Die Quandts (im Bild: Johanna und Stefan Q.) bei der Eröffnung des neuen BMW-Auslieferungszentrums

NDR: „Das Schweigen der Quandts“

Das ganze Ausmaß in voller Länge

Deutschlands reichste Familie hat den Menschen Produkte von Weltruf beschert, in der NS-Zeit aber auch Leid über viele gebracht. Das ganze Ausmaß der Verstrickungen mit dem Nazi-System zeigt die heute (21 Uhr) im NDR ausgestrahlte Langversion einer kürzlich zu später Stunde gezeigten Fernsehdokumentation.

Lesermeinungen zum Beitrag

23. November 2007 17:28

Verurteilung - Vorverurteilung - Sippenhaft

Rolf Kreutzmann (Kreutzmann)

Was haben die heute lebenden Mitglieder der Familie Quandt getan? Hat sich eine/r von ihnen einer persönliche Verfehlung schuldig gemacht - oder reicht es schon, einer bestimmten Familien anzugehören? Im Nazi Deutschland war es üblich, daß die ganze Familie bestraft wurde, wenn sich ein Mitglied etwas hatte zu Schulden kommen lassen (Sippenhaft). Das hat unser Rechtsstaat zum Glück überwunden, nur in den Köpfen scheint das bei dem ein oder anderen noch als gerecht empfunden zu werden. Ich möchte auf jeden Fall nicht für irgendetwas büßen müssen, was irgendein Vorfahre eventuell mal getan hat. Jeder ist für sich und sein tun alleine verantwortlich und weder meine Frau noch meine Kinder haben für das, was ich tue, gerade zu stehen.

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23. November 2007 17:18

@Frau Schneider

Max Rapp (maxrapp)

Frau Schneider!

Ihr Kommentar ist eine Zumutung! Gerade an ihrem Fall zeigt sich doch, dass die Aufarbeitung der NS-Zeit mitnichten als abgeschlossen bezeichnet werden kann.
Die Zeiten waren natürlich, wie sie schreiben schlimm. Und dass nicht nur wegen den Hitlers, den Fanatikern, sondern gerade auch wegen Leuten wie den Quandts, den Krupps, den Neckermanns, die sich skrupel- und bedingungslos assimilierten, mit dem alleinigen Ziel des maximalen eigenen Profits. Das ist doch gerade die große Frage, der man sich mit der Aufarbeitung stellt: Wie konnten soviele mitmachen? Wie konnte eine derartig umfassende Morallosigkeit herrschen? Sie schieben es auf die "schlimmen Zeiten", aber das befreit doch niemeanden von individueller Schuld! Die Menschen formen ihre Zeit schließlich immernoch selbst. Quandt hat sich nicht nur, wie sie es formulieren, "aus heutiger Sicht versündigt", sondern diese seine Schuld ist absolut! Moral hängt nicht vom Zeitgeist ab! Nur weil viele Andere es ihm gleich taten rechtfertigt dies sein Tun noch lange nicht. Jeder Mensch hat die Möglichkeit das Richtige zu erkennen und danach zu handeln. Die Verantwortung trägt er allein, nicht Hitler nicht die "Zeiten" und auch sonst nichts und niemand. Schuldig!

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22. November 2007 18:25

Quandt und die andern

Klaus-Jürgen Györfi (gyoerfi)

Die Frage der Gerechtigkeit ist eine extrem schwierige. Und wer will sie jetzt - 60 Jahre später - noch einfordern? Im Grunde hätten Eichmanns Wirtschaftskumpanen sein Los teilen müssen. Enteignung und Aufteilung der Güter unter den Opfern wäre zumindest fair gewesen. Mir wird schwindelig bei dem Gedanken auf wieviel Knochen von Geschundenen der Nazidiktatur unser Nachkriegswohlstand errichtet wurde. Als 1960er bin in ein Profiteur davon. Ich ahne jedoch, dass die grundsätzliche Fortsetzung einer brutalen sklavenhalterischen Wirtschafterei - anders kann man das millionenfache Morden durch EU-Subventionismus und andere finanztechnische Foltermittel nicht bezeichnen - wie ein Bumerang auf uns zurückfallen wird. Die ökologischen und ökonomischen Katastrophen ziehen schon auf. Dank all der Quandts und ihrer politischen Verbündeten.

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22. November 2007 17:48

Gutmenschens Beschäftigung

Inge Schneider (Mozart15)

Ich kann mich dem letzten Kommentar nur anschließen. Irgendwie übertreiben wir Deutschen leider immer. Aus dem heutigen moralisierenden Blickwinkel kann man der damalige Zeit einfach nicht gerecht werden. Unternehmen waren in Ihren wirtschaftlichen Entscheidungen nur begrenzt frei und in höchstem Maße von den rigiden Vorgaben der staatlichen Kriegswirtschaft abhängig (nachzulesen in den Tagebücher von Speer). KZ-Häftlinge wurden zur Erfüllung des Produktions-Solls zugewiesen. Umweltschutz und Arbeitsschutz gab es praktisch nicht usw. usw. Menschenleben zählten nicht viel. Die Zeiten waren sicher schlimm und wenn sich Quandt aus heutiger Sicht versündigt hat, hat es sicher auch die gesamte deutsche Industrie getan. Das ganze Land ist, wenn man so will, vom Nazitrauma kontaminiert.

60 Jahre nach der Katastrophe lässt sich der Moralin-Finger leicht heben. Es war nicht zuletzt der Wagemut der Nachkriegs-Industriellen, die Deutschland wieder zu Wohlstand führten und damit die materielle Basis für eine stabile Demokratie schufen.




Beamtete Gutme

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22. November 2007 15:33

Schade drum

Jörg Beckmann (JLEBeckmann)

Das Beispiel der Quandts - Christian Erkelenz - zeigt doch gerade, dass einige von uns die "Schuld unserer Ahnen" noch immer nicht beachtet, geschweige aufgearbeitet haben. Wenn grad jene unserer Superreichen, die durch die Arbeit der Nazi-Sklaven noch reicher geworden sind...ohne je sich - zu entschuldigen oder zu begreifen, was sie einst getan haben...muss eben immer mal wieder daran erinnert werden...
Ich sag das auch als Flüchtlingskind von 1945, das auf der Flucht und Vertreibung schon ganz herrlich für das hat büßen müssen, was wir vorher mit anderen getan haben...
Ich also finde es total richtig, dass dieser Film jetzt auch in voller Länge gesendet wird, auf dass wir nie wieder werden, wie wir mal waren...
Nur in einem haben Sie vermutlich recht, dass solche wie Sie vielleicht noch nie hingeschaut haben und jetzt auch nicht sehen werden...Schade drum.

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22. November 2007 14:22

Wann hat dieser fürchterliche ...

Christian Erkelenz (Christian_030)

...Schuldkult endlich ein Ende. Bei allem Respekt für die Opfer, aber die ewige Dauerbeschallung mit den Verbrechen unserer Ahnen ist doch längst pathologisch geworden. Es geht 60 Jahre später längst nicht mehr um Aufarbeitung und Lehre aus der Vergangenheit, sondern nur noch um das Motto: Meine Ehre heißt Reue.

Wir Deutschen sind mal wieder gründlicher als alle anderen Völker, ohne den Überdruss zu bemerken, den wir damit beim Normalbürger auslösen. Wenn wir nicht aufpassen fällt das alles irgendwann in sein Gegenteil, aber vielleicht ist es ja unser Fluch, alles stets auf die Spitze zu treiben.

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