Neues F.A.Z.-Layout

Der Souverän hat gesprochen

Von Werner D'Inka

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05. Oktober 2007 „Der mächtigste Erneuerer ist die Zeit“ – Francis Bacon schrieb dem Gang der Dinge eine Kraft zu, die sachte, aber unwiderstehlich auf Veränderung dringt. Wenn die Frankfurter Allgemeine Zeitung jetzt ihr Erscheinungsbild erneuert, trägt sie dem Wandel der Lesegewohnheiten Rechnung, ohne ihren Anspruch auf Qualität und Unverwechselbarkeit aufzugeben, denn zwischen beflissenem Modernismus und trotziger Selbststilisierung öffnet sich ein weiter Gestaltungsraum. Bewährtes bleibt, und Neues tritt hinzu.

Die Art und Weise, wie Zeitung gelesen wird, ist steter Veränderung unterworfen, sie begleitet die Zeitung durch ihre nun schon vierhundert Jahre währende Geschichte. Eine stärkere Beachtung des Visuellen, ein Übergang von der regelmäßigen zur sporadischen Lektüre und eine abnehmende Lesedauer auch bei den Stammlesern kennzeichnen den Wandel in den letzten Jahrzehnten. Viele Kinder machen im Elternhaus nicht mehr die Erfahrung, dass eine Zeitung zum Alltag gehört. Und junge Leute lesen zwar noch, aber sie lesen anders. Indem die Zeitung diese Veränderungen aufnimmt, bleibt sie ihrem Publikum nah.

Keine Abstriche an Seriosität

Mit den Neuerungen entspricht die Redaktion der F.A.Z. den Wünschen einer großen Mehrheit der Leser. Der Souverän hat gesprochen, und das Ergebnis ist eindeutig. Ausführliche Befragungen ergaben, dass mehr als drei Viertel unserer Leser die neue Gestaltung gutheißen. Sie bewerten sie als einladender und frischer, ohne Abstriche an Seriosität.

Zwar wird keine Redaktion, die etwas auf sich hält, das Blattmachen an die Marktforschung abtreten. Aber an den Wünschen des Publikums vorbei lassen sich Anspruch und Bedeutung auf Dauer nicht sichern. Deshalb werten wir die große Zustimmung unserer Leser als Plebiszit.

Zwei Änderungen fallen besonders ins Auge: das tägliche Foto auf der Titelseite und die Schriftart über den Kommentaren. Gerade die F.A.Z. pflegt seit jeher die Kunst der Fotografie, für die Namen wie Fritz Fenzl, Wolfgang Haut und Barbara Klemm stehen. Zu den Dutzenden von Bildern in jeder Ausgabe, oft mehr als hundert, kommt von heute an täglich ein Foto hinzu.

Bilder als „eingefangene Erfahrung“

Schön und gut, wenden manche ein, aber muss es auf der Titelseite sein? In dieser Skepsis scheint eine Bilderfeindlichkeit auf, die in der Fotografie nur Schein und Ablenkung sieht. Brecht hatte recht mit seinem Verdikt, ein Foto des AEG-Gebäudes sage nichts über den Zustand der AEG. Aber aktuelle Fotos aus Burma sagen durchaus etwas über Burma. Auch Bilder sind „eingefangene Erfahrung“ (Susan Sontag), selbst wenn das Wort der Schlüssel zum Verstehen bleibt. Wer wirklich begreifen will, muss lesen und ist auch in Zukunft mit dieser Zeitung bestens beraten.

Die Frakturschrift über den Kommentaren im Politik- und im Wirtschaftsteil zählte seit Gründung der Zeitung zu ihren Erkennungsmerkmalen. Die Entscheidung, eine andere Schrift an ihre Stelle zu setzen, haben die Herausgeber nicht mit leichter Hand getroffen. Doch auch hier dringt die Zeit auf Veränderung.

Offenkundig ist die Fraktur vielen Lesern, beileibe nicht nur jüngeren, über die Jahre fremd geworden. Die Schriftart, die sie von heute an ersetzt, ist ebenfalls eine Traditionstype: 1923 für die Londoner „Times“ entwickelt, trägt sie deren Namen. Sie geht zurück auf Vorbilder aus dem 16. und 17. Jahrhundert und gehört zur Gruppe der Renaissance-Antiqua-Schriften. Für Interessierte: Eingesetzt wird die „Times New Roman Condensed Bold“, ein schmal gestellter, halbfetter Schnitt.

Ein Schuss Leichtigkeit

Was ist außerdem neu? Die bisher auf Mitte gesetzten Überschriften werden am linken Textrand ausgerichtet, und die Trennlinien zwischen den Spalten entfallen. So ergibt sich ein helles, offenes Seitenbild, in dem die linksbündigen Überschriften einen ganz eigenen Rhythmus erzeugen. Etwas breitere Spaltenzwischenräume an bestimmten Stellen – auf dieser Seite etwa zwischen den Kommentaren und dem Nachrichtenblock – führen das Auge beim Lesen, indem sie trennen, was nicht zusammengehört. Die Gestaltung bleibt betont sachlich und ordnet sich dem Inhalt unter, aber sie bekommt einen Schuss Leichtigkeit.

Längeren Artikeln auf den Innenseiten wird eine kurze Zusammenfassung vorangestellt. Dieser Vorspann hilft den Lesern an Tagen, an denen die Zeit für die ausführliche Zeitungslektüre fehlt, denn auch das kennzeichnet den Wandel der Lesegewohnheiten: Durchaus passionierte Zeitungsleser bekennen, dass Zeitmangel sie an manchen Tagen von der gründlichen Lektüre abhalte.

Doch nicht Magerkost zu bieten ist der Sinn kurzer Zusammenfassungen, sondern Leseanreiz. „Leads“, wie die Vorspänne im Zeitungsjargon auch genannt werden, waren, ganz nebenbei gesagt, in der F.A.Z. schon in den fünfziger Jahren einmal en vogue.

Manches ist also von heute an anders, aber die Grundhaltung bleibt, und diese Zeitung wird auch künftig nicht sein wie jede andere. Das Leise behält Vorrang vor dem Lauten, das gut Begründete vor dem bloß Originellen. „Wie machen wir’s, dass alles frisch und neu und mit Bedeutung auch gefällig sei?“, fragt der Theaterdirektor im „Faust“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung macht es von diesem Freitag an so – frisch und Tag für Tag mit Bedeutung.

Das neue Kleid der F.A.Z.: Einladend, frisch, übersichtlich

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Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa, F.A.Z.

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