
Bei den vielen Kommentaren, die ich in den letzten Tagen lesen konnte, fehlt mir
die Beantwortung und Kommentierung folgender Frage :
Was war eigentlich zuerst in der Bundesrepublik : die Verschwendung von Steuer-
gelder durch die Politiker oder die Steuerhinterziehungen der Bundesbürger ???
Mir scheint jedenfalls bis heute, dass sowohl von den Politikern als auch von den Bürgern die Verschwendung der Steuergelder nicht so richtig ernst genommen wird. Ebenso scheinen auch die Bürger die ständigen Vermögensvernichtungen durch die stetige, schleichende Inflation, die von den Politikern größtenteils durch ihre immense Schuldenpolitik zu verantworten ist, nicht sonderlich ernst zu nehmen.
Der Bund der Steuerzahler, ein zahnloser "Tiger", verlangt ohne die notwendigen öffentliche Unterstützung, gelegentlich, die Verschwendung öffentlicher Gelder
unter Strafe zu stellen. Dies ist meines Erachtens zwingend erforderlich, wenn die
Politiker auch nur halbwegs ihre Glaubwürdigkeit bei ihrem derzeitigen Vorgehen
in dem Steuerskandal wieder gewinnen wollen.

Das Argument, Steuerhinterziehung sei zumindest moralisch nachvollziehbar, weil der Staat schlecht mit Steuergeldern umgeht, ist schlecht. Es widerspricht Kants kategorischem Imperativ. Wenn alle keine Steuern mehr zahlen ist es mit unserem Staat vorbei.
Halt, werden Sie jetzt sagen, der Steuerhinterzieher hinterzieht ja nur so lange der Staat Gelder verschwendet. Wenn jeder so handelte, wäre der Staat gezwungen, seine Steuerpolitik zu ändern, alle würden wieder Steuern zahlen und wären ausserdem zufrieden.
Auch dieses Argument ist schlecht. Denn demokratische Entscheidungen (und wir leben nun einmal in einer Demokratie, das scheint gelegentlich in Vergessenheit zu geraten) basieren auf Kompromissen. Das heißt, dass wer überstimmt ist, zahlen muss, ob er will oder nicht. Die angesprochenen Steuerhinterzieher klinken sich aus diesem demokratischen Grundprinzip einfach aus.
Demokratie heißt auch, dass es jedem, der mit einer Entscheidung nicht einverstanden ist, frei steht, sich am politischen Prozess durch Protest, Wahlen, Parteiengründung, etc. zu beteiligen. Wer aber seine Steuern hinterzieht, tut dies heimlich, kommuniziert nichts, und engagiert sich dadurch auch nicht für eine bessere Politik. Das finde ich unmoralisch.

Wer je mit Behörden in Konflikt stand, wer je einen Bericht des Bundesrechnungshofes wahrgenommen hat, wer je die Gesetzgebungs-Konvolute gesehen hat, über deren Inhalt die entscheidenden Parlamentarier nur von den Erzählungen der zuständigen Ausschussmitglieder wissen, weil sie sie unmöglich lesen können, der muss sich doch die Frage stellen, welche Bürger das denn sein sollen, in deren Interesse die Regierung angeblich handelt, wenn sie nach immer mehr Steuern verlangt und diese in allerlei Fehlinvestitionen und Umverteilungen verschwendet. Wer je die jetzige Einzahler teilenteignende Arithmetik der sog. gesetzl. Rentenversicherung kennengelernt, die abenteuerlichen Gepflogenheiten des quasisozialistischen Gesundheits(un)wesens erfahren hat oder gar eine Agentur für Arbeit nur besucht hat, der sollte doch auf die Idee kommen, dass es andere, bessere Möglichkeiten geben könnte, als einer wachsenden bürokratischen Struktur Geld für Tätigkeiten zu geben, die sie nachweislich nicht oder sehr unzureichend erfüllt. Insofern ist es nur verständlich, wenn Menschen redlich erworbenes Geld für ihre Zwecke sparen wollen. Die Unmoral liegt viel eher auf der Seite jener, die andere zwingen wollen, ihre Mittel weiterhin nutzlos zu opfern.

Meiner Meinung nach sollte wohl jeder die Notwendigkeit eines Staates erkennen. Denn abgesehen von allgemeinen Aufgaben wie der Kodifizierung und Durchsetzung des Gesetzes und damit der Schaffung von Rechtssicherheit und Schutz vor Kriminellen, ist er auch notwendig für große Investitionen wie Infrastruktur und die ökonomisch und sozial äußerst sinnvolle Chancengerechtigkeit.
Der Punkt ist aber, dass der Staat diese Kernbereiche seiner Arbeit immer mehr vernachlässigt und viel zu wenig für zukunftsträchtige Investitionen wie Bildung und Infrastruktur ausgibt. Als Beispiel könnte ich den Zustand meiner alten schule nennen die in 25 jahren keinen maler mehr gesehen hatte(ich habe letztes Jahr Abi gemacht) oder den maroden Zustand vieler Straßen und Brücken(bsp. Autobahnbrücken). Auch statistisch gesehen gibt D. einen viel geringeren Anteil am BIP für Bildung und Forschung aus als der Durchschnitt der OECD.
Dieser Mangel liegt allerdings nicht an einem Mangel an Geld (der Haushalt 2007 war inflationsbereinigt der größte den D. jemals hatte), sondern daran, dass dieses Geld immer mehr für Klientelpolitik benutzt wird.
60.8% des Bundeshaushalts 06 wurde für Arbeit und soziales und Zinsen ausgegeben.

"Ein Theologiestudium ist keine Legitimation, um über Steuermoral zu urteilen."
Welche "Ausbildung" benötigt man den Ihres Erachtens, um in unserem Land als Bürger seine Meinung zu moralischen Fragen äußern zu dürfen? Sie müssen die Meinung dieses Theologen ja nicht teilen, das ist selbstverständlich Ihr gutes Recht. Es ist aber nicht Ihr Recht, anderen Menschen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung zu nehmen. Das wirft ein bedenkliches Licht auf das Demokratieverständnis.

Genau dies ist das Problem!Auch wenn jetzt wieder darum herum geredet wird und viele fadenscheinige Argumente (oftmals bewußt) durcheinander geworfen werden -wie zB "die da oben könnten ja zahlen,sie wollen unmoralischerweise nur nicht"- :
wie kommen eigentlich so mancher (einschließlich) eines Herrn Steinbrück dazu,allenthalben und überall zu behaupten,der Staat hätte einen absoluten Anspruch auf die Geldzahlungen seiner Bürger und hätte nur seine Bedürfnisse anzumelden.Über die Höhe der Steuern oder die Frage,wann die Höhe der Steuern unmoralisch wird,gebe es gar nichts mehr zu diskutieren.
Wenn noch nie in der Geschichte Deutschlands so viele Steuern,Abgaben und Beiträge eingenommen wurden und trotzdem offenbar nirgendwo etwas ankommt,(wenn beispielsweise dem Archeprojekt für mittellose Kinder in Berlin keine Steuereinnahmen mehr zugeteilt werden,) ,dann ist dies doch ein Verteilungs-, und Organisationsproblem höchten Grades,aber kein Problem,daß die Einnahmen des Staates zu gering wären,weil sich bestimmte Gruppen der steuerlichen Pflicht entzögen.
Nein ,Herr Steinbrück,das Geld ,das der Staat in die Hände bekommt,pulverisiert sich just in diesem Augenblick !
Die Frage bleibt: Was tun Sie mit dem vielen Geld ?

Geld verdirbt nicht den Charakter, es bringt ihn zum Vorschein!

Ein Theologiestudium ist keine Legitimation, um über Steuermoral zu urteilen.
Herr Hoff sollte sich klarwerden, mit welchem Steuergeld seine Ausbildung finanziert wurde: die Kirchensteuer beträgt 10% der Einkommensteuer, und welche Einkommensklassen die zahlen, ist ja mittlerweile bekannt.
Herr Hoff sollte ebenfalls seinem akademischen Elfenbeinturm verlassen und den Selbstversuch des Unternehmertums wagen...mit eigenem Vermögen. Danach lese ich ihn gerne einmal wieder.
Die heutige Kirche ist voll mit Sozialromantikern...daher ist sie für viele nicht mehr interessant.

das Sagen hätte, würde als allererstes die Kirchensteuer abschaffen.

"Offensichtlich setzt Geld bei vielen Menschen eine ganz eigene Dynamik frei.", sagt Herr Hoff, und "Leben auf Kosten anderer als Lebensverlust wahrzunehmen: diese Lektion steht uns noch bevor."
<br>Es geht also um Habsucht und Machtgier - elementare Impulse, die mittels sozialer Werkzeuge, mit der Indienstnahme von Korporationen bzw. Unternehmen ins gigantische gesteigert werden. Dass dabei keinerlei Rücksicht auf kulturelle und ökologische Totalschäden genommen wird, liegt im Wesen der Sache. Ob daraus allerdings etwas gelernt wird?
<br>Die Erfahrung spricht dagegen. Die Dynamik von Machtgier und Habsucht erschafft sich nämlich ihre eigene Wahrnehmung: sie funktioniert bei jedem, der sich selbst zur Ausnahme erklärt und für im Recht, egal ob er das Gemeinwesen um Sozialleistungen betrügt oder um Steuern. Denn um ihn bilden sich in jedem Fall "virtuelle" Sozialverbünde, die ihn legitimieren. Manchmal werden daraus reale. Sie heißen dann Mafia oder "Gesellschaft zur Wahrung ..."

Es ist schon erstaunlich, wie der Reflex gegen "Die da oben" die "gesellschaftlich relevant" sind auch auf die Kirche übergreift. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Besteuerung von Einkommen in Österreich wie Deutschland je nach Herkunft aus Arbeit, Landwirtschaft, Kapital etc... unterschiedlich ist. Dieser Umstand ist an sich schon schwer verständlich, führt allerdings zu dem für die Kirche als bei weitem größten, privaten Grundbesitzer sehr angenehmen Umstand in einer innerstaatlichen Steueroase eingemadet zu sein. Landwirtschaftliches Einkommen wird bekanntlich nach dem Einheitswert (einem Wert, den die Steuerbehörde Liegenschaften zumisst) besteuert. Jener Wert wurde jahrzehntelang nicht angepasst, sodass es aufgrund der krass verschobenen Steuerbelastung hinsichtlich Grund und Boden und Kapital im Falle der Erbschaftssteuer zur Aufhebung wegen Verfassungswidrigkeit gekommen ist. Ich habe von Seiten der Kirche noch nie einen Hinweis auf die Ungerechtigkeit dieses Systems gehört. Im Gegenteil, die Kirche verkriecht sich als Großgrundbesitzer hinter der tatsächlich kärglichen Einkommenssituation von Kleinbauern im Burgenland und Waldviertel und poliert ihre sehr ansehnlichen Stiftskirchen (siehe: Melk, Göttweig, etc...)

>>Steuern sind nicht die einzige Möglichkeit, öffentliche Dienstleistungen zu finanzieren. Dies geht auch über Gebühren und sogar per Kollekte<<
Das möchte ich mal sehen.
Dass der Staat - um den wir nicht herumkommen - nicht um das Einziehen von Steuern herumkommt, um die Aufgaben, die er laut Grundgesetz zu übernehmen hat, zu finanzieren, daran ist ja erst mal nicht zu rütteln.
Der Staat, der gerne personalisiert wird als gierig oder würdelos, setzt um, was Parlamente entscheiden - wie er das tut ist nicht zu Unrecht nicht selten umstritten.
Im Zusammenhang mit den jüngsten Steuerhinterziehungen geht es doch zentral um die Frage, welchen Anteil von was der einzelne für die gemeinsame Infrastruktur aufzubringen hat.
Und ich nehme das sicher nicht falsch wahr, dass ein Teil die Gruppe der Bestverdienenden sich sagt: Ich mit meiner wertvollen Arbeit leiste schon so viel - deshalb verdiene ich ja schon so viel (weil sich der Wert des Menschen am Einkommen zu messen scheint) wieso soll ich von meinen Kapitaleinkünften so viel abgeben, die (ohnehin komplizierte aber auch umgehbare) Steuergesetzgebung als nicht relevant zu betrachten. Gesetze gelten für andere.
Da erscheint mir Herrn Hoffs Argumentation durchaus bedenkenswert.

