Waldemar Hartmann

Einer, der so ist, wie er ist

Von Stefan Niggemeier

Ein bisschen bräsig und gemütlich, kumpel- oder onkelhaft, eher Fan als Journalist: Waldemar Hartmann

Ein bisschen bräsig und gemütlich, kumpel- oder onkelhaft, eher Fan als Journalist: Waldemar Hartmann

17. August 2008 Ich kann mich nicht mehr über Waldemar Hartmann aufregen. Ich ertappe mich dabei, wie ich Waldemar Hartmann im Fernsehen sehe und denke: ja. Der Waldi. Warum nicht. Hätte schlimmer kommen können.

Man fragt sich, wenn man solche schockierenden Veränderungen an sich bemerkt, natürlich, was da schiefgelaufen ist. Ob es an einem selbst liegt oder an Waldemar Hartmann. Vermutlich lautet die Antwort: an allen anderen.

Witz, komm raus

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Solche olympischen Spiele sind ja eine anstrengende Sache. Für die Fernsehleute ganz besonders. Jeden Tag müssen sie viele Stunden Programm aus nichts machen („nichts“ im Sinne von: Tausenden Sportlern, aufregenden Wettkämpfen, einem riesigen, höchst widersprüchlichen, fremden Land, hartnäckigen Doping-Gerüchten, politischen Abgründen).

Deshalb haben sie in der ARD am Freitag auch aus der sensationellen Tatsache, dass ein australischer Boxer „Brad Pitt“ heißt, einen mehrminütigen Film darüber gestrickt, dass der Hollywoodstar überraschend angereist sei, inklusive einer Straßenumfrage unter Amerikanern, wie sie das denn fänden (sensationell).

Waldi glaubt es wirklich

Dauernd müssen sie etwas sein, die Fernsehleute. Witzig, mindestens, was besonders schmerzhaft bei Katrin Müller-Hohenstein anzusehen ist. Journalistisch, selbstverständlich, was Johannes B. Kerner zu größeren Verrenkungen zwingt. Mahnend, auch, mit dem Zeigefinger von Sandra Maischberger. Ironisch, natürlich, damit Harald Schmidt alles machen kann, was peinlich ist, außer, dass es ja nicht peinlich sein kann, weil es ja ironisch ist. Dazwischen sitzt einer, der so ist, wie er ist, und meint, was er sagt: der Waldi. Ein bisschen bräsig und gemütlich, kumpelhaft bei Athleten, onkelhaft bei Athletinnen, eher Fan als Journalist. Er lässt sich halt ein paar Geschichten erzählen, und das ist so unspektakulär wie unverkrampft.

Fast ist es bei all der Ironie-Inflation sogar angenehm zu wissen, dass er, wenn er Britta Heidemann fragt, ob sie nicht für ihn „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ auf Chinesisch singen könnte, glaubt, dass das wirklich toll wäre. Obwohl's nicht stimmt.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, NDR/Dirk Uhlenbrock, NDR/Ralf Pleßmann

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