
Leser Kowollik möchte ich fragen , ob es wünschenswert ist, auf Seite 1 einer ehemals seriösen Tageszeitung, mit ungeahntem Humor konfrontiert zu werden.
Mir scheint, daß die Layout-Tragödie unfreiwillig zu einer Komödie gerät.
Also, ich für meine Person werde noch ein Quartal abwarten , ob die FAZ sich besinnen und zur bewährten Form zurückkehren wird. Ich wünsche mir sehnlichst,daß die Verantwortlichen Einsicht zeigen, sonst werde ich schweren Herzens nach acht Jahren mein Abo kündigen.
Diese FAZ unterscheidet sich äußerlich kaum noch vom Bonner General-Anzeiger. Das FAZ-Layout hat nun die gleiche Ästhetik wie das Photo, das Sie ihrer Leserschaft unter der Rubrik "Deutschland und die Welt" zumuten.
Quo vadis, FAZ ?

Und je nach Stimmungslage kommentiert der Leser des Kaiser`s neue Kleider so oder anders.
Das "Markenzeichen" FAZ allerdings hat objektiv an Profil verloren. Bunte Bilder, neumodisches Schriftbild und vor allem das riesige Bild auf der Titelseite, welches den Text von dieser prominenten Stelle stiehlt, sind Demontage am Markenzeichen FAZ. Schade drum. Der kluge Kopf versteckt sich nun hinter bunten Bilderchen. In der Tat sehr fatal.

Leser Kowollik und vor ihm schon andere zeigen mehr oder weniger deutliche Gewöhnungserscheinungen. So war es auch schon mit der als Versuchsballon gedachten Einführung der Farbe Rot, dem Vorboten des Unheils, das über uns hereingebrochen ist.
Es ist menschlich, daß man sich an Schlechtes gewöhnt. Das ist bei chronischen Krankheiten so, daß ist bei vielen gesellschaftlichen Mißständen nicht anders. Auch eine unliebsame Regierung nimmt man am Wahltag schwerer als später im Alltag.
Das ändert aber nichts daran, daß die FAZ, 40 Jahre nach Schaffung des vollkommenen Layouts, dem Zeitgeist folgend ihr seriöses Erscheinungsbild weggeworfen und eine massive Verschlechterung der ganzen Zeitung entschieden hat. Es zeigt sich bereits: Der Inhalt folgt der Form, alles andere ist Augenwischerei.
Der Weltkonzern DaimerChrysler, die verbreiteten Börsengänge in New York, das BMW-Experiment Rover: in diese Güte von Managementfehlern, die allesamt mit den gewünschten Gutachten und Umfragen gerechtfertigt worden sind, wird sich - leider - auch die Verunstaltung der besten deutschsprachigen Zeitung einreihen, wenn nicht in kommerzieller Sicht, dann jedenfalls in punkto Kultur, Niveau, Seriosität, Singularität und Klasse der (alten) FAZ.

Ich kann mich nicht daran gewöhnen. Ich gebe mir die größte Mühe. Es will nicht gelingen. Und ich will auch nicht. Das Layout ist zu laut, und selbstverständlich sind es veränderte, da weniger Inhalte. Das mögen die modernistischen Anhänger der Verwechselbarkeit nicht mitbekommen haben. Aber nicht einmal die Bilder selbst haben die Qualität, die von einer FAZ zu erwarten wären. Austauschbar wie das Layout und die Schrifttype auch die Bilder. Es ist jammerschade. Ich bin auf der Suche nach einer Alternative. Vorschläge werden gern entgegengenommen.

Die Karikatur von G&L auf Seite 8 (Leserbriefe) bringt die Athmosphäre, die offensichlich gegenwärtig innerhalb der FAZ herrscht, sehr schön auf den Punkt. Die zum Jubeln versammelten positiven Zuschriften, hier und da mit mild kritischen Kommentaren vesetzt, um den Schein der Ausgewogenheit zu erzeugen: so macht man es, wenn man die eklatante Wahrheit leugnen will. 14 von 22 abgedruckten Zuschroftehn sind zustimmend bis euphorisch, 4 milde kritisch und 4 sind gegen die Neugestaltung. Das ist lächerlich und erbärmlich angesichts der Kommentare z.B. in diesem Forum.
Die Karikatur kommentiert das auf geniale Weise: wer hat die nur zum Abdruck freigegeben? Wer die wahrheit nicht sehen will, ist eben auch blind für Ironie, scheint es. Zu gerne würde man jetzt einmal hinter die Kulissen blicken und sehen, wer da in der FAZ die Knute schwingt. Denn einfach wird es doch wohl nicht sein, in einer stolzen Redaktion Nordkoeanische Verhältnisse durchzusetzen.

Unglaublich, wie viele zustimmende Lesermeinungen für die abgedruckten 'Briefe an die Herausgeber' zusammengekratzt werden, beweist doch dieses Forum (und die in die hunderten gehenden Kommentare zu den anderen Artikeln über das "neue Kleid") daß beinahe einhellige Empörung unter den regelmäßigen Lesern herrscht!

Sehr geehrte Damen und Herren,
mich schmerzt die von Ihnen vorgenommene Umstellung sehr. Ich bin 30 Jahre alt und habe Ihre Zeitung seit meinem 21. Lebensjahr gewissermaßen "religiös" gelesen. Die Lektüre war für mich ein fester Bestandteil meines Tages, obwohl auch ich nicht immer viel Zeit habe. Ein geübter Zeitungsleser ist nämlich durchaus in der Lage, schnell die Artikel auszumachen, die ihn interessieren und diese dann zügig durchzulesen. Ihre Zeitung war für mich eine feste Konstante in Zeiten, in denen ich nach Orientierung suchte, etwa nach dem 11. September 2001. Hätten Sie jetzt noch den Mut, den langen und kontroversen Beitrag von Susan Sontag, der kurz nach diesem Ereignis in Ihrer Zeitung erschien, heute noch abzudrucken? Ich bezweifele dies; er wäre wohl zu umfangreich und "schwierig" für die neu umworbene Leserschaft.
Gerade hier zeigt sich, weshalb Sie den Protest Ihrer Leserschaft erst nehmen sollten. Die FAZ war ein Blatt für die Meinungsführer, darauf haben Sie sich immer gerne berufen. Sie ist es nur gewesen, weil sie nicht davor zurückgeschreckte, Themen auch in der Tiefe und mit dem nötigen Ernst auszuloten. Diese Ausnahmestellung haben Sie nun freiwillig aufgegeben. Wie gesagt, ein großer Verlust.

Denn in diesem Fall heilt die Zeit keine Wunden. Als bekennender FAZ-IN-BEWÄHRTEM-LAYOUT-FAN mein Vorschlag an die FAZ-Verantwortlichen (alias DER SOUVERÄN) : Ich bin in meiner Verzweiflung bereit, einen höheren Preis für mein ABO zu akzeptieren, wenn ich die FAZ dafür wieder in bewährtem Layout genießen dürfte.
Was halten Sie von der Idee, die FAZ in zwei Layout-Varianten anzubieten ? Die Alternative nennen Sie FAZ KLASSIK oder FAZ deluxe und drucken sie in bewährtem Layout.
Bitte haben Sie ein Einsehen, bitte

Und wie war das bei der unwiderruflichen Umsetzung der Recht-/Schlechtschreibreform durch die FAZ?
Gab es da eine Umfrage unter den Lesern?

Und wenn die Verkaufszahlen nach der Layout-Änderung nicht signifikant nach oben gehen - können die offenbar vielen Stammleser, die das Bild auf der Titelseite nicht mögen, dann wieder auf eine weniger bunte FAZ hoffen ?

Guten Tag,
1. Die Überschriften POLITIK, WIRTSCHAFT, FINANZBLATT und FEUILLETON bitte wie vorher handhaben anstatt mit GROSSBUCHSTABEN. Unfug: Bei NATUR UND WISSENSCHAFT rutschen die anderen Daten wie Datum usw. aus Platzgründen wegen GROSSSCHREIBUNG nach unten! Literatur, Bilder und Zeiten und Beruf & Chance haben - noch - nur den Anfangsbuchstaben groß. Sieht besser aus und paßt ins Bild mit den anderen Schlagzeilen auf der Seite.
2. Städtewetter, dort sind die Linien sehr störend, bitte nach andere Lösungen suchen. Punkte, dünnere Linien oder gar nichts? Farben weglassen?
3. Hin und wieder fünfspaltige Seiten drucken, das bringt Schwung in die Zeitung!
mfg C.Knolle

Die Überschriften der FAZ zu diesem Thema lauten kurz und Bündig:
Keine Abstriche an Seriosität - je mehr Bilder desto unseriöser. Vonder FAZ (alt) über regionale Blätter bis z.B. zur verBILDungs-Lektüre.
Bilder als „eingefangene Erfahrung“ - Bilder können niemals eingefangene Erfahrung sein. Bilder - genauso wie Erfahrungen sind subjektiv. Im Gegensatz zu Erfahrungen sind Bilder nur 2 dimensional. Seriöse Journalismus kommt mit sehr wenigen Bildern aus
Ein Schuss Leichtigkeit - Hierzu kann ich nur sagen: Wenn das Leben leicht wäre, hätten wir alle Flügel. Ja, ja: Die Leichtigkeit des Seins ...

Herr D'Inka teilt so nett mit, dass das leise Vorrang vor dem lauten behällt. Lassen Sie mich hierzu anmerken: Nichts ist lauter als Bilder.

Ganz so weit ist die FAZ noch nicht, aber das riesige Foto auf der Titelseite gefällt mir nicht. Damit wird die FAZ am Kiosk verwechselbar.
Da ich aber Abonnent bin und bleibe, werde ich wohl damit leben müssen.
Ich meine, Sie sollten noch einmal über die Platzierung und die Größe des Bildes nachdenken.
Die Änderung der Schriftart finde ich nicht schlimm.

was ändert sich an den Inhalten der FAZ? Nix
was ändert sich an ihrem Informationsgehalt? Nix.
Aber ihr Gewand hat sich geändert und alles schreit laut auf.
Die Mediale Wirklichkeit hat sich geändert, die Wahrnehmung auch. Ob es für eine Zeitung unbedingt von Vorzug ist auf immer und ewig an einer bestimmten Erscheinungsform festzuhalten, das wage ich zu bezweifeln.
Will man die Reichweite und das Gewicht der Botschaft erhöhen, die man zu verkünden hat, dann muß man auch auf die Bedürfnisse derer eingehen, die noch nicht zu den Lesern zählen.