Oscar-Verleihung 2007

Später Lohn und frühe Freude

Ein Oscar für Deutschland: Florian Henckel von Donnersmarck

Ein Oscar für Deutschland: Florian Henckel von Donnersmarck

26. Februar 2007 Deutscher Jubel in Hollywood: Das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ ist in der Nacht zum Montag mit dem Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film des Jahres ausgezeichnet worden. Der 33 Jahre alte Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck nahm den Preis überglücklich entgegen. Nach Volker Schlöndorff und Caroline Link ist er der dritte deutsche Filmemacher, der mit dem begehrtesten Preis der Branche für einen Spielfilm geehrt wurde (siehe auch: Kinokritik: „Das Leben der anderen“).

Ein Traum ging auch für den amerikanischen Regisseur Martin Scorsese in Erfüllung. Trotz sieben Nominierungen war er jahrelang leer ausgegangen (siehe: Alle Macht den Verlierern). Sein Gangsterdrama „Departed - Unter Feinden“ erhielt nun die Filmpreise für die Hauptkategorie „Bester Film“ und „Beste Regie“. Der Thriller über Gangster, Polizisten und Spitzel (siehe: Kino: Martin Scorseses „The Departed - Unter Feinden“) wurde auch für den Schnitt und das beste Drehbuch nach einer Romanvorlage ausgezeichnet und kam somit auf insgesamt vier Oscars. Scorseses war sichtlich bewegt, als er den Regie-Preis entgegennahm. „So viele Menschen haben mir das in den vergangenen Jahren gewünscht - Fremde. Ich gehe durch die Straßen und die Menschen sagen zu mir: 'Sie sollten gewinnen, Sie sollten gewinnen'“, sagte Scorsese, während er die Statue fest in den Händen hielt.

Mirren und Whitaker

Die Trophäe für die beste Hauptdarstellerin ging an die Britin Helen Mirren, die in dem Drama „The Queen“ (siehe: FAZ.NET-Spezial: „Die Queen“) die englische Königin Elizabeth spielt. Bester männlicher Darsteller wurde der Amerikaner Forest Whitaker für seine Rolle des Diktators Idi Amin in „The Last King of Scotland“. Die Preise als beste Nebendarsteller nahmen die Amerikaner Alan Arkin für „Little Miss Sunshine“ (siehe: Video-Filmkritik: „Little Miss Sunshine“) und Jennifer Hudson für das Musical „Dreamgirls“ (siehe: Video-Filmkritik: „Dreamgirls“) entgegen.

Gleich zwei Oscars gab es für den Film „Eine unbequeme Wahrheit“ (An Inconvenient Truth). Der Film über den Klimawandel mit dem früheren amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore wurde als bester Dokumentarfilm und für den besten Filmsong von Melissa Etheridge ausgezeichnet. Bester Animationsfilm wurde „Happy Feet“. Der Oscar für den besten Ton ging an Clint Eastwoods Kriegsdrama „Letters From Iwo Jima“. In der Kategorie „Bester kurzer Realfilm“ gewann der Beitrag „West Bank Story“, und der Oscar für den besten kurzen Trickfilm ging an die Produktion „The Danish Poet“. Den Oscar für die beste Filmmusik erhielt Gustavo Santaolalla für „Babel“.

„Babel“ der Verlierer des Abends

Der mexikanische Fantasy-Film „Pan's Labyrinth“ schnitt nach „The Departed“ mit insgesamt drei Oscars am besten ab: Das Werk von Guillermo del Toro wurde in den Kategorien Ausstattung, Make-up und Kamera gewürdigt (siehe: Guillermo del Toros Horrorfilm „Pans Labyrinth“). Einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk nahm der 78 Jahre alte italienische Komponist Ennio Morricone in Empfang. Er schuf die unvergesslichen Melodien zu Filmen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“. Nach sieben Nominierungen war das Globalisierungs-Drama „Babel“ mit nur einem Oscar für die beste Filmmusik einer der Verlierer des Abends.

Die Freude von Henckel von Donnersmarck über seinen Triumph in Hollywood war grenzenlos. „Ich danke Deutschland und Bayern dafür, dass sie diesen Film möglich gemacht haben“, sagte er auf der Bühne. Und hinterher schwärmte er im Presseraum des Kodak-Theaters: „Ich konnte mir gut vorstellen, diese herrliche Statue in den Händen zu halten. Es fühlt sich wirklich großartig an und sie ist wunderschön.“ Für ihn werde ein Traum wahr, sagte er. Der 33-Jährige hatte bereits den Europäischen und den Deutschen Filmpreis für sein Spielfilmdebüt erhalten. Zur Oscar-Verleihung war er mit seiner Ehefrau und den Hauptdarstellern Sebastian Koch und Ulrich Mühe angereist.

„Ich gratuliere unserem ehemaligen Schüler auf das Herzlichste zu diesem großartigen Erfolg“, sagte Gerhard Fuchs, der Rektor der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (HFF), wo Henckel von Donnersmarck studiert hat. Es sei eine unbeschreibliche Freude, dass „das sehr deutsche Thema ausgerechnet in Amerika ein so starkes Interesse fand“. Fuchs ist zugleich Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, der den deutschen Oscar-Film koproduziert hat.

