Interview mit Lena Gercke

„Ich bin kein Topmodel wie Heidi Klum“

Sie gewann die erste Staffel: Lena Gercke

Sie gewann die erste Staffel: Lena Gercke

24. Mai 2007 Eigentlich ist sie ein deutsches Topmodel. Jedenfalls hat Lena Gercke die erste Staffel von „Germany's Next Topmodel“ gewonnen. Am Donnerstag wird es die nächste Auserwählte geben. Heidi Klum entscheidet sich dann im Finale der zweiten Staffel mit ihrer Jury wieder für eine Kandidatin.

Frau Gercke, am Donnerstag Abend findet das Finale der zweiten Staffel von „Germany's Next Topmodel - by Heidi Klum“ statt. Sie sind im vergangenen Jahr aus der ersten Staffel siegreich hervorgegangen. Sind Sie neidisch auf Ihre Nachfolgerinnen?

Natürlich denke ich oft an die Zeit zurück. Es wäre schön, alles noch einmal zu erleben. Aber mit den Kandidaten möchte ich nicht tauschen. Ich kann jetzt in der Mode arbeiten. Das ist das, was ich immer wollte.

Werden Sie die Siegerin der zweiten Staffel als Konkurrentin betrachten?

Wir werden uns vielleicht bei Jobs treffen, als Konkurrentin sehe ich sie aber nicht. Es gibt so viele Mädchen in dem Beruf. Ich bin mein eigener Typ und hoffe, wir unterstützen uns gegenseitig.

Würden Sie sich als Topmodel bezeichnen, so wie der Titel der Show es verspricht?

Nein, auf keinen Fall. Ich bin kein Topmodel. Ich habe zwar den Titel gewonnen, aber ich bin kein Topmodel wie Heidi Klum. Dafür muss man internationale Jobs haben und international bekannt sein.

Und das ist bei Ihnen nicht der Fall?

Ich bin auf dem Weg, das aufzubauen. Ich habe mit Microsoft meinen ersten internationalen Kunden. Es reicht nicht, nur in einem Land tätig zu sein, wie ich es bislang in Deutschland bin.

Heißt das, Sie werden Deutschland den Rücken kehren?

Ja, ich werde gehen und habe darüber auch schon mit meiner Modelagentur gesprochen. Aber das ist noch alles in der Schwebe. Ich weiß nicht wohin und wann genau. Auf jeden Fall noch in diesem Sommer. Ich will unbedingt raus, um wirklich arbeiten zu können und Jobs zu kriegen.

Haben Sie Jobs im Ausland in Aussicht?

Am Freitag fliege ich nach Monaco und laufe dort auf einer Show bei der Formel 1. Dann werde ich nach Paris, Mailand und New York fliegen und dort von Casting zu Casting laufen.

Hilft Ihnen dabei der Titel als „Germany's Next Topmodel“?

Ich muss im Ausland von ganz unten anfangen. Dort kennt mich niemand. Ich bin eine unter vielen. Aber ohne die Show bei Pro 7 wäre es natürlich schwieriger gewesen. Medien können einen schnell hochbringen und bekannt machen. Man wird sichtbarer für potentielle Kunden.

Sie haben den Titel im März 2006 gewonnen. Warum gehen Sie Ihre Karriere erst jetzt international an?

Es kann erst jetzt richtig losgehen. Ich habe vor zwei Wochen meine letzte Abitur-Klausur geschrieben. Ich war an Deutschland gebunden, konnte nur am Wochenende arbeiten - und war nur probeweise in Paris, New York und Los Angeles.

Was machen Sie, wenn der internationale Durchbruch ausbleibt?

Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich habe aber derzeit auch keine Befürchtungen. Ich lasse es auf mich zukommen. Wenn es nicht klappt, dann eben nicht.

Aber was dann?

Da fragen Sie mich was! Keine Ahnung!

Haben Sie nach Ihrem Sieg bei der Show Hilfe von Heidi Klum und den anderen Jury-Mitgliedern erhalten?

Auf jeden Fall. Heidi hat mir geholfen, an einem Casting für Victoria's Secret teilzunehmen. Da können sonst nur die ganz großen Models hin. Auch wenn es letztlich nicht geklappt hat, war es eine tolle Erfahrung.

Haben Sie die Teilnahme an der Show jemals bereut?

Nein, eigentlich nicht. Es war das Beste, was mir passieren konnte. Ich war total unerfahren. Gerade auch, was die Medien anbelangt. Ich arbeite seitdem sehr viel und bin im Geschäft.

Was heißt „im Geschäft“?

Ich bin für Triumph gelaufen, auch im Ausland. Ich hatte eine Kooperation mit Audi, war bei der Unesco-Gala, hatte Titelbilder bei Cosmopolitan und TV-Spielfilm, und ich bin beim Life Ball in Wien gelaufen. Mehr fällt mir gerade nicht ein, es waren auf jeden Fall eine Menge Shootings.

Können Sie davon leben?

Ich kann mich nicht beklagen.

Haben Sie ein Vorbild in der Modelwelt?

Ich nehme mir keine Vorbilder. Klar finde ich einige toll, aber ich will nicht werden wie sie. Ich will mein eigenes Ding durchziehen.

Haben Sie sich das Modeln so vorgestellt, wie Sie es nun erleben?

Nein, überhaupt nicht. Es ist sehr anstrengend, ich schlafe wenig, und Shootings dauern manchmal bis zu 14 Stunden.

Wie reagieren andere Models auf Sie? Haben sie Vorurteile?

Das habe ich noch nicht wirklich erlebt. Die anderen Mädels wollten teilweise sogar Fotos von mir machen. Sie betrachten mich als eine von ihnen. Dass ich bei einer Castingshow im Fernsehen mitgemacht habe, finden sie nicht schlimm.

Hilft Ihnen denn der Bekanntheitsgrad, den Sie durch „Germany's Next Topmodel“ erworben haben, noch?

Ich muss zu Agenten gehen und zu Castings. Die müssen mich mögen. Da zählt nicht, wie viele Fans ich habe.

Die Fragen stellte Philip Eppelsheim.



Text: F.A.Z., 24.05.2007, Nr. 119 / Seite 9
Bildmaterial: dpa, picture-alliance/ dpa

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