
Man sollte hier triumphierend auf Aristoteles verweisen, der im Bezug auf die Demokratie einmal anmerkte, dass die Menge bezüglich ihrer Urteilskraft und Erkenntnisfähigkeit den wenigen Gebildeten überlegen sei und folglich es gerechtfertigt ist, dass die Entscheidung bei der Menge liege; so verhält es sich auch mit den Volksabstimmungen, so sehr diese auch manipuliert werden können, so gibt es bei echten [und nicht bloßen Akklamationsveranstaltungen] mindestens zwei Seiten, deren Einflussnahme sich im großen und ganzen eben gegenseitig aufhebt; so tragisch es für die Anhänger des despotisch-bürokratischen Brüssler Zentralismus auch sein mag, aber das irische Volk hat Nein gesagt und damit ist ihre Reform gestorben. Eine Reform die schon Niederländer und Franzosen verworfen haben und deren betrügerische Umbenennung für die Unsauberkeit und das mangelnde Demokratieverständnis ihrer Anhänger zeugen. In der Demokratie entscheidet eben die Menge, die weder gebildet noch einsichtig oder sonst irgendetwas Ideales ist, sondern eben dem Charakter des jeweiligen Volkes entspricht aus dem sie zusammengesetzt ist.

Eine ausländische Zeitung, die die deutschen Bundestagswahlen ausschliesslich unter dem Blickpunkt der meinungsbildenden Mächte der BILD, WAZ oder der Bertelsmannpresse diskutierte, wie der Autor es analog für die Iren dekliniert, würde dem -sich entmündigt fühlenden- deutschen Leser übel aufstossen. Noch geben Wahlen den Willen eines Volks wieder, ist man dagegen unschuldig zu denken geneigt. Nicht aber so, wenn es um die Iren und ihr Anti-Lissabon-Votum geht, da ist zum wiederholten male EU-konformes democracy bashing angesagt: So darf man einfach nicht wählen! - Zur Strafe dürfen die Iren nochmals an die Urne, anders als Niederländer und Franzosen, deren klares Votum, die Ablehnung der EU-Verfassung, durch eine bürokratische Scharade ausgehebelt wurde. Wahlen sind eben out in der EU.