Ausweichende Antworten

Kerner wirft Eva Herman aus seiner Talkshow

Musste gehen: Eva Herman

Musste gehen: Eva Herman

09. Oktober 2007 Johannes B. Kerner hat am Dienstag während der Aufzeichnung seiner ZDF-Talkshow die umstrittene ehemalige Moderatorin Eva Herman aus der Gesprächsrunde ausgeschlossen. Zuvor hatte Kerner fast 50 Minuten lang die 48-Jährige immer wieder gefragt, ob sie ihre in die Kritik geratenen Äußerungen zu den familiären Werten im Nationalsozialismus heute so wiederholen würde.

Doch Herman wich mehrfach aus und ergänzte: Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden. Zudem sagte sie, dass man nicht mehr über deutsche Geschichte reden könne, ohne sich zu gefährden. Daraufhin sagte Kerner: „Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman.“ Die Sendung sollte am Abend um 22.45 Uhr mit dieser Szene ausgestrahlt werden.

Klage beim Amtsgericht Hamburg eingereicht

Die drei weiteren Gesprächspartner, Schauspielerin Senta Berger, die ehemalige Talkmasterin Margarethe Schreinemakers und der Komiker Mario Barth, hatten zuvor Unmut über den Verlauf des Gesprächs zwischen Kerner und Herman geäußert. Es sei müßig über ein Buch zu reden, das die anderen Gesprächspartner nicht gelesen hätten, sagte Berger.

Unterdessen hat Herman nach Informationen der F.A.Z. Klage beim Amtsgericht Hamburg gegen ihre Kündigung durch den Norddeutschen Rundfunk (NDR) eingereicht. Der Sender hatte das Arbeitsverhältnis Mitte September beendet. Bis dahin hatte Eva Herman für den NDR unter anderem die Talkshow „Herman und Tietjen“ mitmoderiert. Grund für die Entlassung seien Eva Hermans lobende Äußerungen über die familiäre Werte und die Familienpolitik im Nationalsozialismus bei der Vorstellung ihres neuen Buches „Das Prinzip Arche Noah“ gewesen. „Wir sehen Frau Hermans Klage auf Fortbestand des Beschäftigungsverhältnisses sehr gelassen entgegen“, hieß es beim NDR.

Für Verstimmung sorgte auch ein Auftritt der ehemaligen Moderatorin beim „Forum Deutscher Katholiken“ am Wochenende in Fulda. Der Zentralrat der Juden übte am Dienstag harsche Kritik an der Kirche. Er warf der Kirche mehrfaches Fehlverhalten in jüngster Zeit vor und forderte eine Klarstellung. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zeigte sich brüskiert. Herman hatte bei dem Treffen 40 Minuten lang über Liebe, Familie und Kinder gesprochen.

Text: DPA / F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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