Von Stefan Niggemeier
10. September 2008 Es gibt wenige Themen, denen sich die Schwestersender Pro Sieben und Kabel 1 mit einer solchen Hingabe widmen wie der Sandwichkette Subway“. Das Vorabendmagazin Galileo“ hat in den vergangenen Jahren mehrmals erklärt, wie deren Brot so lecker wird, den Existenzgründer Subway“ vorgestellt und unter anderem bei Subway“ ( bekannt für die große Auswahl an Sandwiches und die kurze Zubereitungszeit“) nach dem Super-Sandwich“ gesucht.
In der Doku-Soap Deine Chance“ kämpfen wiederholt Kandidaten um die scheinbar attraktive Möglichkeit, einen Ausbildungsplatz bei Subway“ zu ergattern. Und das Kabel-1-Magazin Abenteuer Leben“ begleitet Eröffnungen von Subway“-Filialen und zeigt, wie das Unternehmen mit seiner eigenen Philosophie immer mehr Existenzgründer anlockt“.
Vom erfolgreichen Initiator ...
Es sind Beiträge, die nicht nur das grüne Logo der Fast-Food-Kette, sondern das ganze Unternehmen ins rechte Licht rücken. Entsprechend stolz sind die PR-Leute, die sich damit brüsten, für diese werbewirksame Präsentation gesorgt zu haben. Von über 73 Minuten kostenloser TV-Präsenz“ allein im ersten Quartal schwärmte die Ulmer Agentur Foleys in einer Pressemitteilung. Ihr Team habe Subway“ in den Sendungen von Pro Sieben und Kabel 1 plaziert“, die Drehs initiiert und begleitet“, die Protagonisten und Fernsehteams gebrieft“ und ihnen als verantwortliche Kontrollinstanz zur Seite gestanden“ – und sogar noch dafür gesorgt, dass nicht nur die Sandwiches gut beleuchtet“ werden, sondern auch das Franchisesystem. Fazit der Agentur: foleys PR ermöglicht es seinem Kunden somit, (kostengünstig) seine Bekanntheit und Beliebtheit durch umfassende und redaktionell sehr glaubwürdige Einblicke in das System zu steigern – natürlich mit positivem Effekt auf Umsätze und Zahlen von Franchiseinteressierten“.
Der Sender dementiert die Darstellung der Agentur. Wir betreiben keine Schleichwerbung“, sagt die Pro-Sieben-Sprecherin Petra Fink. Niemand plaziert in irgendeiner Weise Beiträge in irgendwelchen Formaten von uns.“ PR-Agenturen seien zwar häufig Ansprechpartner der Redaktionen, auch vor Ort. Sie hätten aber null Komma null Einfluss, wie der Bericht aussieht“, sagt Petra Fink. Die Einzigen, die bei uns Geschichten ,initiieren‘, sind Redakteure.“
... zum professionellen Begleiter
Die PR-Agentur zog ihre Erfolgsmeldung am Montag, nachdem sie dem Sender bekannt wurde, zurück. Geschäftsführer Axel Roggmann stellt die Arbeit seiner Firma nun nur noch so dar, dass man die Dreharbeiten professionell begleitet“ habe, was etwa bedeute, dass Drehpläne vorab gelesen wurden“, um eventuelle sachliche Fehler eines Redakteurs und des Filmteams zu vermeiden“.
Nach den Worten von Petra Fink stehen nur journalistische Gründe“ hinter den vielen werbewirksamen Beiträgen im Pro-Sieben-Programm über Subway“: Das Thema Systemgastronomie und die Logistik dahinter ist in Deutschland generell ein äußerst relevantes Thema. Unsere Zuschauer interessieren sich sehr für Jobs bei diesen Betrieben. Wir glauben, dass das auch sicherlich damit zu tun hat, dass Menschen sich bei solchen Ketten sicher fühlen, etwas über einen perspektivischen Job zu erfahren.“
Vielleicht würden gerade die Zuschauer, die sich nach Sicherheit“ sehnen, auch gern etwas über die Kritik erfahren, die es speziell an Subway“ gibt, wonach das Unternhemen unerfahrene Existenzgründer mit knebelähnlichen Lizenzverträgen und lotterhaftem Management“ (Wirtschaftswoche“) in die Falle lockte. Aber der leckere Sandwichteig geht bei Pro Sieben natürlich vor, rein journalistisch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Concorde/Cinetext