
Da haben die zwei Chefredakteure aber mächtig dick aufgetragen. Machte doch ihr Vorgänger den "Spiegel" längst vom einstigen "Sturmgeschütz der Demokratie" zur willfährigen Konfettimaschine des Neoliberalismus. Auch scheint man dort heute Aufklärung mit journalistisch höchst fragwürdigen Kampagnen, wie der des "Spiegel" jetzt gegen Andrea Ypsilanti (SPD), zu verwechseln. Selbst Basics, wie saubere Recherchen, scheinen dabei einerlei. So liest man im "Spiegel" Nr. 46 im Bericht "Innere Brutalisierung", Parteirebellin Dr. Carmen Everts sei auf einem SPD-Unterbezirksparteitag kurz vor ihrem Bekenntnis "von zwei Genossen attackiert" worden, die ihr vorgeworfen hätten: "Man habe Fotos, auf denen sie in einer Reihe mit Metzger und Walter zu sehen sei. Lachend. Das wolle man nicht noch einmal sehen." Ich war als Parteifremder vor Ort. Und es war nicht so. Vielmehr merkte bei einer Debatte um Everts Loyalität einer im Plenum an, er habe jenes Foto im Internet gesehen und sagte richtig: "Das wollen wir nicht noch einmal sehen." Das Foto ist aber nicht etwa in Besitz von SPD-Leuten, sondern ist wohl eines, das die dpa schon im April im Hessischen Landtag schoss. Die zwei haben also doch weitaus mehr zu tun, als sie der FAZ jetzt sagten.

Das nun der Spiegel von sich behauptet, Aufklärung zu betreiben, ist dreist, schon fast eine Frechheit. Das Blatt ist über weite Teile von rationaler, sachlicher Argumentation meilenweit entfernt. Der ein oder andere Artikel ist voll mit ideologischen Floskeln. Der ein oder andere Redakteur (z.B. Soukup) darf ganz offen als Aufklärungsverweigerer bezeichnet werden. Das Blatt ist inzwischen nicht mehr als lauter Mainstream.