BBC stoppt Onlinepläne

Alles offline

Von Gina Thomas, London, und Michael Hanfeld, Frankfurt

Das ging zu weit: der Komiker Russell Brand wurde für seine Telefonscherze vom BBC entlassen

Das ging zu weit: der Komiker Russell Brand wurde für seine Telefonscherze vom BBC entlassen

23. November 2008 Von Großbritannien lernen, heißt zu erkennen, dass der öffentliche Rundfunk doch Grenzen kennt. Die BBC ist jetzt nämlich mit ihrem Plan gescheitert, über das ganze Land verteilt 65 regionale Internetportale mit Videos und Texten zu errichten. Achtundsechzig Millionen Pfund hätte das bis 2013 projektierte Vorhaben kostet sollen. Doch hat der BBC Trust, der Aufsichtsrat des Senders, dies nach einem Public-Value-Test gestoppt. Die BBC solle lieber ihre bestehenden Angebote vor allem im Fernsehen verbessern, sagte der Vorsitzende des BBC-Trust, Michael Lyons. Die Einrichtung der Internetportale leiste keinen solch großen öffentlichen Beitrag, als dass die Kosten zu rechtfertigen seien und auch nicht die negativen Folgen, die dies für kommerzielle Medien habe.

Den Ausschlag für die Ablehnung gaben Stellungnahmen von Mitgliedern des BBC-Trust und der Medienaufsichtsbehörde Ofcom. Sie befanden, dass die BBC-Portale regionale Privatanbieter und Verlage verdrängten. Regionalzeitungen und andere könnten nun, sagte der BBC-Trust-Chef Lyons, ins Internet in der Gewissheit investieren, dass die BBC auf diesem Markt nicht interveniere.

Fünfzig BBC-Angestellte verdienen mehr als der Premierminister

Das ist für die BBC, deren Wirken von ARD und ZDF beim Streit um ihre eigenen Online-Aktivitäten und den Rundfunkänderungsstaatvertrag als vorbildhaft hingestellt wurde, ein harter Schlag. Der Sender nahm die Entscheidung hin und tat kleinlaut kund, dass der Plan eines regionalen Online-Netzwerks wohl „auf absehbare Zeit“ als nicht angemessen erscheine. Jedes einzelne der Portale, die Nachrichten, Sport und Wetterinformationen bereithalten sollten, hätte 350.000 Pfund pro Jahr gekostet, vierhundert Leute wollte die BBC damit beschäftigen. Es ist das dritte oder vierte große Vorhaben, mit dem die BBC sich dem neuen Public-Value-Test stellt, der die Sinnhaftigkeit neuer Projekte beurteilen soll. Und es ist das erste Mal, dass dieses Verfahren für die BBC negativ ausgeht. Bis zum 5. Januar wird die Entscheidung des BBC Trust noch öffentlich erörtert, am 25. Februar wird sie offiziell verkündet.

Der BBC macht noch eine weitere Geschichte zu schaffen. Ein Untersuchungsbericht zu der Radioshow, in welcher der Moderator Jonathan Ross und der Komiker Russel Brand Anzüglichkeiten auf den Anrufbeantworter des betagten Schauspielers Andrew Sachs gesprochen haben, kommt zu dem Ergebnis, dass die für die Sendung Verantwortlichen versagt haben. Ross, den die BBC mit einem mit sechs Millionen Pfund dotierten Dreijahresvertrag ans sich gebunden hat, und Brand kommen noch glimpflich weg. Die Programmdirektorin und der zuständige Redaktionsleiter aber, der die Frotzeleien von Ross und Brand „sehr komisch“ fand, sind entlassen wurden. Von dem hochbezahlten Ross will sich die BBC nicht trennen.

Um Kritiker zu besänftigen, die monieren, dass fünfzig leitende Angestellte der BBC mehr verdienen als der Premierminister, wollen die Mitglieder der Senderführung auf eine jährliche Sondervergütung verzichten. Die BBC hat nun allerdings noch mehr Mühe, zu rechtfertigen, wofür sie Rundfunkgebühren kassiert. Charles Moore, einstiger Chefredakteur des „Daily Telegraph“, bekundet, er zahle seine Jahresgebühr nicht mehr, sondern spende die 139,50 Pfund der Wohlfahrtsorganisation „Helft den Alten“.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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