Olympia-Fernsehen

Die ARD bezahlt keine Interviews

Von Michael Hanfeld

Waldi und Harry warteten vergeblich auf Britta Steffen

Waldi und Harry warteten vergeblich auf Britta Steffen

19. August 2008 Es war eine einfache Frage, die Antwort aber fiel der ARD überhaupt nicht leicht. Die Frage lautete: Bezahlt die ARD für Interviews mit deutschen Sportlern bei den Olympischen Spielen Geld an den Deutschen Olympischen Sportbund? Folgt man einem Zitat von Werner Rabe, dem Sportchef des Bayerischen Rundfunks, in der „Bild“-Zeitung, dann ist das so. „Wir zahlen schließlich Geld, eine Pauschale, für Interviews während Olympia“, heißt es da.

Rabe und andere bei der ARD hatten sich darüber geärgert, dass die zweifache Goldmedaillengewinnerin Britta Steffen nicht, wie gehofft, in die abendliche Blödelsendung im Ersten, „Waldi & Harry“ mit Waldemar Hartmann und Harald Schmidt gekommen war. Zwei Stunden vor Sendebeginn sagte die Schwimmerin ab. Da war der Ärger groß und da rutschte dem Sportchef Rabe etwas heraus.

Jan Ullrich exklusiv

Geld für Interviews zu bezahlen, das sollte bei der ARD spätestens seit den anrüchigen Verträgen aus der Mode gekommen sein, die zu Beginn des Jahrtausends mit dem Radsportler Jan Ullrich geschlossen worden waren. 195.000 Euro Gebührengelder hatte der Senderverbund pro Jahr lockergemacht, um den Pedaleur exklusiv vors Mikro zu bekommen, dabei war die ARD ohnehin Partner des Teams Telekom bei der Tour de France. Herausgekommen war das erst Ende 2006.

Beim Deutschen Olympischen Sportbund war eine Antwort auf die nun plötzlich wieder aktuelle Frage schnell zu bekommen. Es gebe keinen Vertrag und es gebe keine Zahlungen der ARD an den DOSB, sagte der Pressesprecher Gerd Graus auf Anfrage. Es gebe aber etwas anderes: Für seine Pressekonferenzen nutze der DOSB im Deutschen Haus, also dem Teil des Pekinger Hotels Kempinski, in dem die Deutschen ihre Zelte aufgeschlagen haben, die Technik von ARD und ZDF. Im Gegenzug bitte man die Sportler zu verschiedenen Sendungen, etwa dem „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF oder eben zu „Waldi & Harry“. Zu diesem Dienst auf Gegenseitigkeit soll es sogar eine feste Vereinbarung geben, in der Vergangenheit aber haben die Sender dafür tatsächlich Geld bezahlt – das ist die besagte Pauschale, von welcher der BR-Sportchef Rabe sprach. Rund 45.000 Euro sind dafür noch vor vier Jahren, bei den Olympischen Spielen in Athen geflossen. Inzwischen haben sich die Sitten ein wenig geändert.

Kurz, knapp, wenig erhellend

Die Krisensitzungen bei der ARD zu dieser Frage müssen jedoch ganz schön gedauert haben. Kurz vor Redaktionsschluss kam die Antwort. Kurz, knapp und wenig erhellend lautete sie: „Der Kollege Werner Rabe war in diesem Fall nicht richtig informiert. ARD und ZDF zahlen in Peking kein Geld für Sportlerinterviews.“ In Peking, aha. Gut zu wissen, kann man da nur sagen.

Weder Mühen noch Kosten scheut derweil das ZDF im Fall seines omnipräsenten Moderators Johannes B. Kerner. Er wird von Peking aus eigens nach Nürnberg eingeflogen, um an diesem Mittwoch das Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Belgien zu begleiten. Zum Abschluss der Olympischen Spiele landet Kerner dann wieder in Peking.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: NDR/Ralf Pleßmann

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