13. September 2006 Die ARD wird nach den Worten des WDR-Intendanten Fritz Pleitgen keine Verträge mehr mit aktiven Sportlern schließen. Das ist eine Konsequenz aus der Affäre um den Vertrag mit dem unter Dopingverdacht stehenden Radprofi Jan Ullrich, wie Pleitgen am Mittwoch deutlich machte. Pleitgen wies zugleich darauf hin, daß die von den Intendanten der ARD beschlossene Vertragsverlängerung für den auch wegen seiner Zusammenarbeit mit der Stasi umstrittenen Sportkoordinator Hagen Boßdorf nur unter Vorbehalt erfolgt sei.
Pleitgen räumte ein, daß insgesamt zwei nacheinander abgeschlossene Verträge mit Ullrich nicht in Ordnung gewesen seien. Die Sender hätten unter anderem nicht dafür zahlen sollen, von Ullrich nach einem Rennen das erste Interview zu erhalten. Auch ein Mitwirkungsvertrag mit Ullrichs Berater Rudy Pevenage sei von den ARD-Intendanten kritisiert worden, erklärte Pleitgen. Die Figur ist dubios, wie wir nachträglich wissen.
Sie waren beteiligt, aber nicht allein
Die ARD-Intendanten hätten nicht nur beschlossen, in Zukunft keine Verträge mit aktiven Sportlern mehr einzugehen. Das zweite ist, daß derartige Verträge immer von den Justitiariaten der geschäftsführenden und der federführenden Anstalt gegengelesen werden, erläuterte der WDR-Chef. Außerdem werde die ARD eine Sport-Clearingstelle einrichten, um nun ganz auf Nummer Sicher zu gehen, daß derartige Verträge, die auch unsere Unternehmenskultur berühren, nicht mehr abgeschlossen werden.
Trotz der Kritik an der zu engen Zusammenarbeit mit Ullrich hatten die ARD-Intendanten am Dienstag in Schwerin den Vertrag des Programmdirektors Günter Struve ebenso wie den des Sportkoordinators verlängert. Pleitgen erklärte das damit, daß beide nicht allein verantwortlich für die Affäre gewesen seien. Sie waren beteiligt, aber nicht allein.
Der Vertrag für Boßdorf hänge allerdings noch davon ab, was die inzwischen auf Grund einer Anzeige laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft um dessen Stasi-Verstrickung ergäben, sagte Pleitgen. Für uns Intendanten ist ganz klar: Diese Vertragsverlängerung kann es nur geben, wenn dieses Verfahren positiv für Boßdorf ausgeht. Es dürfen keine weiteren relevanten Erkenntnisse in Sachen Stasi hinzu kommen. Und es dürfen keine Verträge mehr passieren, dieser Art, wie wir sie gerade hinter uns gebracht haben, unterstrich Pleitgen.
Text: FAZ.NET mit Material von ap
Bildmaterial: ddp