation unerwartete Reaktionen hervorrufen. Wie oft schon mussten Politiker entgegen ihrem Auffassung handeln, einfach weil es die Situation erforderte - und die Alternative schlechter gewesen wäre. (Siehe z.B. G.W.Bush und das "Bailout"-Programm, welches einem freien Marktwirtschaftler wie Bush den Magen extrem umdreht). Von Koch zu verlangen, er müsse seine Fehler aus dem ersten Wahlkampft wiederholen, ist schlichtweg dumm. Genauso dumm ist es, ihm seine Lernfähigkeit vorzuwerfen. Der ganze Artikell scheint mir völlig weltfremd zu sein. Ich kenne wirklich keinen denkenden Menschen, der sich nicht an wechselnde Umgebungen gewöhnen und einstellen kann. Aber ausgerechnet von Politikern wird erwartet, dass sie starr und unflexibel sein sollen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass man befürchtet, Koch könnte mit seinem moderateren Kurs zu doll punkten. Wie heißt es so schön: nur dumme Menschen ändern ihre Meinung nie. Gestehen wir Koch zu, dass er nicht so dumm ist, wie ihn manche halten.

"Der Vorwurf der Prinzipienlosigkeit an Politiker geht nicht selten mit einem ganz eigenen Opportunismus des Journalisten einher." Ein bemerkenswerte Einsicht. Gilt sie auch für diie Hass-Kampagne der FAZ gegen Ypsilanti?