Kulturradio WDR 3

Ein netter Begleitsender soll es sein

Von Matthias Hannemann

Verkünden die Reformen: Florian Quecke (WDR 5), WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin, Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz und Prof. Karl Karst (WDR 3)

Verkünden die Reformen: Florian Quecke (WDR 5), WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin, Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz und Prof. Karl Karst (WDR 3)

21. August 2008 Es wird ernst. Oder zumindest ganz anders. Die gerade auch intern lange kontrovers diskutierte Reform des Kulturradios WDR 3 tritt zum 1. September in Kraft - dann wird sich herausstellen, wie es um die Bekenntnisse zur musikalischen und journalistischen Qualität bestellt ist, die im Frühjahr auf die Kritik des Vorhabens durch den Rundfunkrat und einige Redakteure folgten.

So viel steht fest: Herausgefordert werden vor allem die Hörgewohnheiten der sogenannten „klassisch bildungsorientierten Hörer“, jener Spezies also, die bislang gleichermaßen für die sinkenden Hörerzahlen wie das steigende Durchschnittsalter unter den WDR3-Fans verantwortlich gewesen sein soll.

Hin zum Begleitradio

Denn zwar will man über Nacht noch nicht zu einem gefälligen Klassikversender werden. Die künftige Zielgruppe aber, so hatte der Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz im April gerechtfertigt (Hörfunkdirektor Schmitz über die Reform von WDR 3), ist „nicht nur auf die Hochkultur abonniert“. Also wird fortan angefunkt, was bei drei nicht auf den Bäumen oder zumindest vor fünf noch im Büro ist - und ein Weg fortgeführt, den man in Köln mit der Programmreform 2004 eingeschlagen hat. Er führt fort vom Einschalt- und hin zum Begleitradio. Er orientiert sich an Service und Zerstreuung, nicht an der Vermessung der geistig-kulturellen Welt.

Die Neuerungen treffen in erster Linie den Nachmittag: Die Nachfolgesendung von „WDR3 am Mittag“, „WDR3 Passagen“, wird sich als „Ruhepause“ verstehen, zwar gespickt mit gelegentlichen Beiträgen, vor allem aber „jenseits der Hektik des Alltags“ angesiedelt und von längeren Wortstrecken befreit. An die Stelle der anspruchsvollen „Musikpassagen“ wird eine mehrstündige Sendung namens „TonArt“ treten, die bis zum Beginn der (verkürzten, auf drei Beitragsplätze pro Stunde beschränkten und entkernten) „Resonanzen“, reichlich „klassische Musik zwischen Barock und Moderne“, im schlimmsten Fall also: Zusammengewürfeltes, verspricht, garniert mit bis zu zwei Beiträgen pro Stunde, mit Platten- und Veranstaltungstipps, Kartenverlosungen und Kulturnachrichten.

„Lebensbezogener“

Den Rest soll eine Live-Moderation besorgen, die im Tonfall laut Wolfgang Schmitz „nicht anbiedernd, aber zugewandter“ gehalten sein soll als bislang: „Wir wollen natürlich auch weiterhin unser Kernpublikum, das Bildungsbürgertum, gut bedienen“, sagt der Hörfunkdirektor, „aber im Prinzip muss niemand einen akademischen Titel haben, um dieses Programm hören und verstehen zu können.“ Die Presseabteilung hat für den neuen Stil die passende Vokabel: „Lebensbezogener“ als zuvor werde sich WDR3 präsentieren. Das ist ein bedrohlicher Gedanke für jeden, der Elfenbeintürmen Positives abgewinnen kann.

Immerhin aber scheint das Vorhaben vom Tisch zu sein, längere Musikdarbietungen im vormittäglichen „KlassikForum“ durch eine Nachrichtenpause zu blockieren. Es gibt, wenn auch auf neuem Sendeplatz, das historische „Zeitzeichen“ und abends regelmäßig Jazz. Und auch mit Blick auf die aktuellen Zeitfunk-Journale, meint Wolfgang Schmitz, habe man sich auf die Kritiker zubewegt - wenn auch in Maßen: Drei fünfzehnminütige Journale sind derzeit im Programm, vier achtminütige „politische Informationssendungen“ plus Kulturnachrichten sind es künftig. Und dann ist da der große Zaubertrick der Programmgestalter: der Verweis aufs Wochenende und das Programm WDR5, wo sich künftig ein neues politisches Feuilleton ansiedelt. Ob das funktioniert? Das unreformierbare Publikum wird die Ohren spitzen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: WDR/Herby Sachs

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