Pro Sieben Sat.1

Versunken im Schuldengrab

Von Michael Hanfeld

Bei Pro Sieben Sat. 1 soll auch das Programm billiger werden

Bei Pro Sieben Sat. 1 soll auch das Programm billiger werden

16. Juli 2007 Ist es sinnvoll, bei einem Fernsehsender, der sich Vollprogramm nennt, die Informationssendungen, insbesondere die Nachrichten, zu streichen? Erscheint es plausibel, bei einem Unternehmen, dessen Personalkosten bei zehn Prozent sind, ein Viertel der Belegschaft zu kündigen?

Auch wenn das Einsparungen bringt, die vielleicht bei gerade mal acht Millionen Euro liegen, die wiederum von Abfindungen gefressen werden, die man zahlen muss und es Sendungen trifft, die zunehmenden Erfolg haben und das Image des Senders ausmachen?

Nachrichtenprogramme fallen zum Opfer

Ja, all das hat seine Logik - eine Heuschreckenlogik, bei Pro Sieben Sat.1 wird sie in dieser Woche exekutiert: Zwei- bis dreihundert Jobs sollen bei den Sendern wegfallen, besonders betroffen ist Sat.1. Dort sollen 60 bis 70 von rund 250 Mitarbeitern gehen, das Nachrichtenprogramm am Abend und gegen Mitternacht soll ebenso wegfallen wie die Sendung „Sat.1 am Mittag“ - deren 35 Mitarbeiter man leicht loswird, da die Verträge im Herbst auslaufen.

Das trifft also auch die „Sat.1 News“ am Abend um 18:30 Uhr mit Thomas Kausch. Dem Moderator soll man schon signalisiert haben, dass man seine Dienste nicht mehr benötige. Andere Mitarbeiter haben von ihrer bevorstehenden Kündigung indirekt erfahren - als potentielle Nachmieter der Räume, in denen die Redakteure im Augenblick arbeiten, durchs Haus geführt wurden. Erst am heutigen Montag werden die Betriebsräte ins Bild gesetzt, Insider rätseln, ob die Kündigungen zur Hauptversammlung von Pro Sieben Sat.1 am Dienstag publik werden sollten oder erst später. Intern ist vom 20. Juli als Verkündigungsdatum die Rede - ausgerechnet. Noch vor wenigen Tagen, als Sat.1 in Hamburg sein neues Programm vorstellte, hieß es, von Entlassungen sei keine Rede.

Fusion auf Pump

Erklären läßt sich die Amputation nur mit Blick auf den Schuldendienst, den die neuen Eigentümer von Pro Sieben Sat.1, die Finanzinvestoren Permira und KKR, den Sendern aufgeladen haben.

Die Fusion mit der skandinavischen Sendergruppe SBS hat Pro Sieben Sat.1 nämlich 3,3 Milliarden Euro gekostet - alles finanziert mit neuen Krediten und zu zahlen an die neuen Eigentümer, denen SBS zuvor gehörte. (Siehe auch: ProSiebenSat.1 übernimmt die europäische Senderkette SBS)

Insgesamt drückt die - ansonsten hoch profitablen Sender - eine Schuldenlast von mehr als vier Milliarden Euro. Um bei den Ratingagenturen, welche die Kreditwürdigkeit von Unternehmen bewerten, einigermaßen gut dazustehen, muss Pro Sieben Sat.1 mit aller Macht unter Beweis stellen, dass gespart wird, koste es an Renommee, Erfolg im Programm und am Ende auch bei den Werbekunden, was es wolle.

Auf die massiven Personaleinsparungen sind, wie üblich, die Unternehmensberater von McKinsey gekommen. Die Rendite, die bei Pro Sieben Sat. bislang bei rund 22 Prozent liegt, soll auf dreißig Prozent steigen. Dass ein Vollprogramm wie Sat.1 dabei ausblutet, scheint die Vorstände nicht zu stören, wie sollte es auch, gibt es im Vorstand der Gruppe doch nur noch Finanz- und Marketingfachleute. Bei Pro Sieben Sat.1 hieß es auf Anfrage zu der bevorstehenden Entlassungswelle: „Kein Kommentar.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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