Fernsehen

Das hätten Sie sich sparen können

Von Peer Schader

05. Mai 2008 Der ZDF-Redaktion „Wiso“ möchte man am liebsten blind vertrauen, so toll wie die sich Woche für Woche in ihrer Sendung für den Verbraucherschutz engagiert, listige Trickser zur Rede stellt und für den kleinen Mann kämpft, wenn der von einem windigen Verkäufer übers Ohr gehauen oder von einem lahmen Amt sitzengelassen wurde. Wer will, kann mit „Wiso“ auch gleich seine Steuererklärung erledigen: das „Wiso Steuer-Sparbuch“ gibt es im Handel zu kaufen, dafür hat die ZDF-Tochter ZDF Enterprises der Firma Buhl Data eine Lizenz erteilt, damit die für ihre Software das Logo der Sendung verwenden kann (und irgendwie ja auch den Vertrauensvorschuss der Zuschauer).

Das scheint nicht für alle Seiten ein gutes Geschäft zu sein. In Internetforen beschweren sich reihenweise Nutzer, sie hätten das „Wiso Steuer-Sparbuch“ angeschafft und anschließend Ärger mit einem Inkassobüro bekommen, weil sie nicht gemerkt hätten, dass sie bei der Installation der Software ein Abonnement abgeschlossen haben.

Ärger mit der Garantie

Und das geht so: Das „Steuer-Sparbuch“ wird mit einer sogenannten „Aktualitäts-Garantie“ ausgeliefert, mit der sich während des laufenden Jahrs Aktualisierungen für das Steuerprogramm aus dem Internet herunterladen lassen. Kostenlos ist das allerdings nur bis Oktober. Danach bekommen Nutzer, welche die „Aktualitäts-Garantie“ aktiviert haben, automatisch das Programm fürs nächste Jahr zugeschickt. Und müssen das natürlich auch bezahlen. Die meisten haben aber vorher gar nicht gemerkt, dass sie was bestellt haben.

Tatsächlich muss man schon ziemlich aufpassen, um sich beim „Wiso Steuer-Sparbuch“ nicht nebenbei ein Abo einzufangen. Wer zu Beginn der Installation auf die „Garantie“ verzichtet und sich mit der aktuellen Software-Version lediglich registrieren will, wird danach mehrere Male darauf geschubst, dass es vielleicht doch ganz gut wäre, die „Garantie“ zu aktivieren, und wer das dann immer noch nicht will, bekommt beim Programmstart immer wieder ein Hinweisfenster angezeigt: „Jetzt kostenfrei Premium-Vorteile sichern!“ Auch dahinter verbirgt sich - na klar: die „Aktualitäts-Garantie“, für die irgendwann gezahlt werden muss. Ein Sprecher des Unternehmens weiß immerhin mitzuteilen, dass man Updates für das Programm auch eigenständig herunterladen könne, und zwar „ohne Folgeverpflichtung“, aber ebenfalls unter der Bezeichnung „Aktualitäts-Garantie“. Da blickt kein Mensch mehr durch, auch nicht, wenn er weiß, worauf zu achten ist.

Haufenweise schlechte Bewertungen

Dementsprechend fatal fallen die Nutzerbewertungen auf der Website eines großen Online-Versandhändlers aus, der das Produkt vertreibt: es gibt haufenweise schlechte Bewertungen zorniger Käufer, die sich reingelegt fühlen. Ein Nutzer schreibt: „Was da abläuft, ist einfach nur übel, dies alles unter dem Namen Wiso. Wo grade dort diese Praktiken immer wieder angeprangert werden.“ Ein anderer urteilt, dass er sich wegen der ständigen Hinweisfenster „quasi dazu genötigt gefühlt habe, diese Garantie doch abzuschließen!“ Und ein Dritter meint: „Eine Verbraucher-Sendung, unter deren Namen ein solches Programm vertrieben wird, kann man nicht als seriös bezeichnen.“

Das sieht „Wiso“-Redaktionsleiter Michael Opoczynski anders. „Ein Teil der Bezieher gerät da in Verwirrung und abonniert, obwohl sie nicht wollen“, sagt er. Und: „Wir kennen die Beschwerden - ich schätze mal, es sind 600.“ Bei mehreren hunderttausend verkauften Programmen sei das aber „nix“ - „andere haben mehr“. Dass in der „Jubiläumsversion 2007“ des „Wiso“-Steuerprogramms das Abo sogar ohne Nachfrage aktiviert wurde, will Opoczynski nicht glauben. Aber da liegt er falsch: Bei Buhl Data wird bestätigt, dass die „Jubiläumsversion 2007“ eine Registrierung verlangt habe, mit der automatisch das Abonnement in Kraft getreten sei. So habe man den geringeren Kaufpreis im Vergleich zur Originalversion auffangen wollen. Es sei aber auf der Packung darauf hingewiesen worden.

Post vom Redakteur

Es ist erstaunlich, wie sehr sich das ZDF auf die Seite seines Vermarktungspartners schlägt und gegen die Nutzer stellt: Einer der Käufer, der sich verärgert ans ZDF wandte, bekam per Mail Antwort von Günter D. Alt, „Wiso“-Redakteur und „Herausgeber“ der Software, in der er dem Absender zu verstehen gab, dass er offenbar zu den wenigen Leuten gehöre, die das Prinzip nicht verstanden hätten. Alt führt zugleich gute Argumente für die Nutzung der „Aktualitäts-Garantie“ an - die identisch sind mit den Werbeformulierungen des Software-Herstellers. Gemeinsam verweisen Buhl Data und das ZDF darauf, dass Nutzer, die ein Abo eingegangen sind, immerhin noch einmal per Post darüber informiert würden und jederzeit Widerspruch hätten einlegen können. Allerdings haben die meisten Nutzer die Schreiben offenbar für Werbepost gehalten, weil sie ja nicht wussten, dass sie ein Abo abgeschlossen haben. „Die Leute wollen sich einfach ärgern, obwohl sie mehrere Male die Möglichkeit hatten, auszusteigen“, sagt Opoczynski, wie gesagt: Redaktionsleiter eines „Verbrauchermagazins“, das sonst bei der kleinsten Irreführung den Zeigefinger hebt.

Ganz so unproblematisch scheint man die Beschwerden inzwischen aber auch beim ZDF nicht mehr zu finden. Kürzlich habe es Gespräche mit der Buhl-Geschäftsleitung gegeben. Ein ZDF-Sprecher sagt: „Im Ergebnis werden alle neuen Produkte, die als Kooperationsprodukte mit dem ZDF entstehen, den Unterschied zwischen ,kostenfreiem' Service und ,kostenpflichtiger' Bestellung noch deutlicher herausstellen.“ Das heißt: ab Version 2009.

Am vergangenen Montag berichtete „Wiso“ übrigens über das Finanzamt Hamm, das derzeit wegen einer Software-Panne nur mit deutlicher Verspätung Steuerbescheide versenden kann. Der Sprecher im Beitrag sagte, es sei besonders ärgerlich, dass der Staat mal wieder nicht zustande bringe, „was das ,Wiso'-Steuerprogramm mit einem Tastendruck berechnet“. Und: „Pünktlich zur Ausstrahlung dieses Berichts soll das Softwareproblem gelöst sein. Mal schauen.“



Text: F.A.S.
Bildmaterial: ZDF/Carmen Sauerbrei

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