Bambi-Verleihung

Manchmal kommt Schönheit sogar aus München

Von Stefan Niggemeier

01. Dezember 2006 Als es längst nach zehn Uhr war und Laudatoren und Preisträger keine Anstalten machten, sich in Anbetracht des draußen wartenden Abendessens kurz zu fassen, häuften sich unter den prominenten Zuschauern im Saal die Anzeichen von Renitenz. An den Ereignissen auf der Bühne schienen viele von ihnen nur noch widerwillig oder mühevoll Anteil zu nehmen, und nicht alle hatten dafür eine so gute Ausrede wie Heike Makatsch, die zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt war, mit ihrem Kollegen Felix Eitner aus den zahlreichen Bambis für den Film „Margarete Steiff“ kleine Rudel zu formen und sie mit ihren Mobiltelefonen zu fotografieren. Ein Medley des Popsängers Sasha wurde vom Publikum mit ungefähr dreisekündigem Applaus bedacht, wovon es zwei Sekunden lang so schien, als klatsche allein Moderator Harald Schmidt demonstrativ und allein in sein Mikrofon.

So gesehen kann man es Jan Josef Liefers, mit seiner Frau Anna Loos der letzte Laudator des Abends, nicht verübeln, daß er mit Gewalt versuchte, die Zuschauer noch einmal aufzuwecken und wenigstens Nadja Tiller und Walter Giller so etwas wie Euphorie entgegenbranden zu lassen. Das führte leider dazu, daß die beiden fast Achtzigjährigen, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden, viel zu früh auf die Bühne kamen und dort sehr lange sehr verloren herumstanden. Es war trotzdem einer der wenigen großen Momente dieses Abends, als Giller sich würdevoll vor allem beim Veranstalter, dem Hause Burda, bedankte und Peter Scholl-Latour zitierte, der gesagt hat: Ein Preis fürs Lebenswerk sei so etwas wie die Letzte Ölung. „Wenn dem so sein sollte“, fügte Giller hinzu, „ist es auch gut.“

Dank an die Geschäftspartner

Mehr oder weniger routiniert hatten sich vorher ein gutes Dutzend Preisträger ihre Rehe abgeholt, darunter der Modeschöpfer Roberto Cavalli, die Regisseure Sönke Wortmann und Tom Tykwer, die Schauspieler Mario Adorf und Samuel L. Jackson. Königin Silvia von Schweden bekam den Ehrenbambi für ihren Einsatz für Kinder in aller Welt.

Manchen hätte man den Preis hinterher gleich wieder wegnehmen wollen, wie der Band Juli, die sich roboterhaft bei Freunden, Familie und (namentlich) sämtlichen Geschäftspartnern bedankten, oder dem Schauspieler Sebastian Koch, der die Gelegenheit auf der Bühne nutzte, ausführliche Anekdoten aus seiner Kindheit zu erzählen.

Altmodische Momente der Rührung

Den frühen Höhepunkt des Abends bildeten drei Ausgezeichnete, die nicht erst sagen mußten, daß dies der größte Tag in ihrem Leben war: Stefanie Dörrer, Igor Wetzel und Kevin Barth bekamen Bambis für ihr freiwilliges Engagement in verschiedenen Projekten am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft. Und als Stefanie Dörrer sich um Fassung ringend in mehreren Sprachen bedankte oder der sehr gefaßte 13jährige Kevin Barth („Ich habe gehört, es sitzen jetzt 800 Leute hier vor mir - manchmal bin ich ganz froh, daß ich blind bin“) von Torhüter Oliver Kahn schwärmte, da waren genau diese altmodischen Momente der Rührung, für die man sich so eine stundenlange Preisverleihung vermutlich überhaupt ansieht.

Kahn selbst bekam gemeinsam mit Jens Lehmann einen Bambi für seinen Sportsgeist, und weil Lehmann in London unabkömmlich war, nahm an seiner Stelle seine Frau den Preis entgegen, die sich mit einem fröhlichen „Ich bin Frau Lehmann“ vorstellte. Und Karl Lagerfeld las seine Laudatio auf Anna Netrebko offenbar nicht vom Teleprompter oder irgendwelchen Karten ab, was anfangs faszinierend war und mit fortschreitender Zeit und sich verheddernden Erzählsträngen beunruhigend.

Schmidt erstaunlich tapsig

Ort der 58. Bambi-Verleihung war das neue Mercedes-Benz-Museum, was Harald Schmidt zu der Bemerkung brachte: „Ich bin dort angekommen, wo ich künstlerisch immer hingehört habe: in einem Autohaus.“ Erstaunlich tapsig führte er mit dem Model Eva Padberg durch den Abend, machte Witze über Stuttgart und sagte die Schauspielerin Bettina Zimmermann mit den Satz an: „Schönheit kommt von innen. Manchmal kommt sie auch aus München.“

Den bizarrsten Bambi des Abends übergab Schmidt an die Witwe von Gregory Peck. Dessen Bambi aus dem Jahr 1953 (damals war die Statue noch aus Porzellan) war bei einem Erdbeben zerstört wurden, weshalb sie per Brief angefragt hatte, ob sie nicht einen neuen kriegen könnte. Das ließ sich einrichten. Sie wurde nach Stuttgart eingeladen. Nun hat sie einen Ersatzbambi. Aus Gold.

Die Preisträger:

Ehrenbambi: Königin Silvia von Schweden
Lebenswerk: Schauspieler Nadja Tiller und Walter Giller
Kultur: Schauspieler Mario Adorf
Kunst: Maler Jörg Immendorff
Shooting-Star: Band Scissor Sisters
Mode: Roberto Cavalli
Klassik: Anna Netrebko
Musik national: Band Juli
Sport: Jens Lehmann und Oliver Kahn
Engagement: Igor Wetzel, Kevin Barth und Stefanie Dörrer - für ihre Hilfe während der Fußball-WM
Dokumentation: Sönke Wortmann für „Deutschland. Ein Sommermärchen“
Film international: Samuel L. Jackson
Film national: Produzent Bernd Eichinger, Regisseur Tom Tykwer und Schauspieler Ben Whishaw für „Das Parfum“
Schauspieler national weiblich: Heike Makatsch
Schauspieler national männlich: Sebastian Koch
Publikumspreis für das Fernsehereignis des Jahres: „Margarete Steiff“

Einen „Ersatzbambi“ für einen zerstörten Bambi erhielt die Witwe von Gregory Peck, Veronique. Das Rehkitz, das Peck 1953 erhalten hatte, war aus Porzellan und bei einem Erdbeben in Kalifornien zerstört worden.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

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