Werbung im falschen Programm

Wasmeier rutscht vom Sender

Ein Leben in der Abfahrtshocke

Ein Leben in der Abfahrtshocke

11. Januar 2007 Wegen eines Werbespots gehen die ARD und Ski-Experte Markus Wasmeier nach 12-jähriger Zusammenarbeit künftig getrennte Wege. Das sagte der Sportchef des Bayerischen Rundfunks der Bild Zeitung. Wie Werner Rabe mitteilte, wird sich der TV-Sender mit sofortiger Wirkung von dem Doppel-Olympiasieger von 1994 trennen.

Die ARD stört sich dem Vernehmen nach an der Tatsache, dass Wasmeier ein Computerspiel („Winter Games 2007“) des Konkurrenten RTL beworben hat. ARD-Programmdirektor Günter Struve nannte die Werbe-Aktivitäten Wasmeiers in der Bild-Zeitung „beispiellos“.

In gegenseitigem Einvernehmen?

Freund der Sportler: Wasmeier mit Snowboarderin Amelie Kober

Freund der Sportler: Wasmeier mit Snowboarderin Amelie Kober

Die Demission des bei den Zuschauern äußerst beliebten Ex-Sportlers gab Rabe an gleicher Stelle bekannt. „In dieser Wintersportsaison wird Herr Wasmeier nicht mehr für die ARD tätig sein“, sagte er. Der Entschluss sei „im gegenseitigen Einvernehmen“ gefallen.

Doch Wasmeier reagierte überrascht. „Ich lag mit 39 Grad Fieber im Bett, als ich den Anruf bekam. Man hat mir mitgeteilt, dass ich nicht mehr dazugehöre“, sagte der 43-Jährige. Die Tür für Wasmeier scheint immerhin noch nicht ganz zu. Rabe schließt ein weiteres Engagement nicht völlig aus und will nach Ende der Saison noch einmal „mit Herrn Wasmeier verhandeln“.

Unnachahmliche Handkamerafahrten

„Es kam alles ziemlich überraschend und wir werden mit Sicherheit keinen neuen Experten verpflichten“, erklärte Rabe. Stattdessen bemühe man sich in der laufenden Saison um prominente, wechselnde Ski-Größen aus dem In- und Ausland. Auch die Nachfolge-Regelung bei den Weltmeisterschaften vom 3. bis zum 18. Februar im schwedischen Are ist noch offen.

Wasmeier selbst will „das Gespräch suchen. Ich bin zwölf Jahre dabei, habe viele Ideen mitentwickelt. Das kann doch nicht alles vorbei sein.“ Auch Struve signalisierte Bereitschaft zum Einlenken. „Herr Wasmeier ist ein sehr verdienter, hochgeschätzter Experte des ARD-Sports. Ich möchte mit ihm persönlich sprechen“, sagte er. Wasmeier analysierte für die ARD Ski-Rennen bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und im Weltcup. Mit Handkamera-Fahrten hatte er den Zuschauern immer wieder einen hautnahen Eindruck von der jeweiligen Piste vermittelt.

ARD gehen die Experten aus

Seine größten sportlichen Erfolge feierte er 1985 im italienischen Bormio mit dem Weltmeistertitel im Riesenslalom und 1994 bei den Winterspielen in Lillehammer/Norwegen, wo er im Super-G und Riesenslalom Olympiasieger wurde und als „Gold-Wasi“ in die Geschichte einging.

Mit Kamera in Aktion: der scheinbar unverwüstliche „Wasi”

Mit Kamera in Aktion: der scheinbar unverwüstliche „Wasi”

Vor der Saison hatten die ARD und Experte Christian Neureuther die langjährige Zusammenarbeit ebenfalls beendet. Der Vater von Felix Neureuther und Ehemann von Rosi Mittermaier hatte aus Altersgründen und wegen seiner Arbeit für die Alpin-WM 2011 in Garmisch- Partenkirchen seinen Platz geräumt. Für ihn konnte die ARD Teamweltmeisterin Martina Ertl-Renz als Expertin verpflichten.

Text: FAZ.NET mit Material von sid, dpa
Bildmaterial: ddp, dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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