01. Oktober 2008 Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, da will die GEZ Gebühr erhalten. Bei Friedrich Schiller zum Beispiel, dem wir nicht nur Das Lied von der Glocke“ verdanken, aus dem allein etwa zwei Dutzend geflügelte Worte hervorgegangen sind, sondern auch Die Räuber“ und den Wilhelm Tell“, der an der hohlen Gasse wacht, um den Vogt Gessler abzupassen, weiß er doch: Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht – Hier Vollend ich’s – Die Gelegenheit ist günstig.“
Der Gebühreneinzugszentrale erschien es nun günstig, dem am 9. Mai 1805 in Weimar gestorbenen Dichter einen Gebührenbescheid zu schicken. Eingegangen ist die an Herrn Friedrich Schiller“ adressierte Forderung bei der Friedrich-Schiller-Grundschule in Weigsdorf-Köblitz, und zwar gleich mehrfach. Herr Schiller möge bitte Angaben zu seinem Fernseh- und Radiokonsum machen – von dem wir, schauen wir auf das aktuelle Programm, wohl annehmen dürfen, dass er sich auf Arte, 3sat und den Theaterkanal beschränkte. Da die GEZ bei ihren Bescheiden aber gerne zurückrechnet, fielen in Schillers Fall wohl Gebühren für mehr als 200 Jahre an, was sich bei rund zweihundert Euro pro anno auf mehr als 40.000 Euro addiert, auch wäre die Provision für den Gebühreneintreiber beträchtlich.
Wann zahlt Goethe?
Angesichts eines Minus von 54 Millionen Euro, das allein der Rundfunk Berlin-Brandenburg in den nächsten Jahren erwartet, wäre aber selbst das nur ein Tröpfchen auf den heißen Stein. Gleichwohl darf einen die intensive Suche nach Gebührenzahlern auch nicht wundern, gibt es doch gerade im Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks Gebührenbefreiungen für Hartz-IV-Empfänger noch und nöcher. Bei der Riesenmenge von Daten, sagte eine Sprecherin der GEZ, könne so etwas immer passieren. Die GEZ gleicht ihre Daten bekanntlich nicht nur mit den Einwohnermeldeämtern ab, sie kauft bei professionellen Händlern Adressen auch in großem Stil auf. Und schließlich sei Schiller kein so ungewöhnlicher Name, heißt es bei der GEZ, dass der Fauxpas sogleich habe auffallen müssen. Der Leiter der Friedrich-Schiller-Schule hatte auf den Missgriff freilich hingewiesen. Den Goethe-Gymnasien dieses Landes steht wohl auch bald Post von der GEZ ins Haus.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP