Haftstrafe für ehemaligen Sportchef

Emig sackte 440.000 Euro ein - und geht in Revision

Von Helmut Schwan

Zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt: der ehemalige Sportchef des HR, Jürgen Emig

Zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt: der ehemalige Sportchef des HR, Jürgen Emig

02. Oktober 2008 Eine Wirtschaftsstrafkammer des Frankfurter Landgerichts hat das Urteil in der Affäre um die umstrittene Finanzierung von Sportübertragungen im Hessischen Rundfunk gefällt. Zwei Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe verhängten die Richter gegen Jürgen Emig wegen Bestechlichkeit in sechs Fällen und Untreue. Der Dreiundsechzigjährige leitete nach den Feststellungen des Gerichts in den Jahren 2001 bis 2003 insgesamt rund 440.000 Euro in die eigene Tasche als Gegenleistung unter anderem dafür, dass er Geschäftspartner bevorzugte oder besser als journalistisch geboten ins Bild rückte. Den Schaden, den der HR erlitt, kalkuliert das Gericht auf 285.000 Euro.

Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass zur Beschleunigung des Verfahrens ein Teil der Vorwürfe eingestellt wurde. Der Sender verlangt auf dem Zivilrechtsweg von seinem langjährigen Sportchef mehr als eine Million Schadensersatz.

Man hätte besser kontrollieren müssen

Der Vorsitzende Richter Christopher Erhard rügte in der Begründung des Urteils, der Sender habe es versäumt, Hinweisen auf illegale Machenschaften Emigs intensiver nachzugehen. „Man hätte Herrn Dr. Emig besser kontrollieren können und müssen“, sagte der Richter. Auch die jahrelang geübte Praxis nicht nur des Hessischen Rundfunks, von Veranstaltern größerer Sportereignisse wie dem Marathon und dem Ironman in Frankfurt zu verlangen, dass sie sich an den Produktionskosten beteiligten, kritisierte Erhard als „nicht rechtsmäßig abgewickelt“.

Diese sogenannten Beistellungen seien als Sponsoring im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags anzusehen und hätten daher im Vor- oder Abspann der jeweiligen Sendung erwähnt werden müssen, um die Zuschauer auf mögliche wirtschaftliche Interessen hinzuweisen.

Dennoch sei der Sender als Opfer nicht als Täter zu betrachten, hob der Kammervorsitzende hervor. Auch verbiete es sich nach den Erkenntnissen dieses Prozesses, wegen der Einwerbung solcher Drittmittel, die Emig in seiner Zeit von 1987 bis 2004 als HR-Sportchef besonders erfolgreich betrieben hatte, von einem „System HR“ zu sprechen. Allenfalls komme der Ausdruck „System Emig“ in Betracht.

Fünf Monate Haft werden angerechnet

Weil zwischen dem Beginn der Ermittlungen und dem Urteil rund vier Jahre lagen, gewährte das Gericht einen Strafrabatt: Fünf Monate der Haftstrafe gelten schon als vollstreckt. Dennoch muss Emig, wenn es bei dem Urteil bleibt, ins Gefängnis. Allenfalls kann er dann darauf hoffen, dass ihm, wenn er die Hälfte verbüßt hat, der Rest der Strafe auf Bewährung erlassen wird. Auch die vierzig Tage, die der Journalist in Untersuchungshaft saß, werden angerechnet.

Sein früherer Freund und Geschäftspartner Harald Frahm kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten davon. Allerdings muss er 100.000 Euro als Auflage zahlen, die Hälfte davon an soziale Projekte im Sport. Der langjährige Präsident des Deutschen Tanzsportverbands wurde wegen Bestechung auch des früheren Sportchef des MDR, Wilfried Mohren und Beihilfe zur Untreue verurteilt. Er hatte im Jahr 2000 mit Emig die Agentur SMP gegründet, über die verdeckt die Geschäfte mit den Beistellungen und dem Sponsoring für Übertragungen im Hessischen Rundfunk abgewickelt wurden.

Emig saß da ohne Gemütsregung

Emig wird Revision gegen das Urteil einlegen. Sein Anwalt Stefan Bonn bestätigte inzwischen entsprechende Medien-Informationen. Emig und Frahm verließen kommentarlos den Gerichtssaal. Emig, dessen Verteidiger um eine Strafe gebeten hatte, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne, atmete tief durch, als er das Strafmaß hörte. Danach verfolgte er die fast zweistündige Begründung des Urteils ohne erkennbare Gemütsregung.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Raus aus dem Alltag, rein ins Vergnügen! Ob Städtereise, Wellness-Wochenende, Strand- oder Skiurlaub buchen Sie jetzt die nächste Urlaubsreise. Schauen Sie vorbei…

„Fall Emig“

Staatsanwaltschaft fordert dreieinhalb Jahre Haft

Vor Gericht: Jürgen Emig, ehemaliger Sportchef des Hessischen Rundfunks

Dreieinhalb Jahre Haft wegen Bestechlichkeit und Untreue fordert die Staatsanwaltschaft für Jürgen Emig. Nach ihrer Ansicht hat der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks das „Prinzip der Rundfunkfreiheit verraten und mit Füßen getreten“. Von Helmut Schwan

Emig-Prozess

Im Hessischen Rundfunk steigt die Nervosität

Enge Partner bei Geschäften mit dem HR: Jürgen Emig (vorne) und der mitangeklagte Harald Frahm (rechts hinten)

Am Dienstag wird voraussichtlich die Beweisaufnahme im Prozess gegen Jürgen Emig geschlossen. An der Bertramswiese in Frankfurt, dem Sitz des Hessischen Rundfunks, steigt die Nervosität. Für das Image, auch innerhalb der ARD, steht viel auf dem Spiel. Von Helmut Schwan

Klaus Berg sagt im „Fall Emig“ aus

Der sorglose Umgang mit „Fremdmitteln“

Klaus Berg, in den Jahren 1993 bis 2002 Intendant des Hessischen Rundfunks, auf dem Weg in den Gerichtssaal

Vor Gericht hielt sich Klaus Berg zum „Fall Emig“ sehr bedeckt. Dennoch brachte der frühere Intendant des Hessischen Rundfunks eine Verteidigungslinie seines ehemaligen Sportchefs ins Wanken, dem Untreue, Betrug und Bestechlichkeit vorgeworfen wird. Von Helmut Schwan

Emig-Prozess

Der Intendant weiß von nichts

Hatte schon angenehmere Auftritte: Helmut Reitze

HR-Intendant Helmut Reitze ist als Zeuge im „Emig-Prozess“ kaum in die Bredouille geraten. Selbstkritik lässt er nur zart anklingen. Emigs mutmaßliche Finanzmanipulationen stellte er als Einzelfall dar. Von Helmut Schwan

Emig-Prozess

HR-Intendant als Zeuge geladen

Intendant Helmut Reitze

Der Intendant des Hessischen Rundfunks, Helmut Reitze, muss vor Gericht - als Zeuge. Dabei soll herauskommen, was er von den finanziellen Transaktionen des wegen Untreue angeklagten Sportjournalisten Jürgen Emig wusste. Von Helmut Schwan

Kommentar

Ein Sender unter Druck

Im Gerichtssaal hat Jürgen Emig Verwunderung ausgelöst. Warum durfte der frühere Vorzeigemann des Senders offenbar jahrelang unbehelligt schalten und walten? Diese Frage wird der Hessische Rundfunk beantworten müssen. Von Helmut Schwan

Prozess gegen Jürgen Emig

Auf eigene Faust

Jürgen Emig: Ende Oktober soll ein Urteil gegen den ehemaligen Leiter der Sportredaktion des Hessischen Rundfunks gesprochen werden

Jürgen Emig zieht vor Gericht viele Register, um sein Wirtschaften als Sportchef des Hessischen Rundfunks zu rechtfertigen. Nun hat er sogar das Tabuwort Schleichwerbung gebraucht. Von Helmut Schwan

Korruptionsprozess

Mitangeklagter belastet Emig schwer

Jürgen Emig vor Gericht

Im Korruptionsprozess gegen den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, ist Emig vom Mitangeklagte Harald Frahm schwer belastet worden. Emig soll Sponsorengelder und Produktionszuschüsse über eine Firma seiner Frau teils in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Prozessauftakt

Emig will nur für „eigene Fehler“ geradestehen

Fühlt sich von den ehemaligen Kollegen vorverurteilt: Jürgen Emig

Betrug, Korruption, Untreue: So lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Jürgen Emig. Der wiederum zeigt mit dem Finger auf den Hessischen Rundfunk. Dort habe man von ihm erwartet, dass er „Fremdmittel“ beschaffe. Von Helmut Schwan

Kommentar

„Amtsträger“ Emig

Dass ein Regionalsender Jahr für Jahr sechs- bis siebenstellige Summen „Drittmittel“ akquirieren und verschleiern musste, um Großereignisse zu übertragen, stellt die Frage nach dem öffentlich-rechtlichen Auftrag: Was genau ist die „Grundversorgung“ mit Information? Von Helmut Schwan

Jürgen Emig

Angeklagter Gnadenlos

Angeklagter Emig: “Es war mir schon klar, dass wir uns auf dünnem Eis bewegen“

Der wegen Korruption und Betrugs angeklagte frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, hat zum Auftakt des Prozesses vor dem Frankfurter Landgericht pauschal „Fehler“ in einer „Grauzone“ eingeräumt und zugleich viel Luft für Spekulationen gelassen. Von Helmut Schwan

Vor dem Prozess

Das System Emig und das System HR

Angeklagt: Jürgen Emig

Am kommenden Montag beginnt der Prozess gegen Jürgen Emig, einst Sportchef des Hessischen Rundfunks. Betrug in großem Stil wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Die Frage ist, was der Sender tat. Von Michael Hanfeld

