Von Sabine Pamperrien
05. Oktober 2008 In der Debatte um das chinesische Programm der Deutschen Welle meldet sich der für den Friedensnobelpreis nominierte Wei Jingsheng zu Wort. In einem offenen Brief an den Bundestag fordert der in Amerika lebende Exilchinese die Abgeordneten auf, dafür zu sorgen, dass das chinesische Programm der Deutschen Welle Demokratie und Menschenrechte propagiere und nicht als Vervielfältiger der Propaganda der chinesischen Führung wirke. Der Auslandssender ist in die Kritik geraten, nachdem die stellvertretende Redaktionsleiterin des China-Programms, Zhang Danhong, öffentlich die chinesische KP gelobt hatte. Sie war daraufhin suspendiert worden, arbeitet aber weiter im Sender. Chinesische Medien nutzten den Fall für eine antiwestliche Kampagne.
Weis Brief ist der dritte dieser Art. Zuvor wandten sich in Deutschland lebende chinesische Dissidenten und der Autorenkreis der Bundesrepublik mit offenen Briefen an den Bundestag. Sie fordern eine unabhängige Überprüfung der Mitarbeiter und der Programme der Deutschen Welle. Der Deutsche Journalisten-Verband hat dies abgelehnt und die Vorwürfe als pauschal“ bezeichnet, die Forderung nach mehr Kontrolle sei überzogen.
Intendant kündigt Prüfung an
Der Intendant der Deutschen Welle, Erik Bettermann, wies die Forderung des Autorenkreises in einem Interview ebenfalls zurück, bestätigte aber, dass mögliche Einflüsse ausländischer Interessen ein permanentes Problem eines internationalen Senders“ darstellten. Er kündigte an, die Sendungen des letzten Jahres prüfen zu lassen. Er selbst habe dafür gesorgt, dass an der Spitze der Fremdsprachenredaktionen Deutsche oder Angehörige des europäischen Kulturkreises“ stehen, die die Normen und Werte des Programms und des Auftrags der Deutschen Welle kennen. Deshalb könne er mit Sicherheit ausschließen, dass Äußerungen wie die von Zhang Danhong über den Sender nach China gelaufen seien.
Die Bundestagsabgeordnete der Grünen Uschi Eid hat beantragt, dass sich der Kultur- und Medienausschuss des Parlaments auf seiner nächsten Sitzung grundsätzlich mit der Deutschen Welle befasst. Dann soll es auch um das arabische DW-Programm Quantara“ gehen, das ebenfalls durch Einseitigkeit aufgefallen sein soll.
Text: F.A.Z.
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