Wo ist denn das Problem? Wikipedia wird durch ein professionelles Lektorat besser, die Seriösität und Bekanntheit steigt weiter und am Ende erhält der Verein, der uns fördert noch eine kleine Spende. Mein Gott: Das kann ja nur böse sein!!! Also wirklich, dass ein Verlag die Artikel der Wikipedia publizieren will, ist doch gerade durch unsere Lizenz abgedeckt. Diese sieht die Möglichkeit zur kommerziellen Nutzung doch ausdrücklich vor und wenn die Nutzung irgendwie lizenzgerecht abläuft, dann sage ich prima.
Wer deshalb aussteigen will, um den ist es wohl nicht schade. Denn er hat die Wikipedia von Anfang an nicht komplett verstanden. Denn nirgendwo steht, dass wir antikapitalistisch und nicht kommerziell nutzbar sind. Dieses falsche Verständnis lässt mich als Autoren von lesenswerten und exzellenten Artikeln nur müde lächeln. Und diese negative Berichterstattung: Fürchtet da etwa jemand, dass die Wikipedia ihre gute Webposition auch in die gedruckte Welt ausbaut?
Die neuen Pläne bedeuten eine radikale Abkehr vom Prinzip der "Wikipedia". Die Artikel entstehen dank der Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher, die ihr Wissen und ihre Expertise in ihren Bereichen einbringen und dafür sorgen, daß "Wikipedia" breit und oft recht tiefgehend informiert. Um dies zu unterstützen, habe ich mehr als zwei Jahre lang selbst an einigen Artikeln mitgewirkt und auch einige Artikel selbst begründet.
Wenn jetzt aber "Wikipedia" für kommerzielle Zwecke genutzt wird, so kann ich dies nicht mittragen. Dies spricht der ehrenamtlichen Leistung Hohn. Ich bin selbst publizistisch tätig und bekomme selbstverständlich ein Honorar für meine Bücher. Nun aber ehrenamtlich indirekt eine kommerzielle Publikation zu fördern, die das geistige Eigentum anderer nutzt, das sie unentgeltlich für eine unentgeltliche Nutzung zur Verfügung gestellt haben, kann ich nicht mittragen.
Ich habe deshalb am 23.04.2008 meine Mitarbeit an "Wikipedia" eingestellt.
Was Bertelsmann druckt, kann schwerlich neutral sein, oder für Qualität bürgen. Schon gar nicht, wenn man ihnen auch noch die „Überarbeitung“ überlässt.
Aufschlussreich, dass Wikipedia die Rufschädigung ignoriert, die durch die Verbindung mit dem Namen Bertelsmann verbunden ist. Erhofft man sich mit diesem „Druckgeschäft“ ein letztes schnelles deal, bevor Wikipedia abgewickelt wird?
Auf die Eitelkeit von Beiträgern und einen Kaufanreiz für eben diese zu setzen, bestätigt nur die These, dass hier etwas seinen Niedergang erlebt. Wie armselig typisch für diese Zeiten.
Die GNU GPL erlaubt(!) ausdrücklich die kommerzielle Nutzung von Software, für die die selbige Lizenz gilt! Die GNU FDL, unter der Texte bei WP erscheinen, ist das Pendant zur GPL und schreibt damit ganz ähnliche Bedingungen vor und räumt auch ganz ähnliche Freiheiten ein.
Ja, da habe ich mich unklar ausgedrückt. Betreiber der WP ist natürlich die Wikimedia Foundation Inc. und eingefädelt hat es Wikimedia e.V. Danke für die Korrektur.
„Und dass ein Verein, was die WP in Deutschland ja ist, sich eines kommerziellen Unternehmens bedient, um seine Ziele zu erreichen ist auch nichts ungewöhnliches.“
Falsch. Wikipedia ist kein Verein! Es gibt den Wikimedia Deutschland e. V. und der widmet sich der Förderung freien Wissens, ist aber nicht Betreiber der Enzyklopädie. Und nicht jeder, der in Wikipedia beiträgt, ist automatisch Mitglied dieses Vereins.
Um auf den Artikel von Jörg Thomann noch kurz einzugehen: „Auch gegen die Zusammenarbeit mit einem Konzern scheinen die Wikipedianer keine ideologischen Vorbehalte zu hegen“ … naja, das sehen viele „der Wikipedianer“ aber ganz anders! Letztendlich haben auch nicht „die Wikipedianer“ die Kooperation mit Bertelsmann gestrickt, sondern der Wikimedia e. V.: Hier muß man wirklich differenzieren. Unkritisch steht man der ganzen Sache in der Wikipedia ganz und gar nicht gegenüber.