DIE PREISTRÄGER IM ÜBERBLICK

Bester Film: „Departed - Unter Feinden“

Bester fremdsprachiger Film: „Das Leben der Anderen“

Bester Animationsfilm: „Happy Feet“

Beste Darstellerin (Hauptrolle): Helen Mirren, „Die Queen“

Bester Darsteller (Hauptrolle): Forest Whitaker, „Der letzte König von Schottland“

Beste Darstellerin (Nebenrolle): Jennifer Hudson, „Dreamgirls“

Bester Darsteller (Nebenrolle): Alan Arkin, „Little Miss Sunshine“

Beste Regie: Martin Scorsese, „Departed - Unter Feinden“

Bestes Original-Drehbuch: „Little Miss Sunshine“

Bestes adaptiertes Drehbuch: William Monahan, „Departed - Unter Feinden“

Beste Kamera: Guillermo Navarro, „Pans Labyrinth“

Bester Schnitt: Thelma Schoonmaker, „Departed - Unter Feinden“

Beste Tonmischung: „Dreamgirls“

Beste Tonschnitt: „Letters From Iwo Jima“

Beste Filmmusik: Gustavo Santaolalla, „Babel“

Bester Filmsong: Melissa Etheridge, „I Need to Wake Up“ aus „Eine unbequeme Wahrheit“

Beste Kostüme: Milena Canonero für „Marie Antoinette“

Beste Maske: „Pans Labyrinth“

Beste Ausstattung: „Pans Labyrinth“

Beste Spezial-Effekte: „Fluch der Karibik 2“

Bester Dokumentarfilm: „An Inconvenient Truth“ (Al Gore)

Bester kurzer Dokumentarfilm: „The Blood of Yingzhou District“

Bester kurzer Trickfilm: „The Danish Poet“

Bester kurzer Realfilm: „West Bank Story“

Ehren-Oscar für das Lebenswerk: Komponist Ennio Morricone

Jean Hersholt Award (Oscar statuette): Sherry Lansing

Zitate aus der Oscar-Nacht

„Ich danke Arnold Schwarzenegger für die Lektion, dass ich die Worte 'Ich kann nicht' aus meinem Vokabular streichen sollte.“ (Der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck in seiner Dankesrede nach dem Empfang des Oscars in Hollywood.)

„Ich konnte mir gut vorstellen, diese herrliche Statue in den Händen zu halten. Es fühlt sich wirklich großartig an, und sie ist wunderschön. Jeder, der will, darf sie anfassen. Nur: Wenn jemand sie anfasst, wird der den Oscar nicht mehr selbst gewinnen.“ (Donnersmarck)

„Haben Sie das im Fernsehen verfolgt? Konnte man hören, dass ich sie gegrüßt habe? Christiane, I love you!“ (Donnersmarck bei der Pressekonferenz direkt nach der Oscar-Vergabe über den dringenden Liebesgruß an seine schwangere Frau.)

„Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Bitte, bitte. Danke. Danke. Könntet ihr bitte den Umschlag nochmal prüfen? Ich meine, ich bin überwältigt. (...) Ich bin so bewegt, so bewegt ... So viele Leute haben das all die Jahre lang für mich gewünscht. Wissen Sie, ich bin die Straße runtergegangen und die Leute sagen was zu mir. Ich gehe zum Arzt, ich gehe irgendwohin, ich stehe im Fahrstuhl - und die Leute sagen: 'Sie sollten einen gewinnen.' Ich lasse mich röntgen: 'Sie sollten gewinnen.' Ich sage jetzt nur: Danke schön.“ (Der amerikanische Regisseur Martin Scorsese in seiner Dankesrede. Scorsese holte erst im achten Anlauf und 26 Jahre nach seiner ersten Nominierung einen Oscar.)

„Seit mehr als 50 Jahren hat Elizabeth Windsor ihre Würde, ihr Pflichtgefühl und ihre Frisur behalten. Sie steht mit den Füßen fest auf dem Boden, trägt den Hut auf dem Kopf, ihre Handtasche am Arm und sie hat viele, viele Stürme durchgemacht. Ich schätze ihren Mut und ihre Beständigkeit. Wenn es sie nicht gäbe, wäre ich höchstwahrscheinlich jetzt nicht hier.“ (Die britische Schauspielerin Helen Mirren in ihrer Dankesrede. Mirren hat den Oscar für ihre Darstellung der englischen Königin Elizabeth in dem Drama „The Queen“ bekommen.)

„Ich danke Gott für diesen Moment in meinem Leben und möchte ihn mitnehmen ins nächste.“ (Der Schauspieler Forest Whitaker nach der Auszeichnung mit einem Oscar als bester Hauptdarsteller.)

„Wenn es die Schwarzen, die Juden und die Schwulen nicht gäbe, gäbe es auch keine Oscars.“ (Moderatorin Ellen DeGeneres während der Oscar-Show.)

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Oscars ist das hier eine 'grüne' Show. Ich nutze die Möglichkeit, um an alle Menschen zu appellieren, energiebewusst zu handeln und sich zu engagieren.“ (Der Schauspieler Leonardo DiCaprio)



Text: FAZ.NET mit Material der Agenturen
Bildmaterial: AFP, AP, AP, Reuters, dpa, Buena Vista, dpa, REUTERS

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