Murdoch gegen Google

Der direkte Zugriff

Von Holger Schmidt

Will News im Netz verkaufen: Rupert Murdoch

Will News im Netz verkaufen: Rupert Murdoch

10. November 2009 Rupert Murdoch will Google und anderen Suchmaschinen den Zugriff auf Nachrichtenseiten seines Medienkonzerns News Corp. wie „Wall Street Journal“, „Times“ oder „Sun“ verwehren. In einem Interview mit seinem eigenen Medium „Sky News“ sagte Murdoch: „Wir haben dann vielleicht weniger Leute, die auf unsere Seite kommen, die dafür aber zahlen.“

Heute bekommen viele Nachrichtenseiten einen großen Teil ihrer Leser von Google zugeführt. In Deutschland beträgt der Google-Anteil der Medien meist zwischen dreißig und fünfzig Prozent; das „Wall Street Journal“ bekommt etwa ein Viertel seiner Leser von Google, wie das Marktforschungsunternehmen Hitwise ausgerechnet hat. Der Google-Anteil der Wirtschaftszeitung ist in diesem Jahr stark gestiegen. Vierundvierzig Prozent dieser Leser sind neu, haben also die Seite in den vergangenen dreißig Tagen direkt nicht aufgesucht. Allerdings fällt es fast allen Medienseiten sehr schwer, genügend Werbeeinnahmen zur Finanzierung zu erzielen. Denn diese Leser sind nach Ansicht von Murdoch wenig wert. „Wer weiß schon, wer die sind? Die werden ja nicht plötzlich loyale Leser unserer Inhalte“, sagte Murdoch.

Die Gefahr ist gering

Er möchte daher als Vorreiter der Branche die Gratiskultur im Internet abschaffen und seine Inhalte vom kommenden Jahr an verkaufen. Allerdings ist die Zahlungsbereitschaft für aktuelle Nachrichten, die überall im Internet auch ohne Zahlschranke zu finden sind, sehr gering. Das hat auch das „Wall Street Journal“ erkannt, denn wer auf die Artikel der Wirtschaftszeitung über den Umweg Google zugreift, kommt an der Zahlschranke vorbei an die Artikel heran. Für die Inhalte zahlen nur die Nutzer, die direkt auf die Seite gehen.

Murdochs Ankündigung hat ihm viel Kritik eingebracht. Wie sollen die Leser die guten Inhalte finden, wenn nicht über Google, lautet ein Kritikpunkt. Denn immer mehr Leser werden mit Hilfe von Links aus Suchmaschinen und Empfehlungen in sozialen Medien wie Facebook oder Twitter auf die Medienseiten geleitet. Der direkte Zugriff auf die Internetseite verliert an Bedeutung.

Allerdings ist auch der Nachrichtendienst „Google News“ von guten Inhalten der Medien abhängig. Sollten viele andere Murdochs Beispiel folgen, bekäme Google ein Problem. Doch die Gefahr ist gering: Zu viele Medien haben sich abhängig von Google gemacht und müssten einen Einbruch ihrer Werbeeinnahmen hinnehmen, wenn sie der Suchmaschine den Zugriff verweigern. Viele deutsche Verlage fordern daher einen „fairen Anteil“ von Google an den Werbeeinnahmen, die das Unternehmen erzielt. Dies hat Google abgelehnt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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