Prozess gegen Jürgen Emig

Keine Abrechnung mit dem „System HR“

In “passiver Alterszeit“: Jürgen Emig

Der Prozess gegen den früheren HR-Sportchef Jürgen Emig beginnt am 4. August. Es geht um Sport, Geld und Betrug. Spannend wird die Frage, wer beim HR wie viel von den Machenschaften der Angeklagten wusste. Von Helmut Schwan

Kommentar

Emig und die Folgen

Hat sich Jürgen Emig bei seinen Verträgen mit Sportsponsoren persönlich bereichert? Das wird im Prozess geklärt werden. Wichtiger noch ist die Frage: Hat der Hessische Rundfunk aus der Causa Emig gelernt? Von Peter Lückemeier

Anklage gegen Jürgen Emig

Nebengeschäfte beim Radklassiker

Emig wird Bestechlichkeit und Betrug vorgeworfen

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat gegen den einstigen Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, Anklage wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, der Untreue und des Betrugs erhoben. Er soll sich durch windige Sponsorenverträge um mehr als 600.000 Euro bereichert haben.

Medien

Weil alles wahr ist

Hartnäckig: Frank Thonicke

Während der einstige Sportchef des HR, Jürgen Emig, in Frankfurt gegen seine fristlose Entlassung klagt, erhält Frank Thonicke, der Reporter, der Emigs illegale Geschäfte aufdeckte, den Wächterpreis. Die Geschichte einer langen, harten Recherche.

Verschont

Der ehemalige HR-Sportchef Jürgen Emig ist frei

Haftverschonung: Jürgen Emig

Der wegen Bestechlichkeit und Untreue inhaftierte ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks ist wieder auf freiem Fuß. Ihm wurde Haftverschonung gewährt.

Sponsoringaffäre

Jürgen Emig fristlos entlassen

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt beantragte Haftbefehl gegen Emig

In der Schmiergeldaffäre um gekaufte Sportübertragungen bei ARD-Sendern ist der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, vom HR entlassen worden. Der suspendierte Sportchef des MDR, Mohren, sitzt in U-Haft.

Korruptionsskandal

Emig-Affäre reicht bis nach Leipzig

Arbeitete auch MDR-Sportchef Mohren nach dem “System Emig“?

Aus den Ermittlungen um den ehemaligen HR-Sportchef haben sich Hinweise ergeben, daß es auch bei der Sportberichterstattung in Ostdeutschland illegale Koppelgeschäfte gegeben hat. Am Montag durchsuchte die Polizei Büros des MDR.

Sport/Justiz

Ehemaliger Sportchef des HR-Fernsehens verhaftet

Verdacht wegen Betruges und Bestechung: Jürgen Emig

Nach einer Durchsuchung beim Hessischen Rundfung ist deren langjähriger Sportchef, Jürgen Emig, verhaftet worden. Die Staatsanwaltschft ermittelt wegen Angestelltenbestechlichkeit und Betruges.

Sport/Justiz

Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehl gegen Emig

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt beantragte Haftbefehl gegen Emig

Gegen Jürgen Emig, den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Haftbefehl beim Amtsrichter beantragt. Gegen ihn wird wegen Angestelltenbestechlichkeit, Betrug und Untreue ermittelt.

Sport im Fernsehen

HR stellt alle Sportsendungen ein

HR-Intendant Reitze kündigte überraschend an, daß alle bisherigen Sportsendungen eingestellt und durch neue Formate ersetzt werden. Damit soll offenbar ein Schlußpunkt unter die Affäre Emig gesetzt werden.

Sport im Fernsehen

Staatsanwalt ermittelt gegen ehemaligen HR-Sportchef

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig. Es besteht der Anfangsverdacht der Bestechlichkeit und von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen.

Sport & Medien

Frahms profitabler Paartanz mit dem Fernsehen

Mit Sport läßt sich Geld verdienen, das gilt manchmal auch für Funktionäre. Harald Frahm, ehrenamtlicher Präsident des Tanzsportverbandes, hat sich mit Hilfe von HR-Sportchef Emig ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaftet.

Kommentar

Der Scheinheilige mit dem Schlüssel

Hat Jürgen Emig nicht eigentlich einen weißen Bart? Und trägt er nicht ein weißes, bodenlanges Gewand? Und hält er nicht einen goldenen Schlüssel in der Hand? So jedenfalls kann man sich den Reporter vorstellen - wenn man ihn von der Tour de France kennt.

Sportberichterstattung

Helfen Sie diesem Sender

Abgetreten: Jürgen Emig

Der Sportchef des HR tritt kürzer, sein System aber bleibt. Zweifelhafte Netzwerke knüpfen in der Sportabteilung des Senders nämlich noch andere.

Rücktritt

Jürgen Emig legt Leitung der HR-Sportredaktion nieder

Der langjährige Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, legt sein Amt nieder. Ihm war vorgeworfen worden, Firmen in Sportsendungen plaziert zu haben, die Kunden der Media-Agentur seiner Frau sind.