
Die Umstandsbeschreibung ist absolut korrekt! Drehbuchautoren werden als Sekretäre oder Naivlinge betrachtet, welches ein jegliches authentisches entwickeln einer Geschichte nicht gerade fördert...Doch es gibt auch andere Momente, wo die Zusammenarbeit mal funktioniert- denn es gibt wunderbare Autoren und Filme die realisiert wurden. Letztendlich hoffe ich das dieser Artikel auch den Produzentenverband und einige Redaktionen erreicht hat! Eine Prise Demut gegenüber dem was es unbedingt benötigt, um überhaupt einen Film zu drehen, würde allen mehr Freude spendieren- beim schreiben, produzieren und letztendlich beim anschauen.

Hallo Herr Stromiedel, Sie haben mir und vielen anderen Autoren aus der Seele geschrieben. Ich habe schon einige Male bei Produktionen gesessen, die Stoffe von mir realisieren wollten, aber die Redakteure waren zu ängstlich. Speziell ein Stoff (S. Rothemund wollte Regie führen und hat mir gestattet mit ihm Reklame zu laufen) fanden einige Produzenten hochbrisant. Allerdings rieten sie mir diesen Stoff eher als Roman zu schreiben, da die Verlage mutiger seien, als unsere Fernsehsender. Es ist unglaublich wie man mit den Autoren hierzulande umgeht. Eine Bekannte von mir (Berliner Tatort Autorin) hat bei einem ihrer Tatorte verlangt ihren Namen aus den Abspann zu nehmen, denn das blondesBetthäschen des Regisseurs hatte einige Dialoge im Script geändert und der Regisseur fand diese erfrischend ehrlich- was immer dies auch heißen mag. Ich hatte Minderwertigkeitskomplexe (durch häufige Ablehnungen) doch diese waren zum Teil unbegründet- auch wenn ich Quereinsteiger bin. Dies haben mir andere Autoren und Regisseure bestätigt. Platura

Ihre Analyse in Ehren, aber das Drehbuch ist der Film auf Papier. Es ist für den Regisseur, dessen Handschrift natürlich den Film stark prägt, fast unmöglich, aus einem schlechten Drehbuch einen guten Film zu machen. Ein gutes Drehbuch in einen schlechten Film zu verwandeln ist da um einiges schwieriger. Das größte Problem ist jedoch m.E. die Macht der deutschen Sender. Die Auswertungsrechte werden meist vollständig vom Produzenten an die Sendeanstalten abgetreten. Sie tragen das gesamte Risiko, der Gewinn der Produktionsfirmen ist ein fester Prozentsatz der Herstellungskosten. Natürlich muss sich so der Produzent den Wünschen der Redaktionen beugen. Am Ende löffelt also derjenige die Suppe aus, in die er sich im schlimmsten Fall selbst hinein gespuckt hat: der Sender. Doch es gibt auch sehr gute Redakteure, die selbst mit schlechten Autoren gute Bücher erarbeiten. Es gibt Sendungen, die gut und innovativ sind und trotz schlechter Quoten weitergehen. Es gibt auch in Deutschland gutes Fernsehen. Wenig. Aber es gibt ja auch mehr schlechte als gute Romane.

Die Kollegen haben es schon gesagt und ich kann es nur bestätigen: es ist genau so. Das deutsche Fernsehen verdirbt seine Autoren, weil es konsequent gute Ideen nicht erkennt, sie verwässert oder – und das ist am schlimmsten – gar nicht verlangt. Es gibt Dutzende Entscheider in Sendern und Produktionsfirmen, aber die wenigsten können ihre Verantwortung auch wirklich mit Kompetenz ausfüllen. Herr Stromiedel nennt einige Anekdoten, jeder Autor könnte mühelos unzählige weitere hinzufügen: Bis auf Wortebene detailliert durchdachte Texte, die am Set nur als Improvisationsvorlage benutzt werden. Preisverleihungen, zu denen große Teile der Firma sogar mit Begleitung erscheinen, zu denen aber keine Autoren eingeladen werden. Die Werkschau am Ende der Dreharbeiten, in deren Abspann sämtliche Mitwirkenden selbst des Filmtierverleihs aufgeführt werden, aber kein einziger Autor. Im deutschen Fernsehen hat sich eine Abwärtsspirale entwickelt, die kaum noch zu stoppen scheint. Es gibt Kollegen, die mit Ideen herumlaufen, die so gut sind, dass sie in den USA großartige Karrieren darauf begründen könnten. ...

... Hier dagegen sitzt man auf von Produzenten einberufenen Entwicklungs-Meetings, die einzig und allein auf Sätzen wie diesem basieren: „XY (Promi) hat mich angerufen, der hat eine riesen Idee - der will unbedingt was mit Tieren machen!“. Oder man trifft Kollegen, die eine charmante Liebeskomödie schreiben und plötzlich mit ansehen müssen, wie ernsthaft über Mario Barth als Hauptdarsteller nachgedacht wird. Wahrscheinlich stimmt es sogar, dass tolle Sendungen, die ein bisschen mit dem Gewohnten spielen, kein Publikum finden würden. Aber ist das ein Wunder? Wenn jahrelang hauptsächlich Mist gesendet wird, man die guten Sendungen mit der Lupe suchen muss und gleichzeitig Dinge wie DVDs und iTunes erfunden werden? Ein Großteil meiner Bekannten schaut „Lost“ – aber niemand davon auf Pro7. Das gleich gilt für die Comedy, die angeblich fast tot ist: Aber die Menschen, die früher Loriot geschaut haben, schauen doch jetzt nicht die „Dreisten 3“. Es muss gar nicht immer etwas gewagt werden – oft würde es schon reichen, wenn jeder sein Handwerk beherrscht. Wenn wenigstens das, was es gibt, gut gemacht wäre – wir wären schon einen großen Schritt weiter.

Was Markus Stromiedel für die Drehbuchautoren beschreibt, gilt fast uneingeschränkt für alle Autoren des Fernsehens. Das Quotenraster und die damit verbundene Einschränkung der Wahrnehmung bei Programmverwaltern und den unter ihrer Fuchtel vorm Monitor das Herz in den Hosen plattsitzenden Redakteuren tötet die Phantasie. Es fördert Verantwortungslosigkeit und Duckmäuserei, es erschafft einen zynischen, unaufrichtigen Betrieb. Aber diesem aus Geldgier und Kontrollwahn gespeisten Muster folgen ja auch die Krankenhäuser ...

Bleiben sie schwierig Mr.Stromiedel. Ihre Innenansichten sind vielen TV Schaffenden bekannt. Sie haben eine gute Analyse geschrieben. Vielleicht sollte man ein FairTrade Label für Filme einführen. Ich würde so wesentlich aufmerksamer einen Film betrachten. Heute hat man wirklich den Eindruck dass viele Köche ( momentan sehr beliebt) den Figuren irgendwas in den Mund legen.

Es sind immer wieder erschreckende Erlebnisse, die man hat. Regisseure, die einen anschreien, dass dies "ihr Film" ist und man zu schreiben habe, was sie wollen - selbst, wenn sie erst vor wenige Wochen für das Projekt "gewonnen" werden konnten und mittlerweile die 4te Drehbuchfassung vorliegt. Produzenten, die vor der Fördereinreichung das Buch in einer Nacht- und Nebelaktion ohne Absprache mit dem Autor das Werk umschreiben und dabei Figuren falsch benennen, Rechtschreibung ignorieren, aber den Namen des Autors unverändert, alleine und ohne Kommentar auf dem verstümmelten Werk lassen. Man erlebt es immer wieder und denkt, dass nun mal der Höhepunkt erreicht sein muss. Doch dann kommt der nächste Produzent und setzt noch einen drauf. Parallel dazu werden die Gagen geringer, das Risiko der Autoren wächst und man soll "work-made-for-hire"-Klauseln unterschreiben, die in diesem Land nicht anwendbar sind und die Urheberschaft schwächen sollen. Es sind Missstände, die nur in den Griff zu bekommen wären, wenn es nicht so viele Autoren gäbe, denen alles egal ist, solange das Geld stimmt. Dass sie jemand anspricht, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dafür meinen Dank und meinen Respekt.

Man beobachtet im deutschen TV-Markt die typischen Entwicklungen die immer dann auftreten, wenn Monopole ins Wanken geraten. Hier ist es das Monopol der "Unterhaltung", exakter gesagt jedoch des Zeit-stehlens durch Übertragung eines fest stehenden Programmrasters. Die enorme Ausweitung der Programme der letzten Jahre sowohl in zeitlicher und quantitativer Hinsicht hat den Wettbewerb im TV-Sektor erzwungen, nun steht durch das Internet (Stichwort Medienkonvergenz, Online-Filmleihe, IPTV, TV on demand, Micropayment usw.) hier eine gewaltige Umwälzung an, die den bekannten Fernsehmarkt wohl atomisieren wird, obwohl es "sende"kanäle immer geben wird, nur in deutlich reduziertem Ausmaß. Unterbewusst wird dies in den Redaktionen und Geschäftsführungen wahrgenommen, deshalb herrscht das Regiment der Angst. Angst Fehler zu machen, Angst Quote kurzfristig zu verlieren. Die gesamte Branche trampelt auf den gleichen breiten Pfaden, Nischen gibt es nur wenige. Wichtig wäre es, statt dem repressiven GEZ-Steuersystem ein pay-per-view/per-listen umzusetzen. Tut man dies nicht, läuft die deutsche Medienbranche als Ganzes Gefahr im eigenen Sumpf zu versacken. Wenn ein Monopol technisch fällt, darf man es nicht juristisch/etatistisch schützen!

lernt man in der wissenschaftlichen Ausbildung in der Uni. Daher der Appell, Vorsicht mit Quellen und Zitaten. Dieses Dilemma befällt nahezu alles, was uns von den Sendern, privat oder öffentlich-rechtlich, zugemutet wird. Einfallslos! Tagein, tagaus! Ein paar Dokumentationen, Infosendungen für Verbraucher, Rechtsberatung, Sportsendungen, raffiniertes Kabarett, ok. Ansonsten sollte der gute alte Sendeschluß mit dem Testbild ab 23:00 Uhr wieder eingeführt werden. Es gäbe mehr Kinder, ausgeschlafenere Mitarbeiter, mehr Eigeninitiative, weniger Manipulation und, ganz wichtig, weniger GEZ-Gebühren. Resultierend daraus ein höheres Haushaltseinkommen für den Binnenkonsum (z.B. für ein Candle-Light Dinner mit seiner Süßen). Allemal besser als Tatort, Sturm der Liebe, Lindenstrasse, etc. oder die omnipräsente Christine Neubauer oder Uschi Glas, etc. als Konzernchefin, als Säuferin, als Nutte, als Nonne, als Taxifahrerin, als Kommissarin, als Lehrerin, als Mordopfer, als Modellagentin, als Bäuerin, 2 Tage später als Krabbenpuhlerin, als Kreuzfahrerin, ... und danach bei Kerner, Beckmann, etc. als Plaudertasche. Unerträglich! Das ist zuviel Unterdurchschnittliches in zu kurzer Zeit. Reizüberflutung als Programm? Einfallslos!

Applaus für den hervorragenden Artikel. Nur zum Schluss hätten Sie es m. E. deutlicher auf den Punkt bringen können: Es gibt in den USA (neben der Massenware, die man auch findet) gute, originelle Fernsehserien, weil dort der Autor oder die Autorin als Produzent, genauer als "Showrunner", bestimmt und die Macht hat, seine/ihre Vision umzusetzen und weiterzuverfolgen. Beispiele: Alles von David E. Kelley (zuletzt Boston Legal), The Closer, Bones, Grey's Anatomy, Monk, Serien von J.J. Abrams... Die einzigen Fälle in Deutschland in der neueren Zeit, auf die das meines Wissens halbwegs zutrifft, liefen im Vorabendprogramm - und wurden dort wiederholt, weil sie erfolgreicher waren als vieles andere: "Berlin, Berlin" und "Türkisch für Anfänger". Übrigens auch bei der jüngeren Zielgruppe beliebt. Nur am Rande: die beiden Serien haben einen weiteren Pluspunkt: Humor. Wie amerikanische Serien, die ich mag, und anders als so manche deutsche Krimis, die furchtbar dröge daher kommen.

Recht hat er, der Herr Kollege, so lange in vielen Drehbuchhonoraren immer auch ein großer Posten Schmerzensgeld steckt und Respekt vor Autoren und ihrer Arbeit so selten ist wie anspruchsvolle Unterhaltung bei NeunLive, wird es gar nicht mehr lange dauern, bis auch der letzte Drehbuchautor seine Zukunft im guten alten Roman sucht. Ich kann nur bestätigen, es gibt ihn noch den Respekt vor unserer Arbeit. Und wenn dann mal keine Kameras dabei sind, ist es durchaus auszuhalten.

Ohne die Leistungen der Schriftsteller in irgend einer Weise in Frage zu stellen, ist es für mich nicht sehr verwunderlich, dass Drehbuchautoren anders behandelt werden als Buchautoren. Schliesslich liefern Drehuchautoren den Fernsehsendern eine Art "Rohmaterial" ab, dass noch durch einen Regisseur, Darsteller, Ton- und Bildtechniker, Kameramann etc. weiterverarbeitet werden muss und (im besten Fall) dadurch zusätzlich an Kreativität und Substanz gewinnt. Buchautoren hingegen liefern quasi ein Endprodukt ab und stehen somit zwangsweise weiter oben in der Wertschöpfungspyramide. Dies ist, zugegeben, eine etwas nüchterne wirtschaftliche Betrachtung aber einfach nur die Konsequenz angesichts des erwähnten Quotenzwangs. Auf alle Fälle kann man aufgrund dem vorgenannten Markus Stromiedel nur zustimmen, dass Kreativität und mutiges Filmwerk zunehmend zugunsten von Weichspül- und Quoten-TV ersetzt wird.

Bei allem Wohlwollen finde ich den Beitrag von M. Stromiedel doch etwas naiv. In Deutschland wird der größte Teil des Filmgeschäfts abgewickelt nach einem System, das I. Thalberg in Hollywood eingeführt und durchgesetzt hat. Sehr vereinfacht besagt dieses Thalberg-System: Der Produzent eines Films ist der "Macher" - alle anderen Beteiligten sind nichts weiter als Dienstleister für sein Projekt, sprich: seine Erfüllungsgehilfen. Entsprechend wird der Produzent mit diesen nützlichen Idioten umspringen: weitgehend willkürlich. In den USA wird dieses System konsequent praktiziert, in Deutschland gibt es da ein paar wenige öffentlich-rechtliche Milderungen. Man mag nun sehr bedauern, daß in Deutschland das Thalberg-System angewendet wird - aber dieses System besteht seit Jahrzehnten (auch die sogen. Autorenfilmer waren Despoten!). Wer also im Filmgeschäft sein Brot verdienen will (ob nun als Autor oder als Filmkomponist), der sollte wissen, worauf er sich einläßt. Er sollte seine Arbeitsbedingungen rechtzeitig (!) analysieren und sich dann entscheiden: Ist er willens und fähig, unter derart schlechten Bedingungen künstlerisch tätig zu sein - oder sucht er sich eine bessere Arbeit und schreibt am Wochenende in sein Poesiealbum.

Die Sicht eines 24 jährigen Studenten: Das TV-Programm in Deutschland bewog mich schon vor Jahren dazu, mich davon zu distanzieren. Es war schon damals langweilig. Erfolgreiche Ideen aus dem englischsprachigen Raum wurden in Deutschland zu Tode kopiert und massenweise gesendet. Die Erklärung eines Insiders wie Herr Stromiedel habe ich mit großen Interesse gelesen, da es meine Meinung bestätigt und mir endlich die wahren Gründe dafür liefert. In Zeiten des Internets ist ein Verhalten der Verantwortlichen wie im Bericht beschrieben hinderlich für das deutsche Fernsehen. Es erinnert mich an den Versuch der Musik-Industrie sich an ihren Cash-Cows verzweifelt festzuhalten, obwohl sie durch das Internet zu einer alternativen Lösung gezwungen wurden. Die mangelnde Einsicht der Großen nutzten andere Kleine wiederum, um sich ein inzwischen nicht mehr kleines Stück vom Kuchen abzuschneiden. Von daher gefällt mir die Idee eines vorhergehenden Kommentars, einen anderen Weg einzuschlagen. Danke für den guten Insiderbericht.

...dass Sie ein guter Schreiber sind, sieht man schon an diesem Artikel: er ist strukturiert, Mut machend, realistisch und menschlich. Vielleicht sollten sie ihn in ein Buch über Drehbücher ausweiten. Oder eine Website für die "Guten" gründen, die nacheinander suchen. Vielen Dank hierfür!

Es gibt keine wirklich gute Literatur mehr (Christian Kracht ist die Ausnahme). Und das Gewimmer dieser Leute, die meinen, was geschrieben zu haben, was interessant wäre, ist nervig. Wer schaut noch Fernsehen, wer schon gar diesen mit GEZ Gebühren subventionierten Müll von ARD und ZDF. Gott sei es gedankt, gibt es mittlerweile alles was wichtig ist auf DVD. Niemand braucht mehr Fernsehen. Grüße :heiko.

Vielleicht ginge es mit einem alternativen Sender besser wie etwa arte? Oder selbst einen gründen? Space auf den Satelliten kann man ja kaufen, und wenn das Geld fehlt, gibt es da nicht Fördermittel von der EU oder aus deutschen Kulturfonds?Aller Anfang ist schwer, aber so ein Alternativsender mit richtig guten Filmen spräche sich bestimmt schnell herum. __Mir war das beim "Blade Runner", einem Film mit Harrison Ford aus den 1980er Jahren, auch aufgefallen. Ich hatte eine bestimmte Version gesehen und fand diese nicht grad schlecht, aber erst als ich den "Director's Final Cut" gesehen hatte, hatte ich den Film "verstanden". Seither ist er einer meiner absoluten Lieblingsfilme! Im Making-of der DVD wurde dann auch der Unterschied erklärt zwischen dem Final Cut und der Kommerzversion, die zuvor in den Kinos gezeigt und nach dem angeblichen Geschmack der amerik. Zuschauer grausam zurechtfrisiert worden war! Den Final Cut gibt's nur auf DVD, er wurde nie ausgestrahlt. __Vielleicht lässt sich auch eine Firma gründen, die anspruchsvolle Filme dreht und gar nicht sendet, sondern nur auf DVD herausbingt!? Ich hab' meinen Fernseher abgeschafft (wegen GEZ), schaue mir aber sehr gerne ausgezeichnete Filme auf dem PC an u. wäre daher Kunde.