„Berlin Mitte“ heißt jetzt „Maybrit Illner“

ZDF-Talkshow bekommt neue Elemente und längere Sendezeit

Von Michael Hanfeld

“Gesicht, Herz und Hirn der Sendung“ - ZDF-Chefredakteur Brender über Maybrit Illner

"Gesicht, Herz und Hirn der Sendung" - ZDF-Chefredakteur Brender über Maybrit Illner

13. März 2007 Was bei „Sabine Christiansen“ von Beginn an über allem stand, erreicht Maybrit Illner nach sieben Jahren. Ihre am 14. Oktober 1999 gestartete Talkshow wird nach ihr benannt. Sie heißt von der nächsten Ausgabe an diesem Donnerstag an „Maybrit Illner“ und nicht mehr „Berlin Mitte“. Maybrit Illner habe „außerordentlich hohe Kompetenz- und Sympathiewerte,“ sagte der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. „Sie ist Gesicht, Herz und Hirn dieser Sendung. Fast alle Zuschauer kennen und schätzen die Moderatorin Maybrit Illner, nachweisbar weniger können etwas mit dem Namen ,Berlin Mitte' anfangen. Insofern passen wir den Titel der Sendung nun den Realitäten an.“ Es hat beim ZDF eben nur etwas gedauert, bis sich die Erkenntnis durchsetzt.

Illners Talkshow wird mit der Umbenennung zugleich um eine Viertelstunde auf 60 Minuten verlängert. „Wir bekommen mehr Spielraum - und wollen ihn nutzen“, sagt Maybrit Illner. „Es reicht schon seit geraumer Zeit nicht mehr, die Welt im gesetzten Halbrund mit lauter Mandatsträgern zu diskutieren.“

ARD und ZDF wieder in direktem Informations-Wettbewerb

Zum erweiterten Spielraum gehören Veränderungen im Bühnenbild und in der Choreografie. Maybrit Illner wird an verschiedenen Stellen im Studio Interviews führen können; das Publikum auf der neuen Studio-Tribüne kann besser einbezogen werden, Einspielfilme und Grafiken werden intensiver genutzt. Die Zuschauer können sich online beteiligen. Wir wollen insgesamt einfach flexibler agieren können“, sagt der Redaktionsleiter Wolfgang Klein. Die Sendung lebe davon, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die von Politik betroffen sind „...und oft genug im wahrsten Sinne des Wortes 'betroffen'“, sagt Maybrit Illner. „Bei uns treffen die politischen Entscheidungsträger auf diejenigen, die mit diesen Entscheidungen tagtäglich leben müssen, sprich auf das Volk.“

„'Maybrit Illner bleibt ein klassischer Polit-Talk“, betont ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. „Wir wollen nicht so tun, als würde hier das Fernsehen neu erfunden. Die Redaktion hat sich in den letzten siebeneinhalb Jahren immer vorbildlich bemüht, ihre Sendung den neuen Entwicklungen anzupassen. Das Wichtigste aber sind und bleiben die Inhalte.“ „Vor allem wollen wir die frische und angriffslustige Farbe, die den ZDF-Polit-Talk und seine Moderatorin schon immer von den Konkurrenz-Formaten unterschieden hat, beibehalten und mit diesen Änderungen stärker betonen“, meint der Redaktionsleiter Wolfgang Klein.

So bereitet sich das ZDF also vorauseilend auf den Antritt von Anne Will als Nachfolgerin von Sabine Christiansen im Ersten vor und auf Frank Plasberg, der mit seiner Sendung „Hart aber fair“ nach den Vorstellungen der ARD möglichst noch in diesem Jahr ins erste Programm aufrücken soll. Dem Vernehmen nach wird er allerdings nicht am Donnerstagabend direkt gegen Maybrit Illners Sendung antreten, sondern wohl eher am Mittwoch senden. Was allerdings bedeuten würde, dass die ARD ihren jahrelang gepflegten Fernsehfilmplatz aufgeben müsste. Für den Fall, dass Plasberg doch am Donnerstag im Ersten erscheint, hält man sich im ZDF - zumindest als Kampfansage - die Option offen, Illners Sendung auf den Sonntagabend zu verlegen, um Anne Will zu treffen, die mit ihrer Sendung im September antritt. Die beiden öffenntlich-rechtlichen Systeme liefern sich seit langer Zeit erstmals wieder einen echten Wettbewerb um die Information.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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