„Was wohl die Wikipedia-Beiträger darüber denken, dass man sie ungefragt zu kostenlos beschäftigten Bertelsmann-Mitarbeitern macht?“ – Alles von „großartig“ bis „Glückwunsch, ihr habt mich als Autor vertreiben“.
Ich bin froh, daß die Wikipedia die Inhalte nicht für kommerzielle Zwecke sperrt. So kann sie jedermann nach Belieben nutzen (übrigens ein Grund, weshalb ich die populäre General Public License von GNU ablehne). Es geht darum, wie Jörg Thomann ja schon selbst schrieb, das Wissen der Allgemeinheit zugänglich zu machen und nicht um Beschränkungen. So kann z.B. auch die FAZ die Einträge nutzen, indem sie sie veröffentlicht - genau so, wie sie jeder andere Mensch, inklusive der Wikipedia-Autoren, nach Belieben nutzen darf. Der Konsument entscheidet dann selbst, ob ihm das Produkt - in diesem Fall eine gedruckte Kurzfassung - das Geld wert ist. Wem es das nicht wert ist, der kauft eben nicht. Wer das als Wikipedia-Autor nicht möchte, weil er sein Wissen insgeheim doch an ausgewählte Kreise weitergeben will, der soll eben keine Wikipedia-Artikel veröffentlichen.
Es gibt auch andere Lexika, die nur einen Band umfassen, einen gewissen Markt dafür scheint es also zu geben. Gedruckte Ausgaben der WP waren eh schon immer geplant, daher kommt das jetzt natürlich nicht überraschend. Und dass ein Verein, was die WP in Deutschland ja ist, sich eines kommerziellen Unternehmens bedient, um seine Ziele zu erreichen ist auch nichts ungewöhnliches. Nur dadurch, dass vor dem Druck noch einmal Korrektur gelesen wird, wird das Prinzip der WP auch nicht verletzt. WP steht für freies Wissen im Sinne der GNU-Lizenz für freie Dokumentation und in diesem Sinne kann auch jede art gedruckter Veröffentlichung sein.
@Jürgen Vogel:
Falsch! Das Wissen der WP steht unter der GNU und ist damit niemandes geistiges "Eigentum". Man hat als Author eingewilligt, dass man jegliche direkte Kontrolle über seine Arbeit verliert. Man hat nur das Recht auf Namensnennung(im Druck die 5 Hauptautoren).
@Thomas Schmitt:
Dass Baader ein "Aktivist" war, steht weder im Artikel zu seiner Person, noch im RAF-Artikel. Damit sollte Ihr Magenleiden dann vorüber sein. Neben dem "linke[n] Gutmenschen", trifft man unter den Autoren aber genauso die rechten Unmenschen, wie auch die vielen Autoren, die sich um Neutralität bemühen.
Zunächst schreiben Sie:
"(...) ein Lexikon hat streng ideologiefrei zu sein"
Bravo! Dem kann ich mich nur anschließen. Aber dann:
"gerade linke Gutmenschen sind es, die gewisse Artikel und Themen in ihrem Sinne "sauber" halten. "
Da stellt sich mir die Frage: Wie steht es um Ihre eigene Ideologiefreiheit, wenn Sie selbst ein solches ideologisch gefärbtes Vokabular benutzen?
Ich halte das für eine Schnapsidee, und zwar aus zwei Gründen: erstens ist das Buch bereits zu dem Zeitpunkt, an dem die veröffentlichten Artikel zusammengestellt werden, veraltet. Die Wikipedia ändert sich im Minutentakt. Zweitens: ein Lexikon hat streng ideologiefrei zu sein. Das trifft auf die Wikipedia nicht zu - gerade linke Gutmenschen sind es, die gewisse Artikel und Themen in ihrem Sinne "sauber" halten. Solange ich jedenfalls lesen muss, Andreas Baader sei ein "Aktivist" gewesen, wird mir schlecht...
Das Wissen in Wikipedia ist weder geistiges Eigentum von Wikipedia, noch von Bertelsmann.
<br>Es ist geistiges Eigentum jener vielen freiwilligen Enthusiasten, die in mühevoller Kleinarbeit dieses Wissen zusammengetragen haben
<br>Wie kommt eigentlich Bertelsmann dazu, das Wissens anderer Menschen in Besitz zu nehmen und das Autorenrecht zu missachten, um damit Geld zu verdienen?
<br>
<br>pascht
Totgesagte leben länger. Bis dato war das Internet so eine Art Zweitverwertung von Printartikeln. Warum eigentlich? Anhand der Nutzung im Internet und der Reaktionen darauf ließe sich der Spiess doch auch umdrehen. Was die Menschen wirklich interessiert geht in einer Langversion in den Druck und hat damit eigentlich auch schon seine Leser gefunden.