Von Andrea Hünniger
25. Juni 2008 Kalkofes Mattscheibe hinterlässt ein mattes Gefühl der Hilflosigkeit, einen Taumel zwischen von Betroffenheit ersticktem Lachen und glasklarer Erschütterung. Denn das, was Oliver Kalkofe nun wieder regelmäßig auf Pro Sieben satirisch bearbeiten will, sind die Auswüchse der Klimakatastrophe unserer kollektiven Fernsehwelt. Da schmelzen die Gehirne vor sich hin: Menschen werfen sich rohe Eier an den Kopf. Windige Möchtegern-Magier knöpfen ihr Hemd auf, was dann ein Zaubertrick sein soll, und Uri Geller gibt den Löffel nicht ab. Oliver Kalkofe zitiert auffällig oft die Übersinnlichkeitsvertreter der großen Unterhaltungsshow, als würde er uns sagen wollen: Schaut her, alles nur Schall und Rauch, alles nur windige Hütchen- und Taschenspieler und Schaubudenamateure mit faulen Tricks. Aber ist das neu?
Kalkofe schneidet Szenen des alltäglichen Wahnsinns zu einem schockierenden Potpourri zusammen, sucht sich das Geistloseste aus den Kanälen des Unterhaltungsbetriebs heraus und kritisiert es auf mutmaßlich lustige Weise. Zwei Big Brother-Teilnehmer werfen sich Eier an den Kopf und sollen absurde Fragen beantworten. Das ist so schräg und so erniedrigend, dass es eigentlich keines Kommentars durch Oliver Kalkofe mehr bedarf. Im ersten Moment ist es noch lustig, wie er stets penibel verkleidet und geschminkt vor die Kamera tritt und die armseligen Gestalten - immerhin sehr überzeugend und genau - imitiert.
Leichteste Opfer gesucht
Aber mit Medienkritik hat das nichts zu tun. Kalkofe sucht sich die leichtesten Opfer und macht sich lustig über sie. Er braucht den Trash, der keine Schamgrenze kennt. Werden die Macher und das Publikum dadurch von der Erkenntnis heimgesucht, besseres Fernsehen zu machen? Wohl kaum. Warum riskiert Kalkofe es nicht einmal, vermeintlich angesehene Plaudersendungen wie Beckmann, Kerner, Anne Will oder deren Gäste im Fadenkreuz zu fixieren um sich an ihnen abzuarbeiten? Ist Fernsehkritik nicht mehr, als voyeurhaft unverkennbare Trauergestalten auszustellen?
Während Harald Schmidt wenigstens weiß, in welchen Gefilden auch er sich bewegt und sich darüber im Klaren ist, dass er selbst mitten in der Manege steht wie der traurige Clown im Zirkus, will Oliver Kalkofe den Dompteur mimen, der uns, dem blinden Zuschauer, das Elend nur vorführt und die Fehler immer anderen in die Schuhe schieben kann. Dabei muss er aufpassen, dass ihn das Metier, das er ausstellt, nicht frisst. Denn der Sinn seiner Sendung soll doch, wenn man seinen eigenen Aussagen Glauben schenken möchte, in der Bloßstellung dessen als Tand liegen, was als Gold ausgegeben wird. Im Augenblick wirkt Kalkofe aber wie ein Schausteller unter gleichen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa