Von Erna Lackner, Wien

Standhafte Widersacherin populistischer Europaskeptiker: Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik
02. Juli 2008 Nicht mit freundlichen Grüßen oder sonst einer Höflichkeitsformel, sondern mit Unbeeindruckt Ursula Plassnik, Außenministerin der Republik Österreich“ beendet die ÖVP-Politikerin einen Brief an den sehr geehrten Herrn Dichand“, der ohne vorherige Rücksprache ein als vertraulich eingestuftes Gespräch“ öffentlich gemacht hatte. Und auch noch verzerrt“, wie die Ministerin anmerkt. Sie wirft dem Hälfteeigentümer und mächtigen Altchef der Kronen Zeitung“ vor, ihr vor einem Jahr bei einem Besuch im Pressehaus ein aus ihrer Sicht unmoralisches Angebot“ gemacht zu haben, mit den Worten: Ich weiß, wie Sie Ihre Partei und diese Regierung retten können.“ Auf ihre überraschte Nachfrage habe Dichand ergänzt: indem Sie für eine Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag sind!“
Sätze, die man sich im ganzen Land lebhaft vorstellen kann. Seit dem Kapitulationsbrief der SPÖ-Doppelspitze, die fortan bei ihrer EU-Politik der Krone“ folgen will, ist der Zeitungszar aus dem Vorhof der Macht“ (wo er sich laut einem Buchtitel selbst verortet) ins Zentrum der Politik gerückt. Dass Österreich mit nur 28 Prozent Zustimmung zur EU das europäische Schlusslicht bildet, ist auch auf das Massenblatt zurückzuführen.
Ein Brief für den Europhoben
Mit ihrer einseitigen, verunsichernden und angstmacherischen EU-Berichterstattung ist die ‚Kronen Zeitung‘ leider Teil des Problems und nicht Teil der Lösung“, schreibt die Außenministerin in ihrem offenen Brief, den sie auch anderen Zeitungen schickte. Um dem 87 Jahre alten Krone“-Herausgeber, der das Land mit seinen Kanzlern der Krone“ zwar noch nicht ganz durchregiert, doch sein Blatt bis zu den Leserbriefseiten antieuropäisch durchredigiert, entgegenzuwirken, schuf jetzt der Standard“ ein Internetforum mit der Aufforderung: Schreiben Sie Hans Dichand einen Brief!“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb