Christoph Waltz

Muster der Verschlagenheit

Von Martin Wittmann

Für seine Darstellung des Kidnappers im Film “Der Tanz mit dem Teufel“ bekam Christoph Waltz 2001 den Adolf-Grimme-Preis

Für seine Darstellung des Kidnappers im Film "Der Tanz mit dem Teufel" bekam Christoph Waltz 2001 den Adolf-Grimme-Preis

02. September 2008 „Gucken Sie sich meine Visage an. Würden Sie mich als Otto Normalverbraucher besetzen?“ So antwortete Christoph Waltz einmal auf die Frage nach den dunklen Charakteren, für die er gerne gebucht wird. Nun hat Quentin Tarantino ihn für seinen neuen Film, das Kriegsdrama „Inglorious Bastards“, engagiert. Über die Rolle ist nicht viel bekannt, außer dass sie dem österreichischen Schauspieler keinen großen Imagewechsel bescheren wird: Ohne Gesichtsverlust wird er eine der Hauptrollen des Films, den SS-Oberst Hans Landa, spielen.

Er selbst wird wie immer kein großes Aufhebens um seine Rolle machen, auch wenn sie der bisherige Höhepunkt seines produktiven Schauspielerleben sein wird. Der 1956 in Wien als Kind zweier Bühnenbildner geborene Waltz lernte in der Heimat am Max- Reinhardt-Seminar, später ging er zu Lee Strasberg nach New York. Ende der siebziger Jahre begann er, sich neben dem Theater dem Fernsehen zu widmen. Seither hatte Waltz mehr als siebzig Auftritte in Fernsehfilmen und -serien, fürs Kino arbeitete er mit Oskar Roehler und Leander Haußmann zusammen. Dabei entwickelte er sich zum angesehenen Charakterdarsteller weniger angesehener Charaktere. Der mutmaßliche Oetker-Entführer Dieter Zlof etwa ist so eine Figur. Für seine Darstellung im Film „Der Tanz mit dem Teufel“ bekam Christoph Waltz 2001 den Adolf-Grimme-Preis.

Ein großer Prestigegewinn

Waltz lebt PR-leise in London und gibt kaum Interviews. In Kombination mit den labilen, frustrierten, verschlagenen Figuren, mit denen er assoziiert wird, hat ihm diese Zurückhaltung bisher die verdiente Aufmerksamkeit verwehrt. Tarantinos Film wird das ändern. Viele vormals unbekannte Schauspieler sind durch den amerikanischen Regisseur erst berühmt, belächelte Altstars wie John Travolta als ernstzunehmende Schauspieler wiederentdeckt worden. Nicht alle mögen durch Tarantino zum Star geworden sein. Aber ein großer Prestigegewinn ist eine Rolle bei ihm allemal.

In „Inglorious Bastards“ wird sich Christoph Waltz mit Brad Pitt messen können. Der spielt den Anführer eines Spezialtrupps der Alliierten, der während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich Nazis wie Hans Landa jagt. Man würde Tarantino ebenso wie Waltz unrecht tun mit der Unterstellung, der Österreicher sei wegen seiner Herkunft für die Nazi-Rolle besetzt worden. Zum einen, weil Leonardo di Caprio lange Zeit für den Part im Gespräch war, zum anderen, weil sich der perfektionistische Tarantino nicht bloß wegen des passenden Akzents für einen Schauspieler entscheidet. Selbst wenn der eine Visage wie Waltz mitbringt.

Auch Til Schweiger steht für Tarantino vor der Kamera

In Quentin Tarantinos neuem Kriegsfilm „Inglorious Bastard“ wird auch Til Schweiger Teil des Teams um Brad Pitt sein. Er verstärkt damit die deutschsprachige Besetzung des Dramas, zu der bereits Christoph Waltz, Daniel Brühl und Diane Kruger zählen.

Die Dreharbeiten beginnen am 13. Oktober in Deutschland. Die Produktion soll beim Filmfestival in Cannes im Mai nächsten Jahres Weltpremiere feiern. Der voraussichtliche Kinostart ist im Sommer. (ddp)

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: CINETEXT, Cinetext Bildarchiv

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