
Mal ganz ehrlich: wundert uns so eine Entwicklung? Sat 1 arbeitet seit geraumer Zeit mit Hochdruck daran, zur Lachnummer unter den großen Privatsendern zu werden. Mit der Entlassung der Nachrichtenredaktion ist man nun fast am Ziel. Die Übernahme der Tour de France ist der nächste Schritt. Es geht auch dabei nicht darum, ein qualitativ hochwertiges Sportprogramm zu bieten, sondern um puren Sensationsjournalismus: Jede Doping-Enthüllung sorgt für neue Skandale und davon wird der Sender in Zukunft noch mehr zehren, als er es jetzt schon tut.

Ich erinnere mich gerne, wie der Kausch am Ende von 'Heute Nacht' im ZDF immer seinen Kuli klickte...
Das Drama um die Auflösung einer Redaktion auf Sat1 scheint mir höchst scheinheilig.
Wie oft teilten uns die Fernsehjournalisten mit, dass dieser und jener Konzern hunderte, tausende Mitarbeiter entließen, immer mit dem Tonfall des Bedauerns, aber mit Unterton 'Es wird wohl notwendig sein'.
Nun, diese Fernsehjournalisten sind jetzt selbst die Opfer solcher 'Notwendigkeit'. Und plötzlich wird beschworen auf allen Kanälen: Der Untergang des Abendlandes. Die böse Renditehatz. Die armen Journalisten, so ungerecht, ihre Arbeit war doch soooo gut. Da sind böse, dumme Geschäftsführer am Werke, Nieten, Idioten.
Die Journallie macht Lobby-Journalismus nur das Eigeninteresse. Eng zieht sich das Corps im Geiste zusammen und prangert an, was tausendmal zuvor kritiklos verkündet wurde, wenn Entlassungen nur die Zuschauer betraf.
Es ist scheinheilig, kritisch zu werden, wenn es die Journallie selbst betrifft. Ich kanns nicht ertragen. Ich schalte ab, abonniere ab, ich glaubs nicht mehr.
Wenigstens winselt der Kausch nicht. Soll er atmen und hoffen - ich atme nur noch...

Nachrichten sind für die Mehrzahl der Konsumenten nichts weiter als eine Sonderform der Unterhaltung. Also spielt es auch keine Rolle, wieviel Wahrheit oder sonst eine inhaltliche Qualität darin verborgen sein könnte. Die formale Qualität ist wichtiger und dafür braucht es keinen professionell erfahrenen Journalisten, sondern nur einen versierten Sprecher und Darstellungskünstler. Der ist vielleicht teurer als ein Nachrichten-Profi, aber dafür fällt der ganze Beschaffungzinnober weg. Sat1 ist hier lediglich der Vorreiter, andere werden folgen.

....daß ein Sender nun Leute feuert, die gerade dabei waren, die Privaten in punkto Seriosität auf Augenhöhe mit den Öffentlichen zu bringen. Aber vielleicht wird das Ganze ja doch irgendwann zum Bumerang, wenn die Werbewirtschaft merkt, daß nur ein Qualitätssender auch "Qualitätszuschauer" hat, die für sie interessant ist.

Was Herr Kausch erlebte, ist bei fast allen Firmen in der BRD der Normalzustand. Am Ende heißt es immer, wir danken für Nichts! Nur die Fa. SAT1 macht überraschenderweise kein Hehl daraus. Aber die steigende Neigung zum Streik zeigt, dass auch die Mitarbeiter mittlerweile begriffen hatten, wie der Hase läuft und lassen sich nicht mehr mit Luftblasen a la "wir müssen sparen" etc. abspeisen. Es war auch die höchste Zeit!

menschliche Erwägungen kommen da genausowenig vor, wie
strategische Überlegungen abseits von Renditeerhöhungen der
kurzsichtigen Art.
Sie kosten zu viel und damit Auf Wiedersehen!
Wacht auf, Journalisten, bevor es Euch ähnlich ergeht.
Nicht das die meisten von Euch dieser Form des Wirtschaftens
das Wort geredet haben und dann selbst unsanft die Folgen zu spüren bekommen.
Danke CDU, Danke, Dr. Kohl, für diese Art von Privatfernsehen!
MfG

Hier zeigen sich mE ganz deutlich die Grenzen der angeblich so strategisch denkenden Private Equity Fonds, deren Köpfe ja die smartestenden der Welt sein sollen.
Anstatt langfristige erfolgreiche Strategien zu entwickeln und umzusetzen, wird auf kurzfristige Effekte geschielt und da ist natürlich ein "teures Nachrichtenteam" zunächst mal ein signifikanter Schnitt in die Kosten - zumal, wenn man im Konzern noch ein zweites Nachrichtenteam hat.
Das Problem sitzt aber tiefer. Die Private Equity versprechen ihren Investoren Renditen, die langfristig nicht darstellbar sind, insbesondere bei der Knappheit und dem Wettbewerb um Firmen mit Top Potential. Da werden gute Firmen mit Top Potential gekauft, wie es sicherlich diese Gruppe ist, allerdings im Rahmen eines Bieterverfahren viel zu teuer eingekauft und dadurch auch viel zu hoch mit Fremdkapital finanziert. Weiterhin ist dieses Unternehmen ja bereits durch einen PE Investor restrukturiert worden, dh vieles, was an kurzfristigen Massnahmen normalerweise gemacht werden kann, wurde bereits getan.
So bleibt dann nur eine langfristige schwachsinnige Massnahme, wie diese.
Leider werden sich solche Unternehmensmeldungen mehren, da den PE Firmen nichts besseres einfällt.

Wozu sollten denn die Heuschrecken "gute Nachrichten" unter`s Volk bringen? Es reicht doch, wenn sie Amerikanisches Geistesgut wie Coca Cola oder Mc Donnalds oder die Vollirren aus irgendeiner Familiensaga auch den deutschen Konsumenten vorsetzen. "Qualität ist nicht erwünscht." Man sollte sich einmal die wirklichen Väter der Heuschrecken-Firmen ansehen. Sind diese vielleicht anders als Putins Vasallen oder ggf. gleichen Blutes??? Danach würde man u.a. diesen Sender niemals mehr sehen wollen!!!

Die Moderation von Thomas Kausch war immer etwas Besonderes. Ich habe seine Sat1 News immer gern gesehen und vermisse ihn. Vermutlich werde ich auf die Sat1-News zukünftig verzichten können.
Das Konzept der Geschäftsführung, die Qualität herunterzufahren, um die Rendite auf 25 bis 30 Prozent zu erhöhen, wird nicht aufgehen.
Wie wenig Bedeutung der Sender der journalistischen Verantwortung zumisst, zeigt die Übertragung der Tour der France.

Was hat dieser Kausch denn wohl erwartet. Der aggressive Kapitalismus fordert nicht nur in Industrie und Gewerbe, sondern auch bei den Medien seine Opfer. Nachrichten sind so etwas wie unwichtig, weil keine Kohle damit verdient werden kann. Deswegen verkommt das TV immer mehr zum Abzocksystem. Das Ganze Sat1-Paket ist verkommen zu einer amerikanischen Seifenoper mit Comedy-Müll, amerikanischer Waffenschau und unendlichen Wiederholungen von Mord und Totschlag. Bei RTL ist das Niveau keinen Deut besser. Der einzige Lichtblick ist die Formel1, wenn man daran interessiert ist. Journalismus ist schon lange nicht mehr gefragt, Anpassung, Steigbügelhalter- und Mittäterschaft ist angesagt.
Der Weg zum Taxifahrer ist vorprogrammiert oder einen völligen Neuanfang wagen!

...im Leben, dazu gibt es keine zwei Meinungen oder Ansichten. Hier erleben wir eine von solchen Fehlentscheidungen, die wir als Zuschauer nur mit der Fernbedienung abstrafen können. Pfui Teufel, Herr Alberti.