
Der Intendant des SWR verführt zu einem interessanten Gedanken:
Wenn gebührenfinanzierte Radio-/Fernsehinhalte über ihre ursprüngliche Verwendung hinaus auch im Internet erhältlich sein sollen und dies mit einem Anspruch des Gebührenzahlers auf Leistung begründet wird, dann ist unter der "Vernetzung" nicht die Kooperation mit Onlinezeitungsangeboten anzunehmen sondern vielmehr die unentgeltliche Bereitstellung besagter Inhalte für diejenigen, die deren Entstehung finanziert haben: Die Gebührenzahler.
Somit wären die Onlinedienste von ARD und ZDF für Gebührenzahler aus Deutschland "public domain" - mit allen daran hängenden Verwertungsmöglichkeiten.
Ich bin mir sicher, beim WDR stoßen die Vorstellungen des Intendantenkollegen auf große Zustimmung.

Um eine unabhängige + vielfältige Information als Grundlage des demokratischen Gemeinwesens sicherzustellen, besteht eigentlich Interesse an der von wirtschaftlichen Abhängkeiten freien Berichterstattung des Rundfunks wie an dem Internetangebot der Zeitungen. Anderseits darf die Internet-Ergänzung des Rundfunks das Geschäftsmodell der Internet-ergänzten Zeitung nicht gefährden. Würde der staatlich finanzierte Rundfunk hier die Presse zurückdrängen, wäre das Subsidiaritätsprinzip auf den Kopf gestellt. Anderseits kann die Unabhängigkeit des Informations-Rundfunks von der Wirtschaft auch dazu dienen, die Freiheit der Presse-Berichterstattung zu unterstützen. Deshalb bedarf es des Dialogs und der Einigung der Beteiligten darüber, ob und welche Aktivität des Rundfunks neben den Verlagsaktivitäten möglich ist. Das Angebot der ARD sollte in diesen Dialog münden; die Politik sollte etwaige Ergebnisse des Dialogs (nicht Monologs) aufnehmen.

Der Verweis darauf, dass sich die Rundfunkanstalten den veränderten Gewohnheiten des Medienkonsums anzupassen hätten und deshalb ins Internet gingen ist per se nicht falsch. Nur, warum müssen hierfür die Gebühren der Gebührenzahler herangezogen werden. Wir finanzieren doch auch nicht über jeden der lesen kann, öffentlich-rechtliche Zeitungsangebote per Zwangsabgabe.
Rundfunk setzt eine technologische Infrastruktur voraus, deren Kosten jemand tragen muß. Im Internet werden diese Kosten primär durch Private und Unternehmen erbracht. Die ARDs sind nur Trittbrettfahrer, die nicht zahlen, sondern sich fürs Mitfahren auch noch bezahlen lassen.

Was soll das? Es wird Zeit, dass beim Fernsehen die Zwangsgebühren abgeschafft werden. Eine öffentlich-rechtliche Zeitungslandschaft haben wir auch nicht und trotzdem gibt es Zeitungen jeglicher Qualität und Richtung.
Von mir aus kann es ein öffentlich finanziertes Schulfernsehen geben so wie es auch staatliche Schulen gibt. Aber darüber hinaus hat der Staat sich aus den Medien herauszuhalten.
Und man komme mir nicht mit dem Spruch, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei nicht staatlich sondern unabhängig. Nein, es ist noch viel schlimmer. Bei Bund, Ländern und Kommunen kann ich meine Vertreter wählen. Habe ich aber eine direkte Möglichkeit, die Besetzung der Rundfunk- und Fernsehräte zu beeinflussen?

Boudgoust hat Recht: selbstverständlich müssen ARD und ZDF ihre Programme in geeigneter Weise im Internet widerspiegeln. Zu erwarten, dass sie sich dort enthielten, wäre realitätsfremd. Dass sie dies mit Gebührengeldern und werbungsfrei tun, ist ebenso selbstverständlich wie erfreulich. Und die Inhalte der öffentlich-rechtlichen sind es größtenteils auch. Was dort geboten wird, ist nichts anderes als eine ökonomische Zweitverwertung der mit Rundfunkgebühren gewonnenen Informationen und Beiträge. Ein Gewinn für das www. Und ein Service für uns Gebührenzahler.