Süddeutscher Verlag

Die neuen Herren

Von Georg Meck

Das Redaktionsgebäude der Süddeutschen Zeitung in München

Das Redaktionsgebäude der Süddeutschen Zeitung in München

22. Dezember 2007 Der Kampf war hart und zäh, am Ende aber von Erfolg gekrönt: Pünktlich zu Weihnachten hat die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) am Freitagabend den Zuschlag für den Süddeutschen Verlag erhalten. Damit schwingt sich der für seine Sparsamkeit berüchtigte Vier-Buchstaben-Konzern auf zu einer führenden Macht im Zeitungsgewerbe. Nur der ungleich bekanntere Axel-Springer-Verlag bedient Tag für Tag mehr Leser in Deutschland.

62 Prozent der Anteile an dem Münchner Zeitungshaus kaufen die Schwaben zu, damit kommen sie auf 81 Prozent an der „Süddeutschen“, die neben dem Stammblatt Regionalzeitungen in Franken und Südthüringen herausbringt. Von München über die Schwäbische Alb nach Stuttgart bis in den Schwarzwald – überall wird künftig SWMH-Kost serviert, wenngleich unter variierender Marke und von unterschiedlicher Qualität.

Geprotzt wird nicht

Historisch entstanden ist die Holding mit den vier Buchstaben aus dem Zusammenschluss von Zeitungsverlagen im Südwesten. Hauptgesellschafter sind die Medienunion Ludwigshafen sowie die Gruppe Württembergischer Verleger. Hinter Letzterer verbirgt sich als wichtigster Akteur der Verleger Eberhard Ebner, der die „Südwest Presse“ in Ulm samt diversen Ablegern herausgibt. Hinter der Medienunion wiederum steht die Familie Schaub, der unter anderem „Die Rheinpfalz“ gehört. Als bestimmende Figur in dem schwer durchschaubaren Gebilde gilt Dieter Schaub, ein 70 Jahre alter Jurist, angeblich Milliardär, der weder aussagekräftige Bilanzen vorlegt noch das öffentliche Leben sucht.

Gesteuert wird die Gesellschaft aus einem unscheinbaren Büro in Stuttgart-Möhringen. „Repräsentationsanspruch wird klein-, Kostenbewusstsein großgeschrieben“, hat einmal ein Geschäftsführer gesagt. Da mag aus der Redaktion niemand widersprechen. Geprotzt wird nicht, so viel ist klar. Anders hätten sich die Schwaben keinen solchen Konzern zusammengespart: Regionalzeitungen, Anzeigenblätter, Druckereien, Radiobeteiligungen, Online-Portale sowie Postdienstleister finden sich in dem Vier-Buchstaben-Imperium. Nur am glanzvollen überregionalen Auftritt mangelte es bisher. Das soll sich nun ändern mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Alle buhlten um die Gunst der Münchner Eigentümer

Die Verhandlungen dazu boten dem Publikum ein erquickliches Schauspiel. Die zerstrittenen SZ-Eigentümer trugen ihre Fehden auf dem offenen Markt und im Gerichtssaal aus. Auch die Interessenten, darunter Zeitungsmanager von gewaltigem Ruf, bewarben sich öffentlich. Reihum erklärten sie in Interviews, warum sie und nur sie als Käufer in Frage kämen. Die WAZ-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine“) wie DuMont Schauberg („Frankfurter Rundschau“, „Kölner Stadtanzeiger“) buhlten um die Gunst der Münchner Eigentümer.

Finanzinvestoren zogen in der Sendlinger Straße ihre Runden. Das Haus Holtzbrinck war gleich doppelt vertreten: Mit Stefan Holtzbrinck, dem aktuellen Chef des Familienunternehmens („Die Zeit“, „Handelsblatt“), sowie mit dem dort nur halbfriedlich ausgeschiedenen Halbbruder Dieter Holtzbrinck. „Mit normalen Abläufen hatte das nichts zu tun“, beschwerte sich Bodo Hombach, der sich für die WAZ in das Getümmel gestürzt hatte. Zum Glück für die Beteiligten agiere „er auf der Basis von strafbewehrten Schweigeverpflichtungen“, stöhnte Hombach. Die SZ-Geschäftsführer behaupteten zwar, dass die Schlacht unter den Eigentümern das operative Geschäft nicht belaste. Gebremst hat sie es aber schon. So wurde das Projekt einer eigenen Sonntagszeitung, für die das Konzept fertig auf dem Tisch lag, vertagt.

Mutige Kaufleute aus Schwaben

Das Gefecht gestaltete sich deshalb so hitzig, weil eben nicht ein Eigner über den Verkauf zu bestimmen hatte, sondern fünf Familien. Eine davon, die Friedmanns, die auch das Nachbarblatt „Abendzeitung“ herausgibt, weigerte sich partout zu verkaufen. Den Deal verhindert haben sie am Ende nicht, jetzt stehen sie mit ihren 18,75 Prozent alleine da gegen die neuen Herren aus Stuttgart.

Die SZ wird neu: Ein Modell der Zentrale in München

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Wiewohl lange unterschätzt, haben die Schwaben sich in dem Spiel als mutige Kaufleute bewiesen. Anfang des Jahrzehnts, als die Zeitungsbranche ihre tiefste Krise, wenn nicht seit Menschengedenken, so doch seit der Nachkriegszeit, bejammerte, setzten die Stuttgarter auf Risiko: Sie retteten den angeschlagenen Münchner Verlag und sicherten sich ein Vorkaufsrecht.

Das Wagnis hat sich fürs Erste ausgezahlt. Der Süddeutsche Verlag arbeitet wieder profitabel; im vorigen Jahr wurde ein Gewinn von 35 Millionen Euro erwirtschaftet (bei einem Umsatz von 709 Millionen Euro). Und das Ziel der Herrschaft hat der Vier-Buchstaben-Konzern erreicht, wenn es auch etwas teurer wurde als geplant. 470 Millionen Euro hatten Schaub und Partner vor Monaten für die SZ-Anteile geboten, jetzt haben sie wohl etwas mehr als 600 Millionen Euro bezahlt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/dpa, Süddeutscher Verlag

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