Fernsehen

Gericht stoppt Fernsehfilm über den Contergan-Skandal

28. Juli 2006 Das Hamburger Landgericht hat am Freitag einen Fernsehfilm des Westdeutschen Rundfunks (WDR) über den Contergan- Skandal gestoppt. Der Sender wollte ursprünglich im Spätherbst den fiktionalen Zweiteiler „Eine einzige Tablette“ ausstrahlen, der die Affäre um das Schlafmittel zum Thema hat. Nach der Einnahme von Contergan hatten Ende der 50er Jahre Tausende Frauen mißgebildete Kinder zur Welt gebracht.

Der Contergan-Hersteller Grünenthal GmbH (Aachen) und ein Anwalt, an dessen Lebensgeschichte sich der Film anlehnt, hatten gegen den WDR und die Kölner Produktionsfirma Zeitsprung geklagt und bekamen nun vor der Pressekammer des Gerichts in weiten Teilen Recht.

Persönlichkeitsrechte verletzt

Beide Kläger sahen durch den Film, bei dem der renommierte Adolf Winkelmann („Die Abfahrer“, „Jede Menge Kohle“) Regie führte, die historischen Tatsachen verdreht und hatten zahlreiche Passagen des Drehbuchs moniert. Die Richter folgten dieser Auffassung und erließen im Februar Einstweilige Verfügungen gegen den WDR und Zeitsprung. Diese wurden nun im Falle des Anwalts voll und im Falle der Firma Grünenthal weitgehend bestätigt. Das Persönlichkeitsrecht der Antragsteller habe sich gegenüber der Kunstfreiheit durchgesetzt, meinte das Gericht. „Eine ausreichende Verfremdung der aus der Wirklichkeit entlehnten Vorgänge läßt sich nicht feststellen“, hieß es. Das Publikum könne nicht unterscheiden zwischen Wahrheit und Erdichtetem.

Contergan war 1957 in Deutschland auf den Markt gekommen und wurde schwangeren Frauen empfohlen, weil sein Wirkstoff Thalidomid auch die morgendliche Übelkeit von Schwangeren linderte. Erst 1960 wurde bekannt, daß Thalidomid beim Embryo zu Fehlbildungen an Organen und Gliedmaßen führt. Rund 5.000 Kinder waren davon betroffen. Nach einem mehrjährigen Prozeß um den Contergan-Skandal stellte das Aachener Landgericht 1970 das Verfahren gegen sieben leitende Angestellte der Firma Grünenthal ein. Das Unternehmen brachte gut 50 Millionen Euro als Entschädigung für die Opfer in eine Contergan-Stiftung ein.



Text: dpa
Bildmaterial: dpa

 
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