Ihnen ist aber schon klar, dass Sie hier ein paar Jahrtausende Kulturgeschiche der Menschheit in Abrede stellen? Welche vorzivilisatorische Gesellschaft kommt Ihnen denn da in den Sinn? Eine Gesellschaft, in der jeder nur für sich selbst kämpft und arbeitet? Besonders effizient klingt das nicht. Zudem wäre es unökonomisch.
Mal ein Beispiel: Meine Eltern hätten es sich nicht leisten können, mich auf eine private Schule zu schicken. Dennoch ist aus mir auf öffentlichen Schulen und einer öffentlichen Universität (damals gab es noch keine Studiengebühren) noch ein "ordentliches" Mitglied der Gesellschaft geworden der mit seiner Arbeit heute auch ordentlich Steuern bezahlt. Übrigens auch gerne dafür, dass andere Menschen aus nicht so reichem Hause auch die Möglichkeit haben, aus ihrem Leben etwas zu machen.
Das mit unseren Steuern auch viel Schindluder getrieben wird tut der Idee eines Steuersystems keinen Abbruch. In meinen Augen möchten Sie eine Gesellschaft von Egoisten in der jeder an sich denkt. Eine Gesellschaft ist in meinen Augen am stabilsten, die einen Mittelweg zwischen Egoismus und Gemeinwohl praktiziert. Wo diese Mitte liegt, darüber will ich gerne streiten nicht aber über dieses Prinzip an sich.

"Sie schämen sich der einigenen Unverschämtheit", das bezweifle ich. Sie schämen sich wohl eher der eigenen Dummheit, erwischt worden zu sein.
Aber brauchen wir jetzt wirklich katholische Mullahs, damit sich die Bürger zur Einhaltung der Gesetze verpflichtet fühlen?
Offensichtlich ist die katholische Kirche hier in Deutschland schon viel weiter, denn sie läßt die Kirchensteuer direkt vom Finanzamt auf Kosten des Steuerzahlers eintreiben. Wahrscheinlich stelle sie auch noch Kirchensteuerforderungen auf die jetzt anfallenden Steuerrückzahlungen.
Wie ist übrigens die Kirche im Steuerrecht gestellt? Fallen bei ihr auch Einkommensteuer an, wenn sie Gefängnisse an den Staat vermietet? Ich sehe die Kirch nämlich auch als eine Steueroase an.
Die Presse sollte sich viel mehr auf die legitimierten Steuerhinterzieher konzentrieren, wie z. B. die Bertelsmannstiftung, die sogar noch gemeinnützig ist und dadurch noch mehr Steuern "spart". (Inhaber ist eine gute Freundin von Fr. Merkel)
Oder was ist mit den gGmbHs? Die Pflege in diesen gemeinnützigen Altenheimen wird durch die Steuervergünstigung nicht besser und schon gar nicht billiger, aber sie dürfen Ein-Euro-Jober einstellen.
Schönes Neues Deutschland!

Ich gehe hier auf verschiedene Bemerkungen zu meinem untenstehenden Kommentar ein.
1) Steuern werden im wesentlichen nicht für Schulen, Kindergärten und Straßen, ja nicht einmal mehr für Landesverteidigung ausgegeben, sondern hauptsächlich für Umverteilung (Subventionierung von Armut und Großindustrie), den Staat selber und die Kapitaleigner (Staatsschulden).
2) Schulen sind eine Verengung von Bildung, so wie Kindergärten eine Verengung von Betreuung sind. Und neben Landesverteidigung werden auch Besatzungen finanziert.
3) Steuern sind nicht die einzige Möglichkeit, öffentliche Dienstleistungen zu finanzieren. Dies geht auch über Gebühren und sogar per Kollekte. Das Radfahrerproplem ist dabei kein echtes Problem, siehe Leuchtturmbauten.
4) Eine Abgrenzung sogenannter öffentlicher Aufgaben von privaten ist künstlich, auch private Unternehmen leisten für breite Bevölkerungsteile. Rechtsprechung, Schulen, ja selbst die Landesverteidigung, waren nicht immer staatlich, sondern wurde seitens der Staatler okkupiert.
5) Wer Bildungs-, Verkehrs- und Sicherheitsdienstleistungen anbieten will, soll dies unternehmerisch (Antizipation statt Partizipation) angehen, wer diese nachfragt, darf nicht auf staatliche Monopole verwiesen sein.

... auf diese Frage gab es nun leider keine Antwort.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Funktionsweise der Kirchensteuer. Sie mindert nämlich als Sonderausgabe die Einkommensteuer. Warum muss der Stadt Zig-Millionen ausgeben, um die Kirchensteuer einzutreiben? Das ist doch die alleinige Sache der Kirchen!
Hier wäre Reformbedarf. Das würde sicher auch einen Beitrag zu mehr Steuerakzeptanz leisten. Bis dahin bleibt ja noch der Kirchenaustritt.

"Das Ansinnen, Steuern zu nehmen, ist zutiefst unmoralisch."
Wenn Sie das fordern, müssen Sie aber auch konsequent sein. Benutzen Sie öffentliche Infrastruktur? Schicken Sie Ihre Kinder auf öffentliche Schulen? Gehören Sie auch zu den Bürgern, für die die Bundeswehr im Verteidigungsfall ausrückt? Sie nehmen das alles in Anspruch wollen dafür aber nichts bezahlen? Wie moralisch ist das denn? Steuern zahlen ist für mich nicht unmoralisch sondern effizient. Sonst müsste jeder Mensch seine eigenen Strassen bauen, eine eigene Armee unterhalten und eigene Schulen bauen. Ich habe für jeden Verständnis der die Art unseres Steuersystems kritisiert (dafür gibt es eine Menge gute Gründe). Wenn Sie aber das grundlegende Konzept des Steuerzahlens in Frage stellen, müssen Sie mindestens eine Alternative anbieten. Wie soll die Aussehen? Und da Sie ja historisch argumentieren: Kein Mensch hat je gerne Steuern gezahlt, da nehme ich mich nicht aus.

"Normative Kraft und ethische Autorität" hat kein Staat , der 60 Jahren lang Schulden aufhäuft und seine Bürger dafür finanziell ausbluten läßt.
Nicht mehr ausgeben als eingenommen wurde, hätte zur Folge, dass die Abgaben eines jeden Einzelnen in diesem Lande um ca. 20% niedriger ausfallen würden.
An DIESER Stelle wurde die "ethische Autorität" verspielt (!) und nicht bei denen die sich heute durch Abgabenhinterziehung wehren.
Die Bürger sind ent-täuscht, ganz gleich welcher Bildungs- oder Gehaltsklasse sie angehören.
Nur EIN Beispiel: unser Bundeshaushalt umfasst ca 290 Mrd. €.
Davon gehen alleine ca. 40 Mrd. € nur für Zinszahlungen weg.
Politiker müßten gar nichts können, nur mit Geld umgehen, das ihnen nicht gehört !

Ich stimme meinem Vorredner im ersten Punkt vollkommen zu: Solidarität kann (wenn sie auf Dauer funktionieren soll) nicht erzwungen werden. Meine persönliche Meinung ist, dass dieser moralische Verfall vor allem medial bedingt ist; immer mehr Fernsehen für immer mehr Konsumenten in immer schlechterer Qualität.
Dem zweiten Teil der Argumentation muss ich aber vehement widersprechen: Wie staatliche Leistungen (Krankenhäuser, Schulen, Polizei, Feuerwehr, Straßen etc) bezahlt werden sollen erläutert der erste Beitrag leider nicht. Dann bräuchten wir schon die nach Aristoteles für die Demokratie unvermeidbaren Sklaven, aber ich denke nicht, dass Herr Sedlaczek darauf hinaus wollte.
Hobbes sagte schon, dass man in einem Staat Sicherheit auf Kosten von Freiheit erhält, wobei Geld ja durchaus als ein Indikator für Freiheit verstanden werden kann. Der Wechselkurs jedoch ist durchaus diskutabel.

Waren das wirklich die relevanten Fragen? Gestatten Sie mir den Teufelsanwalt zu spielen:
Ist die Motivation zur Steuerhinterziehung nur Gier oder eher auch ein Gefühl der staatlichen Willkür im Bemessen von Steuern? Steuerabgabe ist ein Mittel der Entlohnung für die schützende Funktion des Staates, und diese Entlohnung muß gerecht und angemessen erschienen. Dies ist so im Bezug auf unsere Löhne und im Bezug auf die Preise. Wenn aber das Gefühl der Ausbeute und Ungerechtigkeit entsteht, zusammen mit der Sachkenntnis und der Möglichkeit führt dies zu einer starken Motivation die Gelder von der Habgier zu schützen. Wo ist denn da Platz für Scham? Spare den Scham, oder eher die Scham-Show, für den Richter, sollte es soweit kommen. Ist meine Sichtweise Zynisch? Sicherlich, allerdings zynisch ist auch Einstellung vieler Politiker das Steuersystem als einer Art Freiwild-Selbstbedienung zu sehen, mit der Fahndung und mit dem moralischen Unterton obendrauf. Die Fantasie neue Steuern und Abgaben zu erfinden ist nahezu unendlich, und dies empört viele Bürger.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich lehne die Institution nicht ab. Staat ist gut und Steuern sind notwendig, nicht aber wegen Neides auf die wohlhabenden. Augenmaß halten bitte!

Natürlich gibt es in der Gesellschaft große Differenzen über die Vorstellung, was gerechte Steuererhebung ist. Wie soll es auch anders sein, wenn 75 % der Steuern von 25 % gezahlt werden, während 75 % nur 25 % der Steuern erwirtschaften. Steuern zahlen in der Tat alle, aber eben in vollkommen unterschiedlicher Höhe. Da haben natürlich die einen, die von den hohen Steuern der Minderheit ausnahmslos profitieren, ein ganz anderes Gerechtigkeitsgefühl, als die diejenigen, die die Brüche unseres Steuerrechts in so hohem Maß am eigenen Leib erfahren! Und all das Gerechtigkeitsgeschrei auf der Seite der Steuernettozahler (die vom Staat mehr rauskriegen, als sie einzahlen) stärkt das gute Gewissen derjenigen, die die hohe Steuerlast fliehen, nur um so mehr, wie nicht weniger, da ist dem Theologen zuzustimmen, der Rechtsbruch des Staates bei der Verfolgung der Steuerhinterzieher. Die Freiheit des Einzelnen ist eben jedem Staat vorgegeben und gnade dem Staat, wenn die Menschen beginnen, wegen ihrer Freiheit staatliche Pflichten, wie die Steuerpflicht, zu negieren, Max Stirner alias Caspar

Ich denke, daß man so denken kann, wie mein Vorredner: Keine Steuern oder - wenn´s hoch kommt: den Zehnten. Auf der anderen Seite halte ich es für einen großen Schritt, daß z.B. die persönliche Rache- oder Konfliktlösung durch das Gewaltmonopol des Staates abgelöst wurde. Tja, und dann kommt die Einführung der allgemeinen Schulbildung und eines Gesundheitssystems, daß die Leute nicht nur älter werden läßt, sondern auch einen längeren Spielraum für Lebensqualität läßt. So vieles und alles mit jeweils ein paar negativen Seiten verbunden, die nicht zu leugnen sind. Mit dem Zehnten läßt sich das aber nicht machen. Also, lieber Vorredner, ich sage nicht, such Dir eine andere Gesellschaft, aber ich würde - um auf das Problem des hier zu kommentierenden Interviews zu kommen - Dir innere Emigration empfehlen. Diejenigen, über die der Theologe und Ethiker vorwurfsvoll gesprochen hat, waren aber keine inneren Emigranten, sondern große Player im System, von dem sie Millionen einstrichen, in dem sie taten, als würden sie es anerkennen. Ich weiß nicht, ob Du Lug und Trug und Heuchelei mit Thomas von Aquin erklären kannst. Ich bin Dominikaner-Schüler und kann es nicht.

... präsentiert. Schon die Grundprämisse stimmt nicht: 'Wir stimmen überein, dass wir bestimmte Gesetze brauchen'. Wer bitte ist 'wir'?? Das ist Politikergerede, die reden auch immer gerne von 'wir', wenn sie ihre Vorstellungen durchsetzen möchten (z.B. zum aktuellen Problem der Massenzuwanderung, die angeblich 'wir' alle so gewollt haben). Und mit den 'bestimmten Gesetzen', von denen Herr Hoff spricht, sind wohl die Steuergesetze gemeint !? Da kenne ich sehr viele, die im Gegenteil meinen, dass diese Gesetze unnötig sind. Dann die Behauptung: 'viele würden eben auch sagen, dass man bei sich selbst eine Ausnahme machen kann'. Herrn Hoff fehlt offenkundig die Phantasie, dass grundsätzliche(!) Vorbehalte gegen diese Art von Steuergesetzen und überhaupt die Art und Weise, wie der Staat seine Steuern eintreibt, bestehen. Und dann Absurdes: Der 'Unterschied (zwischen großen und kleinen Sündern) besteht in der Quantität der Steuervermeidung der Großen, die bereits qualitative Züge annimmt'. Logo, das liegt in der Natur der Sache. Ein kleiner Angestellter möchte zwar auch gerne, kann aber keine Millionen-Quantität beiseite schaffen. Nicht die Moral macht den Unterschied, sondern nur die Gelegenheit, es auch tun zu können!

ist es moralisch verwerflicher, wenn Jemand versucht, von seinem selbstverdienten Geld so viel wie möglich zu behalten oder ist es verwerflicher, wenn der Staat dem Bürger unverhältnismässig in Form von Steuern in die Tasche greift und dieses Geld teils sinnlos vergeudet oder einfach umverteilt? Der Staat argumentiert, dass die Steuerhinterziehung von Heute die notwendige Steuererhöhung von Morgen ist. Bisher waren aber die Steuereinnahmen von Heute immer die Mehrausgaben des Staates von Morgen; denn der Staat kommt mit den eingetriebenen Steuern anscheinend nie aus. Der einzige Skandal ist, dass offenbar nur Reiche über Wege und Mittel verfügen, ihr Einkommen vor dem Staat zu retten.

..schreibt hier ein Kommentator. Sehr schön!
Wer aber finanziert die Krankenhäuser, wer die Strassen, auf denen Sie fahren, wer die Busse, mit denen Ihre Kinder in die Schule fahren, wer die Schulen Ihrer Kinder (Schulen, die es diesen Kindern ja letztendlich ermöglichen, später Reichtum durch qualifizierte Arbiet zu erwerben), wer schließich finanziert die Sicherheitskräfte, und wer all die sozialen Systeme, die den sozialen Konsens und den gesellschaftlichen Frieden erhalten helfen und letztendlich besonders den Wohlhabenden in unserer Gesellschaft zugute kommen? Denn der gesellschaftliche Frieden sollte besonders dem wert sein, der im Falle von Unruhen viel zu verlieren hat. Wäre ich reich, wäre ich jedenfalls schon aus eigenem Interesse bereit, den Staat, der mich schützt, zu finanzieren.
Denjenigen, denen die Steuern hierzulande zu hoch sind, sei eine Auswanderung nach Mittelamerika empfohlen: dort können sie sich dann selbst vor gewaltsamen Übergriffen der Armen und des Lumpenproletariats schützen, z.B. durch Bezahlung von Leibwächtern, Errichtung eigener PRIVAT bewachter Reichenviertel mit hohen Mauern usw. - dies aber ist nicht das Leben, das wir anstreben, oder?und es ist auch nicht unsere Vorstellung von Gesellschaft.

Nach Woche eins im Steuerbetrugsskandal bleibt festzuhalten: viel erhellendes hatte die FAZ bislang nicht beizutragen. Gut, ab und an mal ein nettes Interview wie dieses hier. Investigativ aber sind andere: die SZ, das Handelsblatt, ja selbst die heißgeliebte Pilzzeitung.

Heute kam im Fernsehen ein recht interessantes Interview mit Paul Kirchhof. Als Verfassungsrichter, der über zahlreiche Probleme der steuerlichen Erfassung zu urteilen hatte, brachte er zum Ausdruck, dass es eigentlich unmöglich ist, alle Erlasse des Steuerrechts zu kennen. Man ist zwar gezwungen eine Steuererklärung nach bestem Wissen abzugeben und dies auch mit seiner Unterschrift zu versichern, doch aufgrund der schieren Menge gäbe es niemanden, der die Gesetze alles kennen würde und somit so manche Erklärung falsch sein dürfe, ohne dass es dem jeweiligen Steuerzahler bewusst sei.
Diese Intransparenz der steuerlichen Veranlagung ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass man Steuern als ein in weiten Teilen völlig willkürliches Konstrukt ansieht, das mal so mal so von den Behörden interpretiert, zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führt. Dass es hierbei nicht immer mit rechten Dingen zugeht, macht uns das Verfassungsgericht jährlich mehrmals vor. Just derselbe Gesetzgeber, der sich immer wieder nicht in der Lage zeigt, Recht zu schaffen, verlangt von seinen Bürgern, dass sie dieses respektieren, wo er selbst nicht in der Lage oder willens ist, sich selbst konsequent daran zu halten.

Ein Theologe leitet seine Autorität und seine Argumente aus der Existenz und Wirklichkeit Gottes ab. Gregor Maria Hoff aber ist lediglich einer von vielen etatistischen Staatologen, der den Machthabern nach dem Mund redet.
Kein Wort davon, daß Solidarität nur persönlich und freiwillig sein kann (Thomas von Aquin) und nichts mit der modernen staatsbetriebenen Zwangsverbrüderung zu tun hat: im Gegenteil hindert und demoralisiert letztere die erstere. Da lob ich mir doch die Zeiten, als zum Beispiel im 13. Jahrhundert der Papst gemahnte, daß es verboten sei, Steuern zu nehmen. Der kirchliche Zehnt wurde da auch nicht mit Gewalt eingefordert. Und eine Steuer-, Abgaben- und Vorschriftenlast von weit über der Hälfte hat mit Gerechtigkeit genausowenig zu tun wie eine progressive Besteuerung. Aber die modernen "Theologen" mögen ruhig weiter Gewalt predigen und auf Monopole setzen, der Herrgott wird diesen ganzen Unfug eines Tages hinwegfegen und die Menschen werden frei sein. Das Ansinnen, Steuern zu nehmen, ist zutiefst unmoralisch. Es paternalisiert erwachsene Menschen, fehlallokiert Güter, legitimiert Nötigung, Diebstahl und Raub. Mit Gesetzen hat das nichts zu tun, Gesetze wirken von selbst: Solche "Gesetze" sind bloß Vorschriften.