Von Nina Rehfeld, Phoenix
23. Januar 2007 Vor ein paar Tagen ist eine Hexenjagd gegen die Nachrichtenagentur AP zu Ende gegangen, zu der konservative Blogger in den Vereinigten Staaten geblasen hatten. Ausgangspunkt der Hysterie war ein AP-Bericht, dem zufolge im November sechs sunnitische Iraker unter den Augen irakischer Soldaten von Schiiten vor einer Moschee mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt wurden. AP hatte als Quelle einen Bagdader Polizeihauptmann namens Jamil Hussein genannt, doch stritten das amerikanische Militär und das irakische Innenministerium lange ab, dass es einen Polizisten diesen Namens gebe. Auch niemand sonst hatte den Bericht bestätigen können, die Geschichte aber ging um die Welt.
In den Foren des Internets kamen schnell Zweifel an der Authentizität der AP-Geschichte und an der Verlässlichkeit von Quellen im Irak allgemein auf. Doch was eine Debatte über die Fußangeln der Berichterstattung aus Kriegsgebieten hätte werden müssen, geriet zum Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem sich besonders die politischen Internetkommentatoren drehen. Angeführt von der prominenten konservativen Bloggerin Michelle Malkin, wurde die AP-Geschichte als Beweis dafür angeführt, dass die liberalen Mainstream-Medien die Lage im Irak gezielt verzerrten, um Stimmung gegen die Regierung Bush zu machen: MSM credibility, R.I.P., schrieb Malkin: Ruhe sanft, Mainstream-Media-Glaubwürdigkeit.
Das Geschrei ist verstummt
Schnell war die Rede vom AP-Skandal; die gesamte Irak-Berichterstattung der AP wurde in Zweifel gezogen. Umgekehrt hieben liberale Websites wie Media-Matters auf die warblogger ein. Und da die Mainstream-Medien in Amerika das Feld der Hintergrund-Berichterstattung den Bloggern überlassen, konnten die ungehindert journalistisches Porzellan zerschlagen. AP blieb unterdessen dabei, dass Reporter der Organisation mit Jamil Hussein gesprochen hatten.
Vor ein paar Tagen bestätigte das Innenministerium im Irak nun die Existenz von Jamil Hussein und teilte mit, er sehe möglicherweise einer Gefängnisstrafe entgegen - weil er mit Journalisten gesprochen habe. Das Geschrei ist verstummt. Michelle Malkin ist auf eine herausfordernde Einladung des CNN-Nachrichtenchefs Eason Jordan hin selbst in den Irak gereist und berichtet nun kleinlaut von Gefahr, Gewalt und Korruption, aber auch von Zeichen der Hoffnung im Irak, die die Mainstream-Medien angeblich gern übersähen. Von dem Polizisten Jamil Hussein spricht niemand mehr.
Text: F.A.Z., 23.01.2007, Nr. 19 / Seite 40
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