Muslime

Keine Predigt im „Freitagsforum“

Von Michael Hanfeld

Musliminnen im Gespräch: Das “Forum zum Freitag“ strebt einen Gedankenaustausch an

Musliminnen im Gespräch: Das "Forum zum Freitag" strebt einen Gedankenaustausch an

23. Februar 2007 Das ZDF hat sich aus dem Streit um das muslimische "Wort zum Freitag" gerade noch einmal herausgewunden. Die salomonische Lösung, die sich der Sender für das geplante Internetangebot ausgedacht hat, schlägt sich nun schon im Namen nieder. Aus dem "Wort zum Freitag" ist ein "Forum zum Freitag" geworden, und zwar eines, das unter der Hoheit der Kirchenredaktion des Senders steht.

Gleichwohl wolle man, sagte der Intendant Markus Schächter am Freitag in Mainz, "herausragende, von den muslimischen Verbänden vorgeschlagene und vom ZDF ausgewählte Persönlichkeiten" für die Sendung verpflichten, um "Ansichten, Kommentare, Gespräche als Gedanken zum Tag aus muslimischer Sicht" anzubieten.

Muslimische Verbände fühlen sich geehrt

Damit kommt der Sender den muslimischen Verbänden entgegen, die die volle Verantwortung für eine Sendung über den Islam für sich beansprucht hatten. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hatte dieser Zeitung gesagt, es sei nicht sinnvoll, noch ein weiteres Forum zur "Auseinandersetzung mit dem Islam" einzurichten: "Da gibt es schon genug Talkshows, in denen das stattfindet." Doch könne er sich mit dem Kompromiss anfreunden.

Die Namensänderung zeige, "dass es sich offenkundig nicht, wie urspünglich gedacht, um eine Verkündigungssendung handelt. Insofern ist es dem ZDF natürlich freigestellt, sein Programm zu gestalten. Es ehrt uns, dass das ,Forum zum Freitag' in Anlehnung an unseren muslimischen Feiertag gestaltet wird, und wir begrüßen sehr, dass der Intendant Schächter die muslimischen Verbände als Gesprächspartner einbeziehen will", sagte Mazyek.

Auch jüdisches Forum im Netz?

Der ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut und der Chefredakteur Nikolaus Brender sollen nun zunächst mit Vertretern der muslimischen Verbände das Verfahren der Zusammenarbeit besprechen. Intendant Schächter wies darauf hin, dass es das sogenannte "Drittsenderecht", das Kirchen Sendungen in eigener Verantwortung ermöglicht, nur im Fernsehen, nicht für das Internet gebe - womit auch die Frage beantwortet ist, ob es das "Forum zum Freitag" im Fernsehprogramm des ZDF geben könnte.

Zugestimmt hat dem Konzept, wie das ZDF mitteilte, auch Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er hatte zuvor gleiches Recht für alle und ein "Wort zum Sabbat" gefordert. Korn, der Mitglied im aufsichtsführenden Fernsehrat des ZDF ist, habe den Plan nachdrücklich begrüßt und die Einrichtung eines "Forums" als richtig bewertet. Mit dem Zentralrat der Juden will das ZDF nun über eine ähnliche Plattform im Internet sprechen.

Text: F.A.Z., 24.02.2007, Nr. 47 / Seite 4
Bildmaterial: dpa

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