Zu den wohl lästigsten Begleiterscheinungen des modernen Abhängigkeitsverhältnisses der Angestellten gehört wohl der Zwang zum Konformismus: Denn wer etwas politisch unorthodoxes oder nur unerwünschtes, missliebiges sagt, wie eben diese Journalistin, der läuft Gefahr – nachdem er in den Medien durch den Kakao gezogen wurde – auch seinen Arbeitsplatz und damit seine bürgerliche Existenz zu verlieren; gerade aber diese feine, sublime, kaum spürbare Form der Unterdrückung, der vorauseilenden Selbstzensur und des bedächtigen Abwägens trägt viel zur Debattenarmut und zum Konformismus bei und gefährdet damit den freien öffentlichen Diskurs, von dem letzten Endes eine demokratische Entscheidungsfindung abhängig ist. Fürchtet sich jeder seine Ansichten kund zu tun, weil berufliche Konsequenzen drohen, so gibt es keine Debatten mehr. Die Ansichten jener Journalistin bezüglich der Erfolge in der Armutsbekämpfung der chinesischen KP mag man sehen wie man will, aber dass ihr deshalb berufliche Konsequenzen drohen ist ein Unding.