Das Leben als Film: Jim Carrey in der Mediensatire “The Truman Show“

Reality-TV

Der Horror des Alltags

Jeden Tag verspricht uns das Fernsehen, das „echte Leben“ zu zeigen: Reality-Dokus wie „Mitten im Leben“ oder „We are Family“ haben Hochkonjunktur. Doch sind diese Alltagsdramen wirklich normal? Wenn ja, sollten wir nicht mehr so oft vor die Tür gehen. Von Peer Schader

Lesermeinungen zum Beitrag

11. Dezember 2008 08:30

Fernsehen

Christian Knoche (christian.knoche)

Marcel Reich-Ranicki hat zum Thema Fernsehen alles gesagt was zu sagen ist, und zwar so eloquent und mit ehrlicher Empörung das man es nicht besser sagen kann. Ich habe seit über 3 Jahren keinen Fernsehen und mir geht es ohne wesentlich besser. Schlechte Filme zu festgelegten Uhrzeiten, vollgestopft mit Werbung - das tue ich mir freiwillig nicht an. Der Fernseher ist ein Zeitgrab, nichts weiter. Vom Schornsteinfeger über den Autoschrauber bis hin zum letzten Aushilfsjob ist doch alles schon mehr als hinreichend "dokumentiert" was niemals jemand wissen wollte. Wer kann schon 20 Minuten am Stück (plus 10 min Werbung!) zusehen wie Erna M. auf dem Münchener Weihnachtsmarkt Bockwürstchen heißmacht und Glühwein verkauft? Machen wir uns nichts vor: diese größtenteils "sehr schwachen" Sendungen billigster Machart sind nichts weiter als das Todesröcheln eines (hoffentlich bald) aussterbenden Mediums.

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11. Dezember 2008 08:07

Hyposensibilisierung

St. Koch (Pensacola)

Mit solchen Shows soll und doch nur gezeigt werden, wie gut wir es eigentlich haben. Die Gesellschaft wird durch konsequente Präkariatsbeobachtung im TV auf die kommenden Zeiten eingeschworen. Die Politiker wissen es schon und finden gut, dass sie (Dank fürstlicher Salärs aus Steuermitteln) nie mehr zu einem solchen Volk gehören müssen.

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10. Dezember 2008 21:51

Heimweh nach dem Mief der Gosse

Peter Zentner (Caterwaul)

Frau Braun hat natürlich recht: Diese Sendungen, weil billig zu produzieren, sind verlogenes Restmüll-Recycling und richten sich an Menschen mit viel Nachmittagsfreizeit. Wer diese bedauernswerten, täglich zahlreicheren Zeitgenossen sind, kann man sich an wenigen Fingern ausrechnen, selbst wenn diese in Wollfäustlingen stecken. Leider sind auch viele Schulkinder dabei, die diese "Reality" als Wirklichkeit begreifen, weil sie ungeschützt und unbegleitet vor der Glotze hocken; die Folgen sind Demotivation, Null-Bock-Mentalität und dumpfe Hoffnung auf einen Sozialstaat, der auch totale Passivität mit einem Fallschirm aufzufangen verspricht. Eltern mit Liebe, Herz und Seele können durch Kinderkrippen, Sozialpädagogen und Jugendämter halt nicht ersetzt werden, sosehr Zeitgeist und Politik uns dies weiszumachen versuchen. Und über allem die ewige Glocke der Boulevardpresse, die auch in diesem TV-Müll scheppert: Ich zeig' dir, welche Bestie dieser Mörder ist, damit du dich als rechtschaffener Bürger fühlen kannst — und ich zeig' dir, wie untergrottig und verarmt dein anonymer Nachbar ist, damit du dich gesund und wohlhabend fühlst ... Das Heimweh nach der Gosse steckt in jedem von uns, der sich nicht im Kindesalter davon befreit hat.

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09. Dezember 2008 12:00

Was mich am meisten stört ...

Anja Braun (brauni72)

Diese Art "Reality Dokus" vergrößert den Graben zwischen den Bildungs- und Bildungsfernen schichten. Wenn ich mir diese Sendung anschaue, fühle ich mich ein bisschen wie im Zoo - und ich bin froh, dass ich nicht mit in den Käfig muss. Vielleicht wird mir hinteher auch bewusst, wie gut es mir eigentlich geht. Zuschauer, deren Leben wirklich dem hier gezeigten ähnelt - ob sie nun glauben, durch Schönheits-OPs besser/beliebter zu werden, ob sie ihr Hartz 4 mt Zigaretten verqualmen oder sich mit ihren Familienmitgliedern nur durch Anschreien verständigen, werden durch die Dauerberieselung darin bestärkt, dass es bei allen anderen genauso aussieht. Interessant finde ich auch das Nebeneinander der Doku-Serien (wir) und der Promi-Magazine (die da oben, die es geschafft haben). Irgendwas dazu geplant? Auf jeden Fall herzlichen Dank für diesen Artikel!

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