Am Sarg der ermordeten Journalistin Anna Politkoswkaja

Medien in Russland

Die unheimlichen Kontrolleure

Nach der Wahl in Russland wird sich auch an der schwierigen Situation der Medien nichts ändern. Mittlerweile dominiert der Kreml alle Massenmedien, direkt oder indirekt. Die fehlende Zivilgesellschaft verschärft das Problem: Niemand protestiert. Von Oliver Bilger

Lesermeinungen zum Beitrag

09. März 2008 15:31

Pressefreiheit ist kein Selbstzweck

Martin Berger (Martin1421)

Alle Fundamentalisten dieser Welt halten ihren Glauben für die Wahrheit. Taliban, die ihre Frauen als Gespenst verpacken, ebenso wie Jounalisten, die grenzenlose Freiheit fordern, so als sei Freiheit bereits eine Garantie für Verbesserung.

Wie der Artikel schreibt, haben Journalisten ihre Freiheit unter Jelzin mißbraucht. Kein Wunder dass die Leute in Russland dafür nicht mehr auf die Straße gehen!

Statt Freiheit um jeden Preis zu fordern, sollte besser für die Fälle geworben werden, wo journalistische Freiheit den Leuten nutzte - nicht Freiheit an sich, sondern deren Nutzen ist das einzige Argument, mit dem man überzeugen kann, ohne Andersdenkenden Gewalt anzutun.

Und Freiheit hat es für wahr verdient, dass man klug für sie wirbt, statt sie als Propagandawaffe zu mißbrauchen.

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09. März 2008 11:24

Kontrollierte Entwicklung

Ilya Kaalinen (amor-fati)

Ich fasse zusammen:
Der russische Staat kontrolliert die Medien, weil die journalistische "Freiheit" andernfalls von anderen Personengruppen oder Staaten gekauft werden könnte. Die russische Bevölkerung sieht dies rückblickend auf die Erfahrung der 90er Jahre genauso und billigt das bessere Übel: die Kontrolle durch den eigenen Staat. Der Unterschied zwischen Region und Zentrum liegt darin, dass im Zentrum die Kontrolle von oben stärker ist, weil wiederum alle Erwartungen der Bürger auf das Zentrum gerichtet sind, das Zentrum sich also eher in der Verantwortung sieht, keine Verfehlungen zuzulassen. Die niedrige Nachfrage nach unabhängigen Zeitungen wie "Nowaja Gazeta" zeugt vom derzeitigen Desinteresse der Bürger an unabhängigen Medien. Würde die Nachfrage steigen, dann wäre das für den Staat ein Hinweis auf die aktuellen Bedürfnisse seiner Bürger.
Was kann der Staat machen? Er kann Schritt für Schritt eine "Lernumgebung" schaffen, in der sich die Menschen durch eigenes Handeln zu mündigen Bürgern entwickeln können. Kontraproduktiv wäre es hingegen, die Freiheit möglichst sofort auf dem goldenen Tablett zu servieren...

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09. März 2008 10:58

Ein erschreckendes, hoffnungsloses Fazit.

Michael Menzel (Galenos)


Nach ein paar Jahren Gorbatschow und Jelzin ist Russland 20 Jahre später in schlimmste stalinistische Verhältnisse zurückgefallen. Das "Reich des Bösen", wie es R. Reagan im Verein mit einigen anderen Staaten genannt hat ist mit furchtbarer Ausprägung wieder auferstanden; nationalistisch und faschistisch. Demokratisch? Nicht in Ansätzen! Und keine Hoffnung auf eine Rückbesinnung auf ein menschliches Staatssystem.

"Das Problem sei weniger der Druck auf die Medien, sondern die fehlende Zivilgesellschaft: "Niemand protestiert."

Das ist in der Tat ein Problem, das die Russen mit den Deutschen gemein hat. Russen und Deutsche sind Untertanen ihrer Mentalität nach. Sie schaffen sich ihre "Führer" und lassen sich biegen und brechen, tun alles, was ihnen befohlen wird und sei es, daß sie auf Geheiß ihrer oligarchischen Regierungen Steine fressen. Diese Mentalität hat den Nationalsozialismus ebenso wie den Stalinismus erst möglich gemacht.

Ein Jahrhundert schlimmster Entwicklung steht uns bevor